Konzert

Carla Brunis charmante Verführung in der Berliner UdK

Die ehemalige Premìere Dame Frankreichs sang in Berlin eine Verführung in 20 Liedern. Carla Bruni führte mit unwiderstehlichem Charme durch den Abend und schmeichelte dem Publikum.

Foto: Tobias Hase / AP

Wie gern sie doch in der Stadt sei, sagt sie gleich am Anfang, nach dem ersten Lied. Es sei „eine Ehre in Berlin zu sein“, so Carla Bruni mit süßlicher Stimme. Das Publikum in der UdK an der Hardenbergstraße in Charlottenburg klatscht ein wenig beklommen, leicht abgestoßen von der billigen Schmeichelei.

Nach eineinhalb Stunden verabschiedet sich die ehemalige Premìere Dame Frankreichs, das sei jetzt „ein bisschen traurig“, was jetzt folge, denn nun komme das letzte Lied: „La dernière minute“. Und wenn man sie fragen würde, sagt sie mit der ebengleichen süßlichen Stimme, was sie sich für ihre letzte Minute wünschen würde, dann wäre es „noch ein weitere Minute mit Euch“, mit dem Publikum, zu verbringen. Und man denkt sich, zweifelnd und doch hoffend: „Wirklich, ist das so, noch eine einzige Minute mit mir, meint sie das ernst, ach, das ist ja toll?“

Eine Verführung in 20 Liedern – Carla Bruni zeigt, wie das geht. Sie lädt in ihr Leben ein. Besser gesagt: Sie gibt einem das Gefühl, nach und nach, Chanson für Chanson, sie besser kennenzulernen. Nahezu jedes Lied kündigt sie mit „and the next song is...“ an: Ein Song für ihren toten Bruder, ihren Mann Nicolas Sarkozy („Ihr wisst ja alle, wer mein Mann ist, aber es ist jetzt nicht Nicolas, sondern hier heißt er Raymond“), über das Wissen, einen Fehler zu machen („Ihr kennt das, wie das ist, wenn man etwas falsches gemacht hat“), über das Gefühl, glücklich zu sein und was für ein Segen es ist, einfach mal die Zeit zu verschwenden („Le temps perdu“).

Die ganze Gefühlspalette von verpatzten Träumen, kaum zu rechtfertigenden Hoffnungen und immer wieder Lieder über die Liebe. „Carla Bruni weiß auch keinen Ausweg aus der Midlife-Crisis, aber sie schreibt wenigstens gute Texte darüber“, hat die „Welt am Sonntag“ es zusammengefasst.

Seit 2002 vier Alben

Vier Alben hat die Italienerin mit französischem Pass seit 2002 herausgebracht, ihr Erstling „Quelqu'un m'a dit“ hat aus einem einstigen Supermodel, eine Berufsbezeichnung der 90er-Jahre, eine Sängerin gemacht, die die etwas dahinsiechende Gattung des Chansons neu belebte. „Ich mache nur ein wenig lala auf der Gitarre“, hat sie am Anfang ihrer Karriere noch reichlich kokett gesagt. Das würde sie heute wohl noch kaum so bezeichnen. Ihre Lieder sind geradeheraus, kaum länger als zwei Minuten, ihre Stimme ist klar und gelegentlich lasziv und rauchig. Ein Lied beendet sie mehr als einmal mit einem Hauchen.

Begleitet wird sie von Klavier und Gitarre, dann und wann greift sie selbst zur Gitarre. Im Hintergrund steht eine angedeutete Bücherwand und gelegentlich werden Videos eingespielt: Carla pflückt Blumen, Carla malt ein Bild, Carla tanzt verträumt. Auf die Ablenkung hätte man gern verzichtet, aber gut.

Sie führt mit unwiderstehlichem Charme durch den Abend, mit einem sanften Lächeln. Die Frage, warum sie, gesegnet mit einem der schönsten Gesichter der Welt, sich Botox angetan hat, stellt man sich unweigerlich still und heimlich. Aber am Ende ist es ihre private Angelegenheit.

In „Les Diseurs“ besingt sie den Drang der Menschen zu tratschen und beschreibt, wenn Menschen zu Jagdhunden werden und sich auf andere Menschen stürzen, die ohnehin schon angeschlagen sind. „Das ewige Geschwätz“, das verachte sie.

Beim Rausgehen fragt eine Dame ihre Begleitung, wie „die sanfte Bruni wohl ist, wenn sie wütend wird“. Wir wissen es nicht. Und selbst wenn, wir würden es für uns behalten. Versprochen.