Film

Zwischen De Niro und Pfeiffer stimmt einfach die Chemie

„Malavita“ ist der erste Film, für den Robert De Niro und Michelle Pfeiffer gemeinsam vor der Kamera standen. In Berlin haben die Hollywoodstars erzählt, wie sie mit ihrem Image spielen.

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Sie haben schon zwei gemeinsame Filme gedreht: „Der Sternwanderer“ (2007) und „Happy New Year“ (2011). Dabei haben die Hollywoodstars Michelle Pfeiffer und Robert De Niro aber nicht eine gemeinsame Szene gehabt. Welch Unterlassungssünde. Damit ist nun Schluss: In der Komödie „Malavita“ spielen sie nicht nur beide mit, sie spielen auch miteinander. Als Mafia-Ehepärchen im Zeugenschutzprogramm, auf der Flucht vor dem Mob.

Das ist nicht nur eine wohlfeile, sondern auch eine hochironische Besetzung: Denn nicht nur De Niro hat von „Der Pate 2“ bis zu „Good Fellas“ schon so manchen Mafiosi gespielt, auch Michelle Pfeiffer hat diesbezüglich mit Filmen wie „Scarface“ oder „Die Mafiosi-Braut“ auch ein stattliches Vorstrafenregister.

Wir trafen die beiden Stars im Ritz Carlton Hotel. Wobei Michelle Pfeiffer versucht, den zumindest bei Presseinterviews notorisch einsilbigen De Niro ein wenig aus der Reserve zu locken. Was ihr nicht immer gelingt.

Berliner Morgenpost: Nach zwei gemeinsamen Filmen: Wie war das, nun endlich, im dritten Anlauf, auch mal miteinander zu spielen?

Michelle Pfeiffer: Ich war ganz aufgeregt. Ich hab mich allerdings schon zwei Mal auf Sir Bob gefreut. Und dann stellte sich jedes Mal heraus, dass ich keine einzige Szene mit ihm hatte. Ich habe deshalb erst mal das Drehbuch durchgeblättert. Und freute mich über all die Szenen mit ihm.

Robert De Niro: Dito. Michelle ist großartig. Ich wünschte, wir hätten schon früher in unserer Karriere mal zusammen gedreht. Ist leider nicht passiert.

Sie spielen ein Ehepaar, das durch dick und dünn gehen muss. Wie schwer ist es, da reinzukommen? Gleich so ein Vertrauen herzustellen?

De Niro: Das ist ganz leicht. Michelle und ich, wir sind schon ewig verheiratet...

Pfeiffer: ... nicht miteinander! (beide lachen schallend)

De Niro: Ja, das wäre noch mal eine andere Erfahrung. Was ich sagen wollte: Wir haben beide Familie. Sie ist uns beiden sehr wichtig. Alles andere war das Drehbuch. Das war sehr gut geschrieben.

War die Chemie gleich da zwischen Ihnen?

Pfeiffer: Wir fühlten uns gleich wohl mit uns. Das ist wirklich eine Frage der Chemie. So etwas stellt sich ein oder nicht. Das weiß man vorher aber nie. Wir beide haben wohl ein ähnliches Arbeitsethos. Und dann hatten wir so eine Art Ehe zu dritt, denn Luc Besson, der Regisseur, war immer mit dabei.

Sehen Sie das genauso, Herr De Niro?

De Niro: Jawohl.

Was tun Sie, wenn Sie am Set mal feststellen, dass die Chemie nicht so funktioniert, wie sie sollte?

Pfeiffer: Oh, wir schauspielern. Das ist nun unser Job.

De Niro: Und wenn du ihn gut machst, merkt es keiner.

Sie haben ja schon beide echte Mafia-Karrieren hinter sich. Sind die Malavitas auch so etwas wie Parodien auf Ihre eigenen Filmcharaktere?

De Niro: Ja, das ist so eine Art Quintessenz zu meinen Gangstern. Ich darf mir ja sogar in diesem Film selber „Goodfellas“ anschauen. Das war eine hübsche Idee.

Pfeiffer: Sagen wir, wir haben da so unsere Erfahrung gemacht. Und es machte Spaß, damit spielen zu können. Obwohl ich ja fürchte, dass die meisten im Publikum heute diese Filme gar nicht mehr kennen. Ist schließlich schon Jahrzehnte her.

Sie müssen als Ex-Mafiosi untertauchen, sich vor der Öffentlichkeit verstecken. Wie viel Parallelen gibt es da zu Ihnen als Filmstars, die von Paparazzi verfolgt werden?

Pfeiffer: (lacht).

De Niro: Ja, vielleicht sollte man ein Gesetz gegen sie erlassen. Die sind zwar keine Killer, aber nah dran.

Herr De Niro, Sie schreiben im Film Ihre Memoiren. Das ist sicher nicht das Naheliegendste für einen Ex-Mafioso. Schauspieler tun das schon eher. Werden Sie es auch einmal tun?

De Niro: Das müsste ein lustiges Buch sein. Die meisten Sachen erweisen sich ja im Rückblick als ziemlich komisch. Aber nein, darüber denke ich nicht nach. Ich will lieber noch mal einen Film selbst inszenieren. Aber mit so was bist du über Jahre beschäftigt.

Pfeiffer: Ich weiß auch nicht. Kann schon sein, dass ich das eines Tages mal tun werde. Aber einen Großteil meines Lebens habe ich damit verbracht, mein Privatleben zu schützen und eben nichts preiszugeben. Ich würde, wenn überhaupt, lieber über meinen Vater schreiben. Nicht über mich. Wissen Sie, ich bin gar nicht so interessant.

Jetzt kokettieren Sie.

Pfeiffer: Nein, wirklich! Ich habe ein schönes Leben, aber vielleicht ist es gar nicht so aufregend, wie alle glauben.

Merkt man in der Branche, dass man älter wird?

Pfeiffer: Man nennt das Schwerkraft, Baby, dagegen kann man nichts tun.

De Niro: Oder doch? Können Sie uns da zu etwas raten?

Pfeiffer: Keiner schaut sich gern dabei zu, wie einem die Dinge nicht mehr so leicht fallen, wie dein Gesicht faltiger wird. Aber wir alle kommen da hin.

Sieht aber alles noch ganz gut aus, wie Sie da auf Leute einprügeln.

Pfeiffer: Ich liebe diese körperliche Arbeit. Ich würde gern mal so ein Jack-Bauer-24-Ding machen. Naja, vielleicht wäre das mehr „Granny get your Gun“. Egal. Das könnte ich machen.

Frau Pfeiffer, die Frage schickt sich vermutlich nicht. Aber ist das Alter der Grund, warum man Sie in den letzten Jahren nicht mehr so häufig im Kino gesehen hat?

Pfeiffer: Im Gegenteil. Ich war halt eine arbeitende Mutter. Eine Working Mum. Deshalb habe ich die letzten 20 Jahre immer überlegen müssen, wie lange sind die Dreharbeiten, wie lange bist du von der Familie weg. Wenn die Kids in der Schule sind, geht das. Aber was, wenn der Dreh sich verzögert? Dann stürzt das ganze Zeitmanagement ein. Das hat mir viele Möglichkeiten verbaut. Aber jetzt sind die Kinder aus dem Haus. Ich bin ein „Empty-Nester“. Ich vermisse sie sehr, natürlich ist da eine große Leere. Aber es ist auch total befreiend. Ich kann jetzt wieder mehr drehen, muss mich nach niemandem mehr richten.

Wie schwierig ist es, Familie zusammenzuhalten?

De Niro: Das ist immer Arbeit. Bei mir sind’s ja jetzt schon die Enkel. Da muss man schon dahinter sein. Aber ich manage das. Und heutzutage gibt es ja Skype. Das habe ich lernen müssen. Aber wenn ich jetzt hier in Berlin bin, kann ich so trotzdem mit ihnen kommunizieren.

Ihre Filmtochter schwärmt, sie hätte im wahren Leben nie so eine Mutter gehabt wie Sie, mit der man über Sex reden konnte.

Pfeiffer: Sex ist ein ziemlich unangenehmes Thema zwischen Mutter und Kind. Aber ein so wichtiges. Wir müssen darüber reden, vor allem heutzutage. Ich habe dazu drei Worte zu sagen: Kondome, Kondome, Kondome!