Theater

Liebe zu dritt - „Jules und Jim“ im Deutschen Theater

„Jules et Jim“ ist ein Kinoklassiker von François Truffauts. Nun bringt Regiestudentin Lilja Rupprecht die Geschichte der Dreiecksbeziehung im Paris vor 100 Jahren auf die Bühne; leider etwas harmlos.

„Die Liebe“, sagt Jim zu Jules einmal, „ist eine Abfolge von Anwesenheiten.“ Anwesend waren Lina, Magda, Odile, Gertrud, Gilberte und viele andere. Sie ließen es sich gut gehen, die beiden jungen Männer in Paris, wo das Leben 1912 nach Rotwein, nach Frauen und nach süßer Sorglosigkeit schmeckte. Und dann kam Catherine. Ihrer beider große Liebe. Was die mit den Monsieurs anstellte, verfilmte François Truffaut bereits 1962 in seinem Nouvelle-Vague-Klassiker „Jules et Jim“.

Wenn Regiestudentin Lilja Rupprecht den Stoff nun auf die Bühne der Box im Deutschen Theater bringt, dann ist das ein mutiges Vorhaben, denn die Bilder der Jeanne Moreau als Catherine, la Femme Fatale, lassen sich nur schwer aus dem Kopfkino verbannen. Rupprecht aber akzentuiert den Roman von Henri-Pierre Roché, auf den Truffaut sich bezog und der, wie wir seit rund 20 Jahren wissen, auf wahren Erlebnissen des Autors beruht, neu. „Jules und Jim“ heißt der Abend, also konzentriert sie sich von Anfang an auf die beiden Herren. Auf ihre von der Leichtigkeit des Seins getragene Freundschaft und darauf, dass die ein Leben lang nicht infrage steht. Obwohl Catherine sich erst mit Jim verabredet, dann Jules heiratet, später aber von Jim ein Kind will.

Ole Lagerpuschs Jules ist sanft, verstehend, ein bisschen naiv. Jim dagegen bei Elias Arens ganz der gestandene Bonvivant, ein selbst ernannter „revolutionärer Feind der Ehe“. Für diese Freundschaft legt Lilja Rupprecht in wenigen Strichen zwischen Bett (für den Damenbesuch und die Melancholie) und einfachem Holztisch (für Bücher, Rotwein und Schachpartien) ein sicheres szenisches Fundament.

Unruhig wird es erst, als Catherine auftaucht. Nicht nur in den Herzen der Herren. Olivia Gräsers Catherine ist ein so flatterhaftes Ding, dass man den Jungs raten wollte, sie direkt in den Wind zu schießen. Dass ihrer Figur der geheimnisvolle Abgrund fehlt, liegt vor allem daran, dass sie gar keine Zeit hat, einen zu entwickeln. Etwa ab der Hälfte des Abends nämlich jagt Lilja Rupprecht ihre Figuren geradezu von Gefühl zu Gefühl, von Begegnung zu Begegnung und auch leider auch von Bonmot zu Bonmot. Etwas Ruhe bringt noch Katharina Matz ins Spiel als Erzählerin in Gestalt der gealterten Catherine. Es bleibt diese Geschichte einer fragilen Liebe zu dritt auch an diesem Abend immer noch eine rührend schöne. Aber leider auch viel harmloser als sie hätte sein können. Der Liebe sei die Flüchtigkeit gestattet, Theater aber darf gerne etwas nachhaltiger beeindrucken.

Deutsches Theater/Box, Schumannstr. 13a, Mitte. Termine: 10., 11 und 25. Dezember, Telefon 28 441 225