Museum Berggruen

Bilder von Paul Klee müssen bis Sommer 2014 auswandern

Das gesamte Dach des Erweiterungsbaus des Berggruen Museums muss neu aufgestockt werden. Paul Klee wandert nun aus – in die benachbarte Sammlung Scharf-Gerstenberg. Die Schau ist ein Glücksfall.

Foto: Paul Zinken / dpa

Ein Museumschef kann sich wirklich besseres vorstellen, als den schmucken Erweiterungsbau des Berggruen Museums nur wenige Monate nach feierlicher Eröffnung wieder dichtzumachen. Wie man jetzt weiß, muss das ganze Dach abgetragen und neu aufgestockt werden. Wer bei der Arbeit am Dachstuhl des historischen Kommandantenhaus so arg schluderte und wer letztlich zahlt, darüber wird nun heftig gestritten. Museumschef Udo Kittelmann jedenfalls rechnet mit einer Sanierungsdauer bis Sommer nächsten Jahres. Wenn das mal reicht.

Merkwürdigerweise hat sich dieses Unglück in ein kleines Sonderausstellungsglück verwandelt. Genau genommen in ein „Les Klee du Paradies“. Während der Hausheilige Picasso weiterhin im Stammhaus residiert, ist Paul Klee temporär ausgewandert, nicht weit, in die benachbarte Sammlung Scharf-Gerstenberg. Sie gehört ebenfalls zur Nationalgalerie, allerdings leidet sie unter dem Besucher-Schwergewicht Berggruen vis-à-vis. Nun vereint man sich hier für eine Zeit lang, denn die Klees sollen ja nicht ins Depot. Und die Tickets gelten ohnehin für beide Häuser.

Rund 70 Klees im verführerischen Dämmerlicht

Der fantasievolle Titel stammt übrigens von Berggruen selbst, seltsamerweise hat er die Schau dazu nie realisiert, obgleich er fünf Einzelausstellungen zu Klee in seiner Zeit in Paris auf die Beine gestellt hat. Somit versteht Kittelmann die Schau auch als Hommage an den einstigen Kunsthändler, der am 6. Januar 100 Jahre alt geworden wäre.

Zum Bestand Berggruen zählen rund 70 Klees, konzentriert rund um die spannende Bauhaus-Zeit in Weimar und Dessau. Dieter Scharf, dessen Kollektion die Basis bei Scharf-Gerstenberg stellt, hatte hingegen ein Faible für die suchenden, zarten, noch stark grafischen, ganz mit dem Surrealen, ja Traumhaften verbändelten Werke des frühen Künstlers. Hier schließt sich zusammen, was zusammen gehört, neu durchmischt, und damit wie „mit neuer Brille gesehen“, wie eine Kuratorin anmerkt.

Und siehe da: im einstigen fensterlosen Marstall empfängt nun eine ganz wunderbar geschlossene, intime, kleinformatige Kabinettschau im verführerischen Dämmerlicht. Es liegt sicher nicht am Advent, dass wir das „Lebkuchen“-Bild von 1925 zum Anknabbern finden, so taktil wirkt das Werk hier. Der Mann experimentierte schlicht mit einer Strukturtapete, braun bemalt, wirkt die Oberfläche knackig wie ein weihnachtlicher Keks.

Den Kopf rappelvoll mit Ideen

Klee, das waren, wie sagt man so schön, „viele Ichs“. Da war der penible, dort der frei improvisierende Künstler, der abstrakte, spielerisch-visionäre, dann wieder taktil, amorph, geradezu spirituell, auch wieder bodenständig wie die „Betrachtungen beim Frühstück“ zeigen. Der Künstler jedenfalls muss einen Kopf rappelvoll mit Ideen gehabt haben.

Ein wenig Größenwahn gehört wohl schon dazu, wenn er 1901 notierte: „Mein Haupt glüht zum Springen (...) Bin ich Gott?“ In seinem Bild „Idee der Türme“ hat er das ziemlich symbolstark umgesetzt. Aus einem Kopf wachsen lauter Architekturen als „Gedankengebäude“ heraus. Er konnte seine Rolle als Künstler aber durchaus mit Distanz betrachten.

„Ein paar Götter“ zeigen zwei Gesichter, aus einem Kopf dringt ein Pfeil; womöglich ein Selbstporträt zusammen mit Kandinsky. Beide waren 1924 Lehrmeister am Bauhaus, wo sie von der Stellung her „gottähnlich“ verehrt wurden. 1933 arbeitet Klee an der „Zeit“, seltsam eingefroren wirkt das Bild mit dem Pfeil und den eingegipsten, quadratischen Gaze-Stücken, so, als würden die Uhren fortan anders ticken.

So war es dann ja leider auch. Klee verliert 1933 seine Professur in Düsseldorf, seine Kunst wird von den Nazis als „entartet“ eingestuft.

Sammlung Scharf-Gerstenberg, Schloßstr. 70, Di-Fr 10-18 Uhr, Sa-So 11-18 Uhr. Bis 31. August 2014.