Tonfilm

Operettenstar Marta Eggerth ist mit 101 Jahren gestorben

In Budapest wurde Marta Eggerth geboren. 1930 kam sie nach Berlin, um in Operetten- und Sängerfilmen zum Star zu werden. Am 26. Dezember ist sie in New York gestorben.

Foto: Horst Ossinger / dpa

Es gab eine Zeit, da war für manche Mädels die Erfindung des Tonfilms ein wahres Geschenk des Himmels, ähnlich wie es heute das Fernsehen ist, zumal wenn sie jung waren, hübsch und überdies singen konnten. Außerdem war es natürlich ein Vorzug, in Budapest geboren und vom lieben Gott mit einer glücklichen Prise Paprika gewürzt worden zu sein.

Dies Glück war Marta Eggerth zuteil geworden, und sie zögerte nicht, es auszuspielen. Sie sang wie die sprichwörtliche Lerche, sogar leichthin über das vielgepriesene hohe C hinaus und spielte sich dabei in die Herzen der erst neuerdings tonfilmsüchtigen Menschheit. 1930 war sie nach Berlin gekommen, wo sie in zahlreichen Operetten- und Sängerfilmen auftrat und ein gefeierter Star wurde.

Die Komtess im Kinodienst

Marta Eggerth war eine Klasse für sich. Sie war musikalisch hoch professionell und gleichzeitig charmant. Sie konnte schick sein und über die Maßen natürlich. Sie war das Komtesschen vom Kinodienst, wie geschaffen, den Franzl Schubert an der Hand zu nehmen und ihn kompositorischen Paradiesen entgegenführen: dorthin also, „wo die Lerche singt“, und die war natürlich auf den Namen Marta Eggerth getauft. Die Eggerth war, wie sie sang: wohlerzogen. Die Eggerth entflammte die Herzen beinahe mehr als die Sinne. Um sie war Unschuld. Auf die Idee, dass Liebe Sünde sein könne, kam sie nicht. Ihr, der Reinen, war alles rein. So jedenfalls schien es ihrem Publikum.

Jan Kiepura wurde ihr Ehemann

Dennoch — das Leben wurde von heute auf morgen schwer für sie. Man verjagte sie von der deutschen Leinwand. Man hetzte sie in die Emigration. Mit ihrem polnischen Mann, dem Star-Tenor Jan Kiepura, den sie bei den Dreharbeiten zu dem Film „Mein Herz ruft nach Dir“ kennen gelernt und 1936 schließlich geheiratet hatte, rettete sie sich nach Amerika. Leicht war das gewiss nicht. Bitterkeit blieb. Sie löste sich erst im Alter. Eine Heiterkeit, eine Überlegenheit des Herzens trat dabei zum Vorschein, die auf neue Art zu bezaubern verstand.

Comeback auf der deutschen Bühne

Zuvor hatte es freilich ein Comeback auf der deutschen Bühne gegeben, das deutlich machte, wie schwer es war, an die alten Erfolge anzuknüpfen. Nun war wieder die „Lustige Witwe“ an der Reihe und Kiepura tauchte ab wie eh und je ins Maxim. Aber der „Zauber der Boheme“ von einst war dahin, das „Blaue vom Himmel“ hatte sich deutlich umwölkt. Die glorreichen alten Erfolge passé. Das Leben ging weiter, und der Charme regenerierte sich auf wundersame Weise. Ein Fingerschnipp der Eggerth war am Ende effektvoller und unvergesslicher als der heißeste Csardas der jungen Mädchen, die ihre Enkelinnen hätten sein können.

Öffentlich mit ihr telefoniert

Marta Eggerths Talente waren gereift wie der köstlichste Wein. Ein paar Tröpfchen, vielleicht auch nur sein Bukett verstanden auf beseligende Weise beschwipst zu machen. Das war am Ende wohl doch, was ein Film von Marta Eggerth schon 1934 versprochen hatte: „Ihr größter Erfolg“. Noch im Herbst hat die Komische Oper nach einer Vorführung von „Das Blaue vom Himmel“ mit ihr öffentlich telefoniert. Da war sie sehr klar, da hat sie von Berlin geschwärmt. Jetzt ist Marta Eggerth im Alter von 101 Jahren friedlich eingeschlafen.