Konzertkritik

Tenacious D spielen in der Zitadelle Spandau furios auf

Rund 10.000 Besucher drängen sich am Dienstagabend in der Zitadelle Spandau, als Tenacious D mit Bandverstärkung zum ersten Mal Berlin heimsuchen. Dazu gibt es Sketche. Und recht bizarre Einlagen.

Foto: TINA KORHONEN / picture alliance / Photoshot

Die beiden haben ganz offensichtlich Probleme mit dem Erwachsenwerden. Das ist nicht unbedingt etwas Schlechtes. Die abgrundtief pubertären Texte des amerikanischen Comedy-Rock-Duos Tenatious D sind von Sex and Drugs and Rock and Roll durchdrungen, und zwar mit der Betonung auf Sex. Wie sie aber mit zwei Akustik-Gitarren dem guten, alten Hardrock frönen, ist höchst imponierend. Rund 10.000 Besucher drängen sich am Dienstagabend in der Zitadelle Spandau, als Tenacious D nun mit Bandverstärkung zum ersten Mal Berlin heimsuchen.

Hemmungslose Liebe zum Rock ’n‘ Roll

Hinter Tenacious D stecken der 53-jährige Comedian und Musiker Kyle Gass und der 43-jährige Schauspieler und Sänger Jack Black. Der hat sich in kleinen und großen Hollywood-Rollen in Filmen wie „High Fidelity“, „School of Rock“, „King Kong“ oder „Liebe braucht keine Ferien“ einen guten Namen gemacht, lebt daneben seit Ende der 90er-Jahre seine hemmungslose Liebe zum Rock ’n‘ Roll mit seinem Kumpan Kyle Gass auf komödiantische Weise aus. Höhepunkt war 2006 der so urkomische wie grandios gefloppte Kinofilm „Tenatious D in The Pick of Destiny“, in dem sie die Geschichte ihres eigenen Duos und den Kampf mit dem Teufel um den besten Song aller Zeiten kurios in Szene setzten.

Die Zitadelle wirkt, als fände hier das Wacken-Festival im Taschenformat statt. Die Euphorie ist hoch. Schon der Auftritt des Gitarrenroadies wird mit lautstarkem Applaus bedacht. Männer in bedruckten T-Shirts sind eindeutig in der Mehrzahl. Die Freundinnen mussten entweder mit oder finden einfach Jack Black süß, weil der so schön gucken kann. Kann er auch, sieht man jetzt aber live nicht unbedingt. Dafür hört man, was für ein außerordentlich guter Rockshouter er ist und Partner Kyle Gass, kurz KD, kann als Gitarrist nachhaltig für sich einnehmen.

Finstere Gestalten in Mönchskutten

Dies ist vor allem ein Abend zum Spaß haben. Kurz nach 20 Uhr kommen zu unheildräuenden Keyboardsounds fünf finstere Herr-der-Ringe-Gestalten in Mönchskutten auf die Bühne. Die Stimmung vor der Bühne ist von Anbeginn auf Pegel Zehn. Als erste pellen sich Black und Gass unter Jubel aus ihrer Verkleidung, hängen sich die Akustikklampfen um und gehen an vorderster Front in Stellung. Der Rest der Riege entpuppt sich als Gitarrist, Bassmann und Schlagzeuger, die dieser Musik den nötigen Druck geben.

Gerade ist mit „Rize of the Fenix“ das dritte Album von Tenacious D erschienen. Der Titelsong ist genauso eindeutig zweideutig wie ein Großteil des Repertoires. „Rize of the Fenix“ steht auch am Beginn dieser Show, und kaum sind sie beim Refrain angekommen, bläht sich ein gigantischer aufblasbarer Phönix im Hintergrund auf, der fortan das Bühnenbild bestimmt. Und der aussieht wie ein gigantischer Penis mit Flügeln. 90 Minuten später wird er sich zum Finale Richtung Publikum recken und sich als prustende Konfettimaschine entladen. Soviel zum Humorverständnis der beiden Comedy-Rocker.

Dabei sind sie ein klassisches Komikergespann. Der korpulente Kyle Gass ist der in sich ruhende, keine Miene verziehende Gemütsmensch. Der auch nicht gerade schlanke Jack Black ist der überdrehte, aufbrausende, grimassierende Klassenclown mit leichtem Hang zum Größenwahn , der den Fans „multiple eargasms“ verspricht. Irgendwann zerstreiten sich die beiden, Kyle verlässt wütend die Bühne. Was Jack Black Zeit lässt für Songs wie „Dude (I Totally Miss You)“ und „Kyle Quit The Band“. Aber da ist KD auch schon wieder zurückgekehrt. Die Freunde liegen sich in den Armen.

Tintenfisch jagt Roboter

Zwischendurch fährt eine Leinwand herunter für einen platten, selbst gedrehten Autosex-Sketch. Mit deutschen Dialogen. Im Vergleich zu manchen Nummern sind ihre Comedyfilmchen im US-Pay-TV wohl noch eher harmlos. Wird dadurch aber nicht besser. Auch nicht wirklich komischer. Ein bisschen Mummenschanz gibt es auch. Beim druckvollen „The Metal“ kraucht ein ausgewachsener Roboter über die Bühne um von einem skurrilen außerirdischen Tintenfisch wieder verscheucht zu werden.

Doch am besten sind sie, wenn sie einfach Musik machen. Gute Songs haben sie ja. „Roadie“ beispielsweise, eine Ode an ihre Bühnenhelfer. Oder „Kickapoo“, den Eröffnungssong aus „Pick of Destiny“, bei dem Kyle Gass den Part übernimmt, den Meat Loaf im Film gesungen hat. In einem Power-Medley zollen sie dem Who-Rockmusical „Tommy“ Tribut, in einem andern Song dem viel zu früh gestorbenen Metal-Sänger Ronnie James Dio, hörbar einer der Heroen von Jack Black. Und natürlich kommen auch Kracher wie „Beelzeboss“ oder „Kielbasa“ prächtig an. Alles singt mit.

Frenetischer Applaus für die Darbietung

Dennoch sind die beiden natürlich Schauspieler. Sie sind Comedians, die mit ihren Hardrock-Zitaten ein ganzes Genre der 70er- und 80er-Jahre liebevoll auf die Schippe nehmen, wie es vor ihnen schon The Spinal Tap getan haben. Das machen sie aber mit solch einer Hingabe, dass der Schein einer ausgewachsenen Rockshow gewahrt bleibt. Der Applaus ist frenetisch. Für die Zugaben kommen sie noch einmal ohne ihre Band auf die Bühne. Und singen die Ballade „Fuck Her Gently“. Schon klar, um was es da geht.