Konzertkritik

Mike & The Mechanics führen Berlin an den Strand aus Gold

Mit ihrem Sound reißen Mike & The Mechanics ihr Publikum im Admiralspalast von den Stühlen. Das ist Musik, zu dem Sonny Crockett in den 80ern im Ferrari durch die TV-Serie „Miami Vice“ kreuzte.

Foto: Mike and the Mechanics/Pressefoto

Er habe alles Geld der Welt und sei doch nur ein Bettler an einem Strand aus Gold singt Tim Howar mit tenoraler Wucht am Sonnabend auf der Bühne des Admiralspalastes. Mit Schiebermütze, locker geknüpfter schmaler Krawatte und routinierten Gesten tanzt er über die Bühne und sieht dabei ein bisschen aus wie der junge Phil Collins.

Der Song „Beggar On A Beach Of Gold“ von Mike & The Mechanics ist – obwohl aus den Neunzigern - die Ouvertüre für eine musikalische Zeitreise in die 80er-Jahre. Nach zwei wenig erfolgreichen Soloalben hatte der Genesis-Bassist, Gitarrist und Komponist Mike Rutherford 1985 sein paralleles Bandprojekt Mike & The Mechanics gegründet. Und gleich seit dem ersten Album landete die Band Hit auf Hit.

Ausverkauftes Haus

Damals wie heute stehen zwei Sänger im Vordergrund. Einst waren dies Paul Carrack und der früh gestorbene Paul Young, nun sind es seit 2010 der kanadische Musicaldarsteller Tim Howar und der britische Soulsänger und Keyboarder Andrew Roachford, die diese Band stimmlich prägen.

Der Berliner Radiosender Spreeradio 105‘5 hat Mike & The Mechanics jetzt zu seiner „Privatkonzert“-Reihe eingeladen. Und das Theater an der Friedrichstraße ist ausverkauft, als Chefmechaniker Mike Rutherford und seine Crew am Sonnabend die Bühne in Beschlag nehmen. Hier haben sich Fans versammelt, die wissen, was sie erwartet.

Das ist der – zugegeben etwas zeitgemäß aufgepeppte – Sound, zu dem Sonny Crockett in den 80er-Jahren mit seinem aufgedonnerten Ferrari durch die TV-Serie „Miami Vice“ kreuzte. Das sind Songs, die sich ordentlich und durchdacht, mitunter geradezu schablonenhaft am Baukasten des universalen Songschreibers orientieren. Mit griffigen Keyboardlinien, mit eingängigen Refrains, wohl dosiertem Gitarreneinsatz, ohne zu viele Ecken und Kanten, mit wenig Raum für solistische Alleingänge.

Die sechs Musiker zeigen einige Spielfreude

Dass das Ganze im Konzert so leichtgängig und überzeugend über die Rampe geht, liegt vor allem an der Spielfreude der sechs Musiker. Während der Anfangssechziger Mike Rutherford seine dezent-markanten Riffs auch nach mehr als 25 Jahren noch immer mit charmanter Gelassenheit spielt, sind die Stücke für die beiden Sänger frisch und unverbraucht und sie können sie mit ihren Mitteln neu gestalten.

So bekommen Balladen wie „Another Cup of Coffee“ oder „The Living Years“ durch Roachfords beseelten Stimmeinsatz neues Format wie auch „Everybody Gets A Second Chance“, das sich Howar in einem Akustikteil in der Mitte des Abends zu eigen macht. Schon früh am Abend erklingt „Silent Running (On Dangerous Ground)“. Schon als Roachford die ersten Zeilen „Can you hear me, can you hear me running“ anstimmt, ist der Jubel im Saal nicht mehr zu bremsen.

Roachford, der in den Achtzigern einige veritable Erfolge hatte und dann unverständlicherweise in der Versenkung verschwand, kann im Laufe des Abends mit seinem ersten Hit „Cuddly Toy“ punkten. Da sitzt längst keiner mehr in den Klappsesseln. Und natürlich erklingt mit „I Can’t Dance“ auch eines der wohl markantesten Gitarrenriffs, die Rutherford für die Pop-Phase von Genesis ausgeheckt hat. Der ansonsten eher baritonhafte Rowar kommt hier Phil Collins ziemlich nahe. Wie auch bei der anderen Genesis-Verbeugung des Abends, „Follow Me, Follow You“.

Wuchtiger, treibender Sound

Die Band ist bestens beisammen. Schlagzeuger Gary Wallis, seit 1995 dabei, spielt einen wuchtigen, treibenden Sound und hält die Popleichtigkeit auf Touren. Anthony Drennan darf bei einigen Gitarrensoli glänzen, bedient aber ansonsten den Bass. Der Keyboarder und Saxofonist Luke Juby komplettiert die aktuelle Mechaniker-Mannschaft, die 2010 das aktuelle Album „The Road“ eingespielt hat.

Einen seiner ersten und größten Hits setzt Mike Rutherford ans Finale des gut 90-minütigen Programms. Bei „All I Need Is A Miracle“ von 1986 schwingt Erinnerung durch das Theater und der ganze Saal singt den Refrain mit. Den frühen Neunzigern wird im Zugabenblock mit „Over My Shoulder“ und „Word Of Mouth“ gehuldigt. Das ist Mainstreampop ohne Verfallsdatum. Langanhaltender Applaus begleitet die Musiker zurück in die Garderobe.