„Aquanario“

Wie aus Wassertropfen ein Licht- und Farbspektakel entsteht

Noch bis zum 25. August gastiert die Show „Aquanario“ täglich auf dem Zentralen Festplatz. Das Spektakel aus Wassertropfen, Laserstrahlen und Pyrotechnik lockte in diesem Jahr bereits 100.000 Besucher.

Aquanario – Die Show aus Wasser, Feuer und Licht

Video: Max Boenke
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Mitten durch die Nacht legt Michael Jackson seinen berühmten „Moonwalk“ hin. Kein überlebensgroßes Double, kein Bildschirm – sondern auf einer Leinwand aus Millionen Wassertropfen. Es wirkt, als würde der King of Pop sich persönlich aus einer Wolke hinab zum Publikum begeben. Seit Freitagabend ist die Show „Aquanario“ weder einer der Höhepunkte des Berliner Sommers. Auf einer 420 Quadratmeter großen Fläche aus Wassertropfen werden dabei Bilder projiziert. Laserstrahlen und Pyrotechnik sorgen zusätzlich für ein Spektakel aus Wasser, Feuer und Licht.

An den Abenden hat sich der Sommer bereits klammheimlich aus Berlin geschlichen. Es ist frisch auf dem Zentralen Festplatz in der Nähe des Kurt-Schumacher-Platzes. Im Hintergrund landen Flugzeuge auf dem schon oft für bald geschlossen erklärten Flughafen Tegel. In diesem Jahr kann „Aquanario“ bereits den 100.000 Besucher begrüßen, obwohl die Show erst 2012 Weltpremiere gefeiert hat.

Eine Leinwand aus Tropfen

Nach dem Auftakt in Frankfurt am Main im Juli 2012 ist die Show nun mit einer neuen Geschichte zurück in Berlin. „Eigentlich habe ich keinerlei Beziehung zur Veranstaltungsbranche. Es war eher ein Hobby, mich mit Wassershows zu beschäftigen. Irgendwann ist das ein wenig aus dem Ruder gelaufen“, sagt Michael Wuscher, der Erfinder von „Aquanario“. Der gelernte Betriebswirt besuchte im Ausland verschiedene Shows mit Wasser, doch ihm fiel auf, dass es eine Lücke gab. „Warum nicht eine Geschichte auf einer Leinwand aus Wasser erzählen?

Das war meine Idee. Und dann habe ich angefangen, ein bisschen zu recherchieren“, sagt Wuscher. Er beschäftigte sich mit Pumpen und Pyrotechnik. Doch nie hätte er mit der enormen Resonanz gerechnet. Freunde und Familie sahen seine Idee mit gesunder Kritik, sicher war er sich selbst wohl am wenigsten. „Irgendwann stand die Show. Ich hatte mit Technikern gesprochen, Grafikdesignern, irgendwann gab es einfach kein Zurück mehr“, sagt der 53-Jährige. Nach drei Monaten Vorverkauf waren bereits 45.000 Karten verkauft. Zu diesem Zeitpunkt gab es noch nicht einmal eine Homepage. Mit leuchtenden Augen blickt Wuscher auf die vielen bunten Wasserfontänen, die wie ein Ballett zur Musik tanzen. In seinem Blick liegt Stolz, gepaart mit Ungläubigkeit, tatsächlich etwas Derartiges auf die Beine gestellt zu haben.

Reise durch die Schöpfungsgeschichte

Im ersten Teil der Show wird der Zuschauer mitgenommen auf eine Reise durch die Schöpfungsgeschichte. Inspiriert wurde Wuscher von einem Hörspiel von Ben Becker, in dem er die Schöpfungsgeschichte vorliest. Da dachte er sich, dass könne man doch auch auf einer Wasserleinwand darstellen. Engagiert hat er dafür den Schauspieler Rainer Brandt. Der sprach den Text ein – und verließ dafür sogar kurzzeitig das Theater am Potsdamer Platz, wo er aktuell im Musical „Hinterm Horizont“ zu sehen ist.

Im zweiten Abschnitt zeigt „Aquanario“ Impressionen aus den vergangenen sechs Jahrzehnten Musikgeschichte. Beim Sound weltbekannter Songs aus den 60ern bis heute erwachen beim Zuschauer die Erinnerungen.

Inzwischen hat „Aquanario“ Anfragen aus der ganzen Welt. Im Oktober 2013 wird es einen Gastauftritt in Peking geben. „Hätte ich gewusst, was für eine Welle da auf mich zurollt, hätte ich es vielleicht nicht gemacht“, sagt Wuscher und lacht. Zehn feste Mitarbeiter kümmern sich das gesamte Jahr über um die Umsetzung der Show. Sobald die Lastwagen auf dem Festgelände ankommen, sind sogar 100 Hilfskräfte vor Ort, die beim Aufbau helfen.

„Technische Leistung hat sich verdreifacht“

„Am meisten berührt hat mich die Zuschrift einer Mutter im vergangenen Jahr. Sie war mit ihrem autistischen Sohn in die Show gekommen. Der war wie gebannt von der Show. Mittendrin stand er auf und sagte ,Mama‘ – er hatte in den acht Jahren zuvor kein Wort gesagt“, sagt Wuscher. Da habe er Gänsehaut bekommen.

Wuscher wirkt nicht wie jemand, der angeben möchte. Immer wieder lächelt er ein etwas ungläubiges Lächeln. Pressevertreter, Anfragen aus Amerika – das geht alles ziemlich schnell. Doch seine Show scheint einen Nerv zu treffen. Er möchte die Menschen gerne unterhalten.

Durch die Dunkelheit blitzen bunte Laserstrahlen. Wasserfontänen schießen in die Höhe, bewegen sich im Takt der Musik. Teilweise werden bis zu 4000 Liter gleichzeitig in der Luft bewegt. Aus dem Hintergrund projizieren Beamer 600 verschiedene Wasserbilder auf die Wasserleinwand. „Man lernt natürlich mit jedem Jahr dazu. Menschen, die beide Shows gesehen haben, meinten zu mir, die technische Leistung habe sich diesmal verdreifacht“, sagt Wuscher. Er wolle in jedem Fall weitermachen. Das Programm für das kommende Jahr steht bereits fest. Dafür hat sich Wuscher schon etwas Besonderes einfallen lassen.

Geliefert wird die gesamte Technik von einem Unternehmen aus Österreich. Das ist spezialisiert auf Wasser-Shows. Acht komplette Sattelschlepper liefern die mehr als 100 Pumpen und anderes Material. Insgesamt werden etwa 300 Tonnen Technik eingesetzt und ungefähr 15.000 Meter Kabel und Leitungen verlegt. „Unsere größte Herausforderung ist es, kein Teil in Österreich zu vergessen“, sagt Daniel Ploil, der Technische Leiter.

50 Meter hohe Geysire

Sei das Material erst einmal an dem Veranstaltungsort angekommen, wäre der Rest nicht mehr ganz so kompliziert, wie man bei einem Blick auf die Technik vermuten könnte. Um auf Nummer sicher zu gehen, wird das Becken mit 500.000 Liter Wasser gefüllt – durch den Wind kann immer etwas verloren gehen. Somit bewegen die Pumpen etwa sechs Millionen Liter Wasser pro Abend. Die dabei entstehenden Geysire werden bis zu 50 Meter hoch. Wuscher ist es wichtig, zu betonen, dass das Wasser nicht verunreinigt wird. Denn nach der Show wird es in das Grundwasser zurückgeleitet. Besonders Familien finden die Show ansprechend – auch wenn sie erst um 21.30 Uhr beginnt. In Berlin ist „Aquanario“ bis zum 25. August zu erleben.

Aquanario vom 16. bis 25. August auf dem Zentralen Festplatz am Kurt-Schumacher-Damm 207, Reinickendorf, Karten für 9,90 bis 75 Euro, Tickethotline (14 Cent/Minute aus dem dt. Festnetz): 018052001, www.aquanario.de

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