Villa Grisebach

Max-Beckmann-Bild für 2,2 Millionen Euro verkauft

Bei der traditionellen Herbstauktion der Berliner Villa Grisebach hat eine Küstenlandschaft von Max Beckmann einen Spitzenpreis erzielt. Obwohl das Bild nicht zu den Spitzenwerken des Künstlers zählt, investieren Sammler offenbar wieder in "klassische" Werke.

Foto: Villa Grisebach/ VG Bild Kunst, Bonn 2009

Katerstimmung auf dem Kunstmarkt? Wenig zu spüren - zumindest nicht bei der traditionellen Herbstauktion der Villa Grisebach mit Sitz in der Fasanenstraße. Natürlich spürt auch das Auktionshaus die Wirtschaftskrise. Man muss nur in die Kataloge schauen, sie sind dünner, es gibt einige hundert Lose weniger.

Und die Akquise ist derzeit mühsamer als das Versteigern. Denn: Wer nicht unbedingt Geld braucht, liefert in diesen Zeiten nicht ein. Doch das Stimmungsbarometer in der Villa Grisebach könnte nicht besser sein: "Es läuft blendend. Phänomenal. Wie in den besten Zeiten!", so Geschäftsführer Bernd Schultz. Von 61 Losen am Freitagabend mit den "Ausgewählten Werken" kamen 54 unter den Hammer. Taxiert wurden die Werke auf insgesamt 5,5 Millionen - der Umsatz betrug am Ende des Abends 8,7 Millionen Euro.

In diese Stimmung passte auch das glänzende Spitzenlos des Auktionsabends: Max Beckmanns "Blick auf die Vorstädte am Meer bei Marseille". Es kam mit 2,2 Millionen Euro unter den Hammer und ging nach Süddeutschland - der Schätzpreis lag bei 1,4 bis 1,8 Millionen Euro. Das mit Abstand beste Ergebnis des laufenden Jahres.

Die Versteigerung bestätigt einen Trend: Die verstärkte Nachfrage nach Werken von hoher Qualität, während Preise für vormals gehypte Künstler wie Damien Hirst gesunken sind. Irene Lehr (Auktionshaus Lehr): "Klassische Werke von hoher Qualität waren nie bedroht." Galerist Herbert Leidel aus München: "Die Leute hängen ihr Geld lieber an die Wand als in den Tresor. Leute, die heute sammeln, haben Geld."

Nun hängt also irgendwo in Süddeutschland bald ein Beckmann-Meer: Das Bild stammt aus der Sammlung von Beckmanns Förderer und Freund, dem Autor Stephan Lackner. Er stand dem Künstler seit den dreißiger Jahren finanziell zur Seite. Das mediterrane Gemälde lebt von Kontrasten und einer besonderen Farbauswahl. Mit festem weißen Pinselstrich umriss Beckmann den Schaum des Meeres, dort, wo das Wasser an die Küste schlägt; die Felsen heben sich dagegen schwarz ab gegen das lichte Ambiente aus Sommervillen, Palmen und dem Pinienhain. Als Vorlage dienten Beckmann Postkarten mit beliebten Frankreichmotiven, die erst 1986 im Nachlass seiner Frau gefunden wurden.

Auch wenn dieses Ölbild vielleicht nicht zu den besten Landschaften des Malers zählt, ist es eine Rarität. Die Bilder des Künstlers sind meist in festen Händen und wenn - selten genug - eines auf den Markt kommt, ist der Preis hoch.

Wie es in Galeriekreisen heißt, hat die Villa Grisebach hier selbst investiert, um das Geschäft überhaupt stattfinden zu lassen. Den Vorbesitzern in New York war es offenbar zu risikoreich, das begehrte Gemälde ohne Garantiesumme in eine Auktion zu geben. Und vertragliche Garantien auf Verkaufssummen mögen die großen Auktionshäuser seit Ausbruch der Wirtschaftskrise kaum noch geben. Sotheby's soll deshalb beim Beckmann-Bild das Nachsehen gehabt haben.

Weit über den Schätzpreis hinaus kamen auch Karl Hofers "Kartenspieler" mit 280.000 Euro - zu sehen sind drei drei Zocker in einem düsteren Verlies. Eine ironische Anspielung? Mit Max Liebermanns Ölgemälde „Schafherde“ wurden 330.000 Euro erlöst. In der Villa Grisebach werden Freitagabend wohl die Korken geknallt haben.

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