Festivals

Nico Hofmann leitet ab 2015 die Wormser Festspiele

Der Berliner Filmproduzent Nico Hofmann wird ab 2015 Chef der Wormser Festspiele. Selbst inszenieren will er aber nicht. Ein Gespräch über Hartnäckigkeit, die Nibelungen und einen magischen Ort.

Foto: Reto Klar

Der Filmproduzent Nico Hofmann wird neuer Intendant der Nibelungenfestspiele in Worms. Das entschied der Gesellschafterausschuss der Nibelungenfestspiele gGmbH unter Vorsitz des Wormser Oberbürgermeisters Michael Kissel am Montag.

Hofmann tritt 2015 die Nachfolge Dieter Wedels an, der die Festspiele seit 2002 leitete.

Als Künstlerischer Leiter wurde Thomas Schadt verpflichtet. Hofmann wird seine Intendanz mit einem Nibelungen-Stück des Theaterautors Albert Ostermaier eröffnen. Die Berliner Morgenpost hat mit ihm gesprochen.

Berliner Morgenpost: Das ist ja nun doch eine Überraschung, dass Sie als Intendant der Wormser Nibelungen-Festspiele Dieter Wedels Nachfolge antreten. Sind Sie mit dem Filmgeschäft nicht mehr ausgelastet?

Nico Hofmann: Dass ich diesen Posten übernehme, ist der Hartnäckigkeit des Wormser Oberbürgermeisters Michael Kissel zu verdanken, der nicht locker gelassen, immer wieder das Gespräch mit mir gesucht und mich nach Worms gelockt hat. Ich kenne die Stadt, ich bin ja als Mannheimer ein Kind der Region.

Aber warum jetzt Theater, Freilufttheater?

Meine Anfänge als Filmemacher sind eng mit dem Theater verbunden. Meine ersten Filme entstanden gemeinsam mit Schauspielern des Mannheimer Nationaltheaters. Enge Beziehungen hatte ich auch zum Heidelberger Theater in der Ära Peter Stoltzenberg, der ein enger Freund der Familie ist. Und in München schließlich hospitierte ich während meiner Filmhochschulzeit, durch Vermittlung Stoltzenbergs, bei Dieter Dorn. Die Liebe zum Theater ist geblieben. Und schließlich entdecke ich ja auch für den Film die Schauspieler am Theater.

Wer dem Theater in Liebe verfallen ist, denkt nicht unbedingt zuerst an Worms. Ein schwieriges Pflaster. Es fängt beim Ärger mit Anwohnern an, die sich von den Aufführungen am Dom belästigt fühlen, und hört mit der thematischen Verengung der Festspiele auf den Nibelungenstoff nicht auf.

Ich habe darüber lange nachgedacht. Die Herausforderung reizt mich, ich habe einfach schiere Lust auf die Möglichkeiten der Bühne. Außerdem engagiere ich mich nicht alleine.

Sie haben also schon ein Team zusammengestellt?

Mit im Boot als Künstlerischer Leiter ist Thomas Schadt, der nicht nur Chef der Ludwigsburger Filmakademie ist, sondern mit mir zusammen Filme gemacht hat, etwa das Biopic über Helmut Kohl. Gerade arbeiten wir an einem Christian-Wulff-Film und an einer Beckenbauer-Dokumentation. Schadt inszeniert zudem bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen auch für die Bühne. Mit Thomas ist, das ist für mich besonders wichtig, die Verbindung zur Schauspielschule der Ludwigsburger Akademie hergestellt. Auch der Nachwuchs soll in Worms zum Zuge kommen. Beraten lassen wir uns außerdem von Frank Baumbauer und Hans-Jürgen Drescher, der in Ludwigsburg die Schauspielausbildung leitet. Und dann ist noch der energiegeladene Autor Albert Ostermaier mit im Bunde. Er wird für 2015 erste Stück schreiben. Uns fehlt nur noch der Regisseur.

Wollen Sie das nicht machen?

Nein. Das habe ich Oberbürgermeister Michael Kissel auch von vorneherein klar gemacht, dass ich nicht die Rolle Dieter Wedels als Zentralfigur der Festspiele übernehmen kann. Ich schätze Dieter übrigens sehr. Er hat in Deutschland Film- und Fernsehgeschichte geschrieben. Aber so wie er sich jahrelang in diese Festspiele gestürzt hat – als Intendant und Regisseur in Personalunion, das kann und will ich nicht leisten.

Wissen Sie, warum Kissel Sie unbedingt haben will?

Michael Kissel und sein Team wollen Worms kulturell wirklich voran bringen und arbeiten daran mit großem Ernst und hoher Professionalität. Der Nibelungenstoff ist da alles andere als Folklore. Ich nehme an, dass Kissel wegen der deutschen Geschichtsthemen auf mich aufmerksam geworden ist, die ich seit Jahren in meinen Filmen bearbeite.

War Dieter Wedel nicht in die Suche nach einem Nachfolger eingebunden?

Dieter hat von sich aus intensiv nach Nachfolgern Ausschau gehalten. Michael Kissel hat mich übrigens erst angesprochen als definitiv klar war, dass Dieter Wedels Vertrag 2014 ausläuft.

Worms ist eine Stadt, in der in manchen Ecken die Nachkriegsdepression immer noch hängt...

Aber der Dom und der Heylshof, die bilden einen magischen Ort, der nach der Auseinandersetzung mit dem Nibelungenmythos geradezu schreit.

Was schreibt Ostermaier denn für ein Stück?

Albert will schon zu den Ursprüngen zurück gehen, zur Nibelungensage. Also keine reine Hebbel-Bearbeitung, sondern eine freie Adaption des Urstoffs.

Sollen die Festspiele auf den Nibelungenstoff festgelegt bleiben? Wedel versuchte ja mit „Jud Süß“, aus diesem Korsett auszubrechen.

Jetzt gehen wir erst einmal für 2015 mit Albert Ostermaier die Nibelungen an. Aber wir haben auch andere Ideen. Wir wollen eine definitive Erweiterung des Stoffvorrats. Und die suchen wir in der Region. Denken Sie an Carl Zuckmayer oder Anna Seghers oder Elisabeth Langgässer. Rheinhessen ist literarisch sehr fruchtbar. Und Worms hat ein neues Konzert- und Theaterhaus, dessen Programm mit den Festspielen unbedingt vernetzt werden muss.