Berlin-Konzert

It‘s a Family Affair - Sheila E. bringt das Huxleys zum Kochen

Schlagzeugerin Sheila E. und Bassist Larry Graham sind gemeinsam auf Tournee. Mit ekstatischem Soul, Funk und Latin feierten die beiden im Berliner Huxleys eine Adrenalin getriebene Party.

Es sind gleich zwei Legenden, die am Sonnabend auf der Bühne von Huxleys Neuer Welt auf der Bühne stehen. Der Bassist Larry Graham mit seiner Band Graham Central Station und Schlagzeugerin Sheila E. mit ihrer aktuellen Formation. Beides Stil-Ikonen, die die Popmusik nachhaltig beeinflusst haben. Es wird ein langer Abend, eine von Soul und Funk getriebene, bewegungsintensive Party, bei der sich die Musik gospelgleich in emotionsgetriebene Ekstase emporschwingt.

An Larry Graham ist es, den Abend kurz nach 20 Uhr zu eröffnen. Er spielt sich quer durchs Publikum auf die Bühne. Weiß der Anzug, weiß der mit schwarzer Feder geschmückte Hut, weiß auch der Bass, über den Graham mit großer Lässigkeit und dickem Daumen die Spielhand schüttelt. Er kennt die Tricks, mit denen man das Publikum auf seine Seite zieht. Später wird er für einen Song auf einen Stuhl mitten in der Menge steigen. Der Sly & The Family Stone-Klassiker mit dem kryptischen Titel „Thank You (Falettinme Be Mice Elf Agin)“ steht in einer schleppend pumpenden Version am Beginn dieser aufwühlenden Show.

Graham hat Musikgeschichte geschrieben

Larry Graham hat mit seinem Stil Musikgeschichte geschrieben. Der elegante 67-jährige Bassist gehörte einst zu Sly & The Family Stone, stand mit der Band beim Woodstock-Festival auf der Bühne. Er hat die wilden Jahre überlebt. Er gilt als der Erfinder des Slap-Bass, jener nervösen, perkussiven Spielart, die den Funk prägte. Mitte der 70er-Jahre gründete er seine eigene Gruppe Graham Central Station, mit der er bis heute in häufig wechselnden Besetzungen aktiv ist ­- neben seiner Arbeit als Bassist in der Band von Prince, mit dem ihn sein Glaube und die Zugehörigkeit zu den Zeugen Jehovas verbindet.

Der Sänger und Bassist setzt mit seinen fünf Musikern von Anfang an auf Druck. Schlagzeug, Gitarre und zwei Keyboarder, die alles von Korg bis Hammond um sich herum errichtet haben, stärken ihm den Rücken. Auch die für den Funk so wichtigen Bläsersätze kommen vom Keyboard. Die stimmstarke Sängerin Ashling „Bisquit“ Cole komplettiert die aktuelle Central Station-Besetzung. Und bekommt mit Ann Peebles „I Can’t Stand The Rain“ ihren eigenen kleinen Showcase.

Das Huxleys kocht bei „Family Affair“

„We’ve been waiting, for so long“, singen sie a-cappella im Doo-Wop-Stil, „waiting to play for you some of our songs“. Tatsächlich ist es das erste Mal, dass Graham Central Station in Berlin auftreten. Natürlich gehören neben Titeln vom aktuellen Album „Raise Up“ vor allem immer wieder die Hits von Sly & The Family Stone zum Repertoire. Das gut zur Hälfte gefüllte Huxleys kocht bei „Family Affair“, „Dance To The Music“ oder „I Want To Take You Higher“, als Bass-Meister Graham und seine Crew das Publikum im treibenden Funk-Groove über den Dancefloor schieben.

Es ist schon nach 22 Uhr als Sheila Escovedo, die von Prince ihren Künstlernamen Sheila E. verpasst bekam, die Bühne entert. Ein durchtrainierter, schwarzlockiger Rauschgoldengel, Feuer und Flamme für den Rhythmus. Es gehört schon in die Kategorie Hochleistungssport, was die singende Perkussionistin in ihrer Show vollbringt.

Die 55-jährige Tochter von Santana-Perkussionist Pete Escovedo, die schon als 15-jährige in der Latin-Rock-Band Azteca trommelte, ist eine vor Energie bebende Entertainerin, die man zuletzt 2010 beim Konzert von Prince in der Waldbühne erleben konnte. Ihre Auftritte mit Prince in den 80er-Jahren sind legendär. So auch die „Sign o‘ the Times“-Show im Mai 1987 in der Deutschlandhalle, nach der Prince und die gesamte Band nachts um drei noch im Berliner Club Quasimodo auf der Bühne standen.

Sheila E. provoziert pure Glücksgefühle

Mit ihrer eigenen Band spielt Sheila E. einen dem Mainstream verbundenen Latin-Funk mit Pop-, Rock- und Jazzanleihen, der pure Glücksgefühle provozieren will. Sie singt, spielt Timbales, Congas, Schlagzeug, mal Gitarre und sogar mal den Bass. Gerade hat sie nach zwölfjähriger Pause mit „Icon“ ein neues Album eingespielt, auf dem man in den Credits die Zeile „produziert von Sheila E. und Gott“ lesen kann. Und wie einen ausgelassenen Gottesdienst zelebriert sie auch ihren Auftritt in Berlin, der für reichlich Jubel sorgt, auch wenn sich in der Show stellenweise ein pulsierender Gleichklang breit macht.

Neben älteren Erfolgen wie „The Glamorous Life“ spielt sie viele ihrer neuen Stücke wie das derb funkige „Nasty Things“ (mit einem von Band eingespielten MC Lyte), die perlende Latin-Nummer „Mona Lisa“ oder den leichtgängig-schlichten Popsong „Lovely Day“. Und natürlich gibt es auch eine geradezu zappaesk arrangierte Jazz- Version von „Love Bizarre“, jenem Song, den die Diva der Percussions einst gemeinsam mit Prince geschriebenen hat. Sie treibt den Adrenalinpegel lautstark immer weiter nach oben.

Am Ende führt sie zum Dank die Hand vom Herzen in die Höhe und blickt Richtung Himmel. Ohne Ihn würde es meine Musik nicht geben, will sie uns damit wohl sagen. Diese Musik will vor allem eines: bewegen. Sowohl den Körper als auch die Seele. Es hat funktioniert.