Bühne

Der Berliner Admiralspalast bekommt einen neuen Chef

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Stefan Kirschner

Foto: Christian Kielmann

Thomas Gross hat sieben Jahre lang das Tempodrom gemanagt, nun leitet der 50-Jährige den Admiralspalast. Sein Ziel: mehr Glamour.

Thomas Gross hat sich noch nicht verlaufen. Allerdings war der neue Chef des Admiralspalastes auch vorgewarnt: der Hausmeister, der schon ein paar Jahre den Job macht, hatte ihm erzählt, dass er immer noch Räume entdecke, von deren Existenz er bislang nichts wusste. Das klingt nach Horrorfilm, ist aber der langen Geschichte und vielfältigen Nutzung des verschachtelten Gebäudes geschuldet. Ein Amüsiertempel im weitesten Sinne: Dort wurden in den Zwanzigerjahren die legendären Haller-Revuen gezeigt, es gab mal eine Eisbahn und ein Bad mit Solequelle, auch Prostituierte boten ihre Dienste an. Zu DDR-Zeiten hieß das Haus dann Metropoltheater, es gab Operetten und Musicals.

Im Vergleich zu seinem alten Arbeitsplatz, dem Tempodrom, ist der neue a) zentraler gelegen und b) mythenbeladener. Ersteres erwähnt Gross im Gespräch, das im bayrischen Wirtshaus an der Friedrichstraße stattfindet, sozusagen im Vorderhaus des Theaters, letzteres scheint ihn weniger zu interessieren. „Der Admiralspalast steht für Vielfalt“, ist einer der Kernsätze des 50-Jährigen, der ein bisschen unglücklich damit ist, dass er als neuer Theaterleiter angekündigt wurde, denn das Bühnengeschehen steht für ihn nicht im Mittelpunkt. Auf seiner Visitenkarte steht dann auch „General Manager“.

Drei Bühnen des Admiralspalastes sind gemietet

Dass sich Thomas Gross nicht nur mit dem Programm beschäftigt, liegt auch daran, dass die in Düsseldorf ansässige Firma Mehr!Entertainment den Admiralspalast gemietet hat, nachdem Falk Walter damit Insolvenz anmelden müsste. Hinter dem Unternehmen Mehr!Entertainment steht Maik Klokow, der in Berlin kein Unbekannter ist. Klokow hatte das Deutschland-Geschäft der in Hamburg angesiedelten Stage Entertainment mit aufgebaut, die zwischenzeitlich auch den Admiralspalast übernehmen – und vorher sanieren – wollte. Stage ließ schließlich die Finger davon, weil das Theater des Westens ebenfalls im Angebot und in einem baulich besserem Zustand war. Außerdem bespielen die Hamburger in Berlin noch das Theater am Potsdamer Platz, dort läuft das Lindenberg-Musical, und das benachbarte Bluemax-Theater, in dem die Blue Man Group auftritt.

Klokow hätte den Admiralspalast damals gern behalten, aber der Konzern entschied anders. Jetzt kann er das Haus bespielen, gemietet sind die drei Bühnen des Admiralspalastes, die kleinste wurde an das Jüdische Theater untervermietet. Eigenproduktionen waren bislang kaum zu sehen, das wird wohl noch ein bisschen so bleiben. Das, erzählt Thomas Gross, sei dem schwierigen Berliner Markt geschuldet. „Es muss etwas Besonderes sein und es muss hierher passen.“ Das Richtige zu finden, scheint nicht leicht zu sein. Falk Walter – und mit ihm viele andere – hatten gedacht, mit „The Producers“, einem ziemlich bösen Broadway-Musical, das sich über Nazis, Blondinen, Schwule und das Unterhaltungsbusiness lustig macht, einen Hit zu landen. Das Stück floppte trotz guter Kritiken.

Der vierte Chef des Admiralspalasts

Wäre Harpe Kerkelings Musical „Kein Pardon“, eine Mehr!Entertainment-Produktion, die noch bis Jahresende in Düsseldorf läuft, ein Kandidat für Berlin? „Nein“, sagt Thomas Gross, das sei zu speziell. Man hat nicht das Gefühl, dass Gross unglücklich ist, weil die Düsseldorfer Zentrale beim Spielplan mitredet. Das Unternehmen sorge für eine „stabile wirtschaftliche Lage“, dass ist für die 14 Festangestellten, die in den vergangenen Jahren einschließlich des Insolvenzverwalters vier Chefs hatten, sicherlich eine beruhigende Nachricht. Mitte November hat Gross seinen neuen Job angetreten, Mitarbeitergespräche („drei pro Tag“) gehörten in der ersten Woche ebenso zum Programm wie das Kennenlernen des Hauses und Treffen mit Lieferanten. Wenn man etwas ändern will, muss man es am Anfang tun.

Marke Admiralspalast soll bekannter werden

Gross will die „Marke Admiralspalast bekannter machen“. Er schwärmt von der Welt der Mode (da habe Berlin Potenzial), redet viel von Events, Awards und anderen Veranstaltungen, bei denen Prominente im Mittelpunkt stehen. Mehr Glamour, mehr roter Teppich, mehr Vermietungen, so könnte man sein Entwicklungskonzept zusammenfassen. Im Tempodrom, das er sieben Jahre leitete, ist ihm das gelungen: Designer Michael Michalsky präsentierte dort seine StyleNights, Filmpreise wurde vergeben. Allerdings ist das Gebäude am Anhalter Bahnhof auch wesentlich größer, es verfügt mit 3700 Plätzen über 2000 mehr als der Admiralspalast. Der aber habe den „Standortvorteil Friedrichstraße“.

Gross hat eine unaufgeregte Art, er spricht mit diesem typischen Hamburger Akzent, aber einem, der in den Jahren in Berlin etwas abgeschliffen wurde. Der gebürtige Lüneburger hat 20 Jahre lang in Hamburg gelebt. 2005 zog er dann um, wohnt jetzt mit seiner „kleinen Familie im ruhigen Wilmersdorf“. Als Kontrast zu seinem Job, bei dem der Feierabend unregelmäßig ist.

Der „Absinth-Bar“, eines der legendären Falk-Walter-Projekte, der auch den Badebetrieb im Admiralspalast wieder aufleben lassen wollte, kann Gross einiges abgewinnen: Eine gute Location für Empfänge, für Feiern im kleineren Rahmen. Aber noch schlummert der Raum, der unter dem Innenhof liegt, im Dornröschenschlaf. Vielleicht könnte man auch die Bühne im großen Saal umbauen, die gilt als nicht besonders modern. Das setze allerdings voraus, dass es eine entsprechende Produktion gibt, für die das erforderlich sei. Vielleicht doch ein Musical von Mehr!Entertainment? Gross schweigt.

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