Architektur

Stadtschlossbauer grenzen sich vom BER-Desaster ab

DerArchitekt Franco Stella informiert beim Werkstattgespräch über den Stand der Planung, der Kosten und Termine beim Wiederaufbau des Stadtschlosses. Anders als beim BER soll alles optimal laufen.

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Architekt Franco Stella brachte die Fragestellung auf einen schlichten Nenner. „In den Anfängen liegt die Tugend oder die Last“, sagte der 69-jährige Italiener. Die Stiftung Berliner Schloss – Humboldt-Forum hatte zum 7. Werkstadtgespräch in den Krönungskutschensaal des Marstalls direkt am Schlossplatz geladen. Stiftungssprecher Manfred Rettig hatte die beteiligten Macher des Stadtschlosses um sich geschart, um mit ihnen über Planung, Kosten und Termine zu diskutieren. Doch schnell wurde klar, dass es nicht viel zu streiten gab. Die Diskutanten, neben Stella und Rettig saßen auch der Gesamtprojektleiter Detlef Krug und Ralf Behn von Hochtief auf dem Podium, waren sich darin einig, dass die Schlossbauarbeiten voll im Zeit- und Kostenrahmen liegen. Anders als beim allgegenwärtigen Flughafendesaster hatten die Schlossplaner genug Zeit, alle Vorbereitungen zu treffen. Darin lag die von Stella so bezeichnete Tugendhaftigkeit des Projekts.

Pragmatische Herangehensweise

Und von Anfang an stand die wichtigste Zahl fest, lobte Stella. 590 Millionen Euro soll der Bau kosten – das war während des Wettbewerbs so, daran wurde bis heute nicht gerüttelt. Es gab keine Planungsänderungen, politischen Terminvorgaben und auch die Kreativität des Architekten riss keine Löcher in die öffentlichen Kassen. „Die Kreativität des Architekten ist keine Unbedingte“, sagte Stella und unterstrich damit seine pragmatische Herangehensweise an die Aufgabe. Der Architekt hatte den Wettbewerb um den Wiederaufbau 2008 gewonnen.

Stiftungsvorstand Rettig konnte dann auch nur positive Nachrichten vermelden. In diesem Jahr soll der Kellerdeckel des Mammutbaus in Beton gegossen sein, dann beginnt der Rohbau, der Ende 2014 weitgehend abgeschlossen sein soll. Mitte 2015 will die Stiftung Richtfest feiern. In den darauffolgenden zwei Jahren erhält das Gebäude seine Fassade und der Innenausbau erfolgt, bevor das neue alte Schloss 2019 eröffnet.

Holzpfähle werden versteigert

Daran ändern auch die Überraschungen auf der Baustelle nichts. Zuletzt mussten die Bauarbeiter die Holzpfähle des alten Schlosses aus dem Boden ziehen. Sie werden im kommenden Monat versteigert. Die Stiftung rechnet mit Liebhaberpreisen – wer besitzt schon 300 Jahre alte Teile des Schlossfundamentes?

Allerdings ist die endgültige Ansicht des Schlosses immer noch nicht geklärt. Der Bau und das Aussehen der Kuppel hängt von Spenden ab. „Nicht jedes Geländer wird bei der Eröffnung vergoldet sein“, sagte Rettig. Auch über die Fensterüberdachung und die Innenportale ist noch keine Entscheidung getroffen worden. Die Feinheiten müssen warten, damit das Große Ganze nicht in Gefahr gerät. Dann könnte das Schloss im Gegensatz zum BER, der Elbphilharmonie und Stuttgart 21 ein „Meilenstein deutscher Bauherrschaft sein“, sagte Hochtief-Manager Ralf Behn.

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