Premiere in Berlin

Deutsche Oper verlegt Verdis „Falstaff“ ins Seniorenheim

„Falstaff“ ist Giuseppe Verdis letzte Oper. Zum Verdi-Jubiläum hat die Deutsche Oper das Alterswerk neu inszeniert. Statt Ritter bevölkern Rentner die Bühne, Schwerter werden durch Gehstöcke ersetzt.

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Die Premiere beginnt mit einem Stummfilm. Die Zuschauer werden in das von Giuseppe Verdi in Mailand gegründete Altersheim für mittellose Künstler entführt. Dann öffnet sich der Vorhang an der Deutschen Oper Berlin und Verdis Alterskomödie „Falstaff“ spielt an diesem Ort.

Der versoffene Falstaff-Sänger (Noel Bouley) benötigt Geld, und so stellt er zwei alten Damen im Heim nach. Plötzlich fühlen sich alle jung, ob aus Liebe, Zorn, Hoffnung oder Eifersucht.

Regisseur Christof Loy ist eine witzig-melancholische Inszenierung gelungen. Das Orchester unter Generalmusikdirektor Donald Runnicles ist bestens gestimmt. Das Publikum jubelte am Ende allen Beteiligten zu.

Die Eskapaden des englischen Schwerenöters ließ Loy am Sonntagabend in dem vom italienischen Komponisten in Mailand tatsächlich gegründeten und bis heute bestehenden Heim für Musiker, der „Casa di Riposo“, spielen. Statt der Ritter bevölkern Rentner die Bühne, die Schwerter werden durch Gehstöcke ersetzt.

Sache mit dem Altersheim bei Verdi ist nicht neu

Die Komödie nach einer Vorlage von Shakespeares „Die lustigen Weiber von Windsor“ und „Heinrich IV.“ und dem Libretto vom Arrigo Boito komponierte Verdi (1813-1901) mit 80 Jahren. Sie gilt als eines der großen Meisterwerke des Italieners.

Die Sache mit dem Altersheim bei Verdi ist nicht neu: Dustin Hoffman hat seine Filmkomödie „Quartett“ über alternde Musiker im Ruhesitz spielen lassen, noch in diesem Sommer inszenierte Damiano Michieletto „Falstaff“ bei den Salzburger Festspielen in einen Nachbau der „Casa Verdi“ in Mailand. Auch an der Berliner Volksbühne hatte Johann Kresnik eine Hommage an die Mailänder Residenz choreografiert. Kein Wunder: Der abgetakelte Sir John hat schon bessere Zeiten erlebt. Jetzt steht er, von Fresssucht und und Alkohol gezeichnet, vor dem Lebensabend und will es nochmal wissen.

Allerdings zieht Loy in seiner siebten Verdi-Inszenierung – und nach „Jenufa“ seiner zweiten Arbeit an der Deutschen Oper – das Altersheim-Motiv nicht immer konsequent durch. Manchmal reicht im Bühnenbild von Johannes Leiacker eine Tür, um innen und außen anzudeuten, Requisiten werden hin- und hergeschoben, Falstaffs Lebensmittelpunkt, das Bett, landet schließlich im Wald.

Für eine gelungene „Falstaff“-Inszenierung ist allerdings die Besetzung der Titelpartie ein Schlüssel zum Erfolg. Der für die Rolle vorgesehene Markus Brück hatte aus Gesundheitsgründen abgesagt, für ihn sprang der Stipendiat der Deutschen Oper Noel Bouley ein.

Dana Beth Miller glänze als Intrigantin Mrs. Quickly, und Michael Nagy als der eifersüchtige Ehemann Ford.