Ausstellung

Im Berliner Kolbe-Museum sind die Wandmaler los

Acht Künstler bringen Farbe ins Berliner Georg-Kolbe-Museum – allerdings diesmal ohne Leinwände. Ungewohnte Farb-Räume eröffnen sich dem Besucher in dem früheren Bildhaueratelier.

Foto: © Georg Kolbe Museum,Berlin / Georg Kolbe Museum,Berlin

Die Farbe Lila zieht den Blick auf sich. Im Georg-Kolbe-Museum kombiniert die Künstlerin Elisabeth Sonneck sie mit Grün-, Blau- und Gelbtönen. In vielen Lasuren moduliert und modifiziert sie ihre abstrakte Wandbemalung so geschickt, dass ein fesselnder Rhythmus spürbar wird. Man taucht ein in die Energie dieses Farbfeldes, das den Durchgang zwischen Atelierhaus und Anbau belebt, ja vom Unort zum Kraftspender macht.

Ungewohnte Farb-Räume eröffnen sich dem Besucher in dem früheren Bildhaueratelier auch darüber hinaus. Begehbare Bilder und abstrakte Farb-Installationen sind luftig kombiniert. Rar gesät erscheint das, was als Skulptur zu betrachten ist. Zum Beispiel Nicola Stäglichs bemalte Holzplatten, die wie Figuren im Raum stehen, oder Angela Dwyers wie Papier geknüllte, farbige Kupferbleche. War hier nicht traditionell ein Ort der Skulptur?

Julia Wallner, die neue Direktorin des Museums, die aus Wolfsburg kommt, erklärt: „Georg Kolbe kam auch von der Malerei.“ Die temporäre, konzeptuelle Umwidmung des Hauses stammt nicht von ihr. Sie beruht noch auf der Planung ihrer Vorgänger und wurde von den Künstlerinnen Elisabeth Sonneck und Nicola Stäglich konzipiert. Mal etwas anderes! Es geht recht malerisch zu in den Arbeiten der acht Zeitgenossen, deren Werke um die Farb-Raum-Wahrnehmung kreisen.

Zeitgenössische Grenzgänger haben großen Auftritt

Ins Entree hat Julia Wallner ergänzend eine üppige Kolbe-Plastik platziert. Sozusagen in Erinnerung an den Hausherren, von dem einige Bronzen den lauschigen Garten schmücken. Mit ihren weiblichen Rundungen prallt die mächtige Gestalt der „Nacht“ (1926/30) auf Christine Rusches streng geometrische Schwarz-Weiß-Malerei an der Wand. Ansonsten ist das lichte Haus von den Skulpturen des Namensgebers diesmal wie leergefegt.

So haben die zeitgenössischen Grenzgänger ihren großen Auftritt. Simone Lanzenstiel präsentiert eine gestische, dennoch strukturierte Wandinstallation. Sie kombiniert Stoffe, Plastikfolien und gesprayte Farbe zu einer duftig-eleganten Arbeit. Fast meint man, ein Mobile im Raum schweben zu sehen, so leicht mutet das Werk an. Auf andere Weise ändern Esther Stockers Op-Art-Kammer und Klaus-Martin Treders Ellipse aus grünen Papierbahnen die Wahrnehmung.

Beim Umschreiten in den Sälen geraten Blick und Raum regelrecht ins Schwanken. Statik wird aufgelöst in Dynamik, was im Grunde auch Kolbe in seinen Bronzen versuchte. Die acht Künstler, die vor Ort im Museum gearbeitet haben, sind zwar keine klassischen Bildhauer, dafür entwickeln sie aus der Farbe und mit dem Raum neue Formen. Malerei ja, aber mit erweitertem Radius und neu durchbuchstabiert. Mitunter ist der Schritt zur Bildhauerei nicht weit, wie Rainer Splitt demonstriert. Sein Farbguss aus Polyurethan breitet sich wie eine Blutlache am Boden aus. Sie wurde geschüttet, nicht getropft wie bei Jackson Pollock – und auch nicht geschüttelt oder gerührt. Scherz beiseite: Ob man sich von der glatten Farbpfütze, in der sich der Umraum spiegelt, täuschen lässt, ist eine Frage der Wahrnehmung. Wie so vieles in diesem abstrakten Sommer-Intermezzo. Auch die Architektur wird vereinnahmt. Nur Leinwände gibt es eben nicht.

Georg-Kolbe-Museum, Berlin, Sensburger Allee 25, geöffnet Di-So 10-18 Uhr, bis 25. August 2013

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