Berliner Ensemble

Das Landgericht verhandelt über Hochhuths „Stellvertreter“

Dramatiker Rolf Hochhuth hat als Eigentümer das Berliner Ensemble ans Land Berlin vermietet, Claus Peymann ist Untermieter. Nun will Hochhuth sein Stück „Stellvertreter“ auf dem Spielplan durchsetzen.

Foto: Alina Novopashina / dpa

Für Rolf Hochhuth könnte es ein Déjà-vu-Erlebnis werden: Am Dienstag um 10 Uhr befasst sich das Berliner Landgericht am Standort Tegeler Weg mal wieder mit dem Berliner Ensemble. Bei der letzten Verhandlung war der Dramatiker zum Leidwesen seines damaligen Anwalts Uwe Lehmann-Brauns persönlich erschienen und hatte, erzürnt über das sich abzeichnende Urteil, türzuschlagend und zeternd den Saal verlassen.

Diesmal geht es um den „Stellvertreter“. Hochhuths neuer Anwalt Markus Kerber möchte vor Gericht durchsetzen, dass das Berliner Ensemble kurzfristig seinen Spielplan ändert und Mitte Oktober Hochhuths größten Bühnenerfolg aufführt.

Eigentlich ist die Nutzung vertraglich geregelt

Der Dramatiker ist über die Holzapfel-Stiftung Eigentümer der Theater-Immobilie. Der mittlerweile 82-Jährige hat das Berliner Ensemble an das Land Berlin vermietet, Claus Peymann ist Untermieter. In dem seit Jahren schwelenden Konflikt geht es letztlich darum, wie Hochhuth die Immobilie nutzen darf. Eigentlich ist das vertraglich geregelt, das Berliner Ensemble (BE) veröffentlichte kürzlich entsprechende Vertragsdetails: „Sollte die Stiftung eine künstlerisch respektable Aufführung des ,Stellvertreters’ anbieten wollen, so steht das Land Berlin dafür ein, dass die Berliner Ensemble GmbH eine solche Aufführung in der Zeit vom 16. bis 18. Oktober für drei aufeinanderfolgende Tage im Theater am Schiffbauerdamm ermöglicht.“

Möglicherweise zaubert Hochhuths Anwalt eine entsprechende Arbeit jetzt hervor. Denn laut BE wurde seitens der Stiftung in den vergangenen 13 Jahren „nie eine Inszenierung“ des „Stellvertreters“ angeboten. Statt dessen spielte das Theater einige Jahre lang eine eigene Produktion: Philip Tiedemann hatte das „christliche Trauerspiel“ über die Rolle der katholischen Kirche bei der Vernichtung der Juden inszeniert.