Nachruf

Peter Fitz - stiller König mit großer Stimme ist verstummt

Sein Können bewies der Schauspieler im Laufe seiner Karriere an fast allen großen Häusern des deutschsprachigen Theaters. Jetzt starb er.

Foto: KRAUTHOFER , JOERG / Jörg KRAUTHöFER

Er galt als Spezialist für düstere und ernste Rollen – vor allem auf der Theaterbühne, aber auch in Film und Fernsehen. Sein Können bewies Peter Fitz im Laufe seiner Karriere an fast allen großen Häusern des deutschsprachigen Theaters. Seit er 1970 an die Schaubühne wechselte, war er jedoch vor allem in Berlin präsent. Am Donnerstagvormittag starb der Schauspieler mit 81 Jahren in seiner Wohnung in Berlin-Charlottenburg.

Mit ihm verliert das Theater einen der wichtigsten Charakterdarsteller, der in seiner knapp sechs Jahrzehnte währenden Karriere viele große Rollen der dramatischen Weltliteratur bis in Nuancen der Persönlichkeit verkörperte, was ihm die Bezeichnung „Präzisionsartist“ eintrug. Seine letzte große Rolle war „Nathan der Weise“ am Berliner Ensemble. Dessen Intendant Claus Peymann würdigte Fitz mit den Worten: „Er war ein stiller König mit großer Stimme, einer der ganz großen Berliner Schauspieler.“

Fitz wurde am 8. August 1931 in Kaiserslautern geboren und absolvierte eine Ausbildung am Hamburger Schauspielhaus. Sein Debüt als Schauspieler gab er an den Städtischen Bühnen Mainz. Zahlreiche Stationen folgten, darunter die Theater in Schleswig und Rendsburg. 1960 wurde er Ensemblemitglied der Städtischen Bühnen Frankfurt/Main. Zehn Jahre später begann seine Zusammenarbeit mit Regisseur Peter Stein an der Schaubühne. Stein besetzte Fitz etwa als Anarchistenführer in dem Revolutionsstück „Optimistische Tragödie“ oder als Aigisthos in der „Orestie“.

Eigentliche Bühne des Peter Fitz blieb die des Theaters

Einem breiteren Publikum wurde Fitz durch seine Film-Rollen Filmen bekannt. So spielt er er in dem preisgekrönten Kino-Drama „Auf Wiedersehen, Kinder„ von Louis Malles den Gestapo-Führer Müller. Als Adeliger Schwiegervater des Commissario Brunetti in der Verfilmung der Venedig-Krimis von Donna Leon eroberte Fitz schließlich auch das Fernsehpublikum. Weitere TV-Auftritte hatte er als Vater in „Die Bertinis“ von Ralph Giordano, in Jo Baiers „Der Laden„ und in der Charlotte-Link-Verfilmung „Sturmzeit“.

Eine weitere Karriere machte Peter Fitz, der sich durch eine angenehme Stimme und eine exquisite Sprechtechnik auszeichnete, als Sprecher und Synchronsprecher, wobei er internationalen Kollegen wie Michel Serrault, Sam Waterston, Jean-Louis Trintignant und Dean Stockwell seine Stimme lieh.

Die eigentliche Bühne des Peter Fitz aber blieb die des Theaters. Nach den großen Bühnenerfolgen der 70er Jahre wurde Fitz von „Theater heute“ 1980 und 1983 zum Schauspieler des Jahres gekürt, er spielte in dieser Zeit auch den Claudius in Shakespeares „Hamlet“, den Mephisto an der Freien Volksbühne Berlin an der Seite von Bernhard Minetti als Faust und Gott im Salzburger „Jedermann“.

Anfang der 80er Jahre ging Fitz ans Burgtheater in Wien, dort arbeitete er erstmals mit Claus Peymann zusammen. Auch bei Peter Stein trat er immer wieder auf, zuletzt 2007 in dessen zehnstündiger „Wallenstein“-Inzenierung – als Gegenspieler von Klaus Maria Brandauer.

Erst in den letzten Jahren ließ es Peter Fitz, Vater der Bühnenschauspielerin Hendrikje Fitz und des Filmschauspielers Florian Fitz, beruflich etwas ruhiger angehen.

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