Debütalbum

Jetzt singt Klaas Heufer-Umlauf auch noch

TV-Moderator Klaas Heufer-Umlauf und Mark Tavassol, Bassist von „Wir sind Helden“, veröffentlichen als Deutschpop-Band „Gloria“ ihr gleichnamiges Debütalbum.

Foto: Erik Weiss

Vor etwa acht Jahren lernten sich Klaas Heufer-Umlauf, damals ein halbwegs bekannter Viva-Moderator, und Mark Tavassol, damals Bassist bei der Band „Wir sind Helden“, in Hamburg kennen.

Nachdem die erste Hürde einer aufkeimenden Männerfreundschaft – das heißt, die Frage nach einem Wiedersehen – überwunden war, begannen beide, zusammen Musik zu machen. Am 27. September 2013 erscheint jetzt das erste Album ihrer Deutschpop-Band „Gloria“.


Berliner Morgenpost: Haben Sie von Anfang an auf Deutsch gesungen?

Mark Tavassol: Englisch zu singen war für uns nie eine Option. Glücklicherweise haben wir viele grundsätzliche Dinge von Anfang an sehr ähnlich gesehen. Dazu gehört auch die Feststellung, dass Musik immer eine gewisse Melancholie haben muss. Ebenso waren wir uns einig, dass Texte für uns das Wichtigste sind. Bei schwachen Texten hat man von vornherein verloren, da kann man noch so viel an der Musik rumproduzieren. Der Text ist dann dennoch für immer in Stein gemeißelt. Deswegen war für uns klar, dass es nur in der Muttersprache geht.

Wie kann man sich das vorstellen, wenn Sie zusammen einen Song schreiben?

Mark Tavassol: Einer von uns hat eine Idee, ein Gefühl, etwas, was ihm passiert ist und denkt sich, das könnte ein Thema sein. Dann reden wir so lange darüber, bis wir eine Zeile haben, die dieses Gefühl sehr gut wiedergibt. Das ist so ein Ping-Pong-Gedankenspiel. Und genau so ist es mit der Musik. Klaas hat eine Zeile und ich spiele Gitarre dazu und dann arbeiten wir daran zusammen. Hätten wir unsere Songs alleine geschrieben, wären das ganz andere Lieder geworden. Die Songs, mit denen wir am Ende nicht beide 100-prozentig zufrieden waren, sind nicht auf der Platte.

Klaas Heufer-Umlauf: Manchmal ist das traurig und man kämpft und streitet. Aber es gibt eben auch Momente, da macht es klick, und man knackt die Nuss. Und dieser Moment ist dann sehr euphorisierend, man hat dann einfach das Bedürfnis, weiterzumachen. Dafür macht man das.

Seit wann gibt es den Bandnamen?

Mark Tavassol: Den haben wir relativ spät gefunden. Da hatten wir den Plattenvertrag schon. Lustigerweise musste das im Vertrag noch ausgefüllt werden und wir haben es erst mal freigelassen.

Klaas Heufer-Umlauf: Wir haben von der Plattenfirma ständig Erinnerungsmails bekommen, dass wir uns endlich einen Namen ausdenken sollen. Das ist witzig, als ich früher Musik gemacht habe, war der Bandname immer das Wichtigste. Selbst wenn man noch keine Songs hatte, hatte man immerhin schon einen coolen Namen. Jetzt war das anders, uns war das total egal. Die Entscheidung für den Bandnamen war dann auch recht unspektakulär. Wir waren abends ein Bier trinken. Uns fiel bei einem Laden auf der anderen Straßenseite der Schriftzug auf und der hieß Gloria. Es hat also etwas mit uns zu tun, ist aber auch nicht unglaublich bedeutungsschwanger.

Wenn es mit der Platte nicht so gut laufen sollte, geht es dann zurück in den Bandkeller oder wäre das das Ende von Gloria?

Mark Tavassol: Zum Glück ist es für uns nicht so wichtig, wie viel wir verkaufen. Wir haben eher Angst, dass wir uns den Ruf versauen mit einer lächerlichen Platte, weil wir zu diesem Zeitpunkt dachten, dass müssen wir unbedingt loswerden.

Klaas Heufer-Umlauf: Dann machen wir eine kreative Pause von zehn Jahren.

Angst vor Kritikern, die sagen, dieser Klaas, jetzt singt er auch noch?

Klaas Heufer-Umlauf: Ich finde, das ist ein legitimer Gedanke. Natürlich hat die Bekanntheit Vorteile, denn die Leute werden sich die Platte zumindest erst einmal anhören. Entweder aus Voyeurismus oder aus Interesse. Wenn er oder sie die Platte dann scheiße findet, ist das auch okay. Da müssen wir uns diesen Beurteilungen stellen wie jeder andere auch. Aber wenn nur einer sagt, jetzt singt er auch noch, aber gar nicht mal so schlecht, dann ist es um so besser. Ich weiß ja auch, wie ich selber reagieren würde.


Mark Tavassol: Ich finde, unsere Platte ist keine, mit der man eine derart negative Reaktion provoziert. Deswegen habe ich ein gutes Gefühl. Die Musik wird für sich selber sprechen.

Im Pressetext wird Ihre Musik als Großstadtpoesie bezeichnet. Gibt es da eine Konkurrenz zwischen Berlin und Hamburg?


Mark Tavassol: Ach nein, mein Verhältnis zu Hamburg ist genauso ambivalent wie das von Klaas zu Berlin. Wir haben da ähnliche Probleme mit unserer jeweiligen Wahlheimat. Ich bin damals nur wegen des Studiums nach Hamburg gezogen. Was ist schon eine Stadt? Das sind viele Häuser nebeneinander. Der Song “Eigenes Berlin” bringt dieses Gefühl in etwa auf den Punkt, dass man eine Stadt ab einer gewissen Größe sehr fragmentieren kann. Je größer eine Stadt ist, um so mehr kann man sich das auch schön trinken.

Klaas Heufer-Umlauf: Ich finde das sehr merkwürdig, sich mit einer Stadt zu identifizieren. “Eigenes Berlin” ist auch als Lückentext zu verstehen. Da kann man einsetzen, was man will. Bei mir ist es eben Berlin, aber es gibt sicher auch Leute, die in Erlangen sehr wenig verwurzelt sind.

Sie haben gesagt, dass Melancholie in der Musik für Sie eine große Rolle spielt. Heißt das auch Leiden an der Musik?

Mark Tavassol: Nicht unbedingt.

Klaas Heufer-Umlauf: Ich finde Melancholie ist kein negatives Gefühl. Jemand, der überhaupt nicht melancholisch ist, muss doch eine sehr selektive Wahrnehmung der Welt haben. Ich finde, Melancholie ist ein sehr wichtiges Ventil. Die Kunst ist, melancholisch zu sein, ohne traurig zu werden!

Sie gehören also nicht zu den Menschen, die nur kreativ sein können, wenn es ihnen schlecht geht?

Mark Tavassol: Auf keinen Fall. Ich kann sogar eher über traurige Dinge schreiben, wenn es mir gut geht. Das ist eine Mär, dass der traurige Künstler traurige Lieder schreibt.Klaas Heufer-Umlauf: Ich glaube, der traurige Künstler schreibt kitschige Lieder.

Klaas, können Sie sich vorstellen, irgendwann nur noch Musik zu machen?

Klaas Heufer-Umlauf: Ich habe das Glück, dass ich im Fernsehen weitestgehend das machen kann, was mir wirklich gefällt.. Warum sollte ich das hinschmeißen?

Wie ist es, mal ein Projekt ohne Joko zu machen?

Klaas Heufer-Umlauf: Das ist total okay. Es ist ja nicht so, dass er komplett weg ist. Wir sind Freunde, aber in der Sommerpause kommt es auch mal vor, dass wir uns zwei oder drei Monate nicht sehen. Ich freue mich aber auch, wenn dann das Telefon klingelt, auf dem Display steht „joko“ und wir können über alles reden.

Wie werden eure Liveshows aussehen?

Klaas Heufer-Umlauf: Es wird natürlich sehr viel Pyrotechnik geben.Mark Tavassol: Ich spiele oben ohne und Klaas unten ohne. Ein bisschen so wie Ying und Yang.Klaas Heufer-Umlauf: Im besten Fall wird es einfach ein Konzert.