Hans Otto Theater

Geschichte wird gemacht - das Stück zum Mauerfall

Das Stück zum Jubiläum des Mauerfalls wird in Potsdam gespielt: In "Vom Widerstehen"geht es um Protest in einer Diktatur. Auf der Bühne stehen sieben ehemalige DDR-Bürgerrechtler, darunter Ulrike Poppe und Wolfgang Templin. Clemes Bechtel hat das Dokumentartheaterstück als Fortsetzung seiner preisgekrönten "Staats-Sicherheiten" inszeniert.

Foto: HL Böhme/HOT

Während die großen Berliner Theater dem 20. Jahrestag des Mauerfalls wenig Aufmerksamkeit schenken, hat das Potsdamer Hans Otto Theater diesem Ereignis, das Deutschland veränderte, eine Uraufführung gewidmet. „Vom Widerstehen“ heißt das Dokumentar-Theaterstück, das Lea Rosh, Renate Kreibich-Fischer und Clemens Bechtel erarbeitet haben. Es basiert auf den Erlebnissen von sieben Bürgerrechtlern, darunter dem späteren Bundestagsabgeordneten Konrad Weiß, die in Bechtels Inszenierung selbst auf der Bühne stehen, ihre Geschichten erzählen und gelegentlich auch spielen.

Es geht streng chronologisch zu, erst kommen die Berliner zu Wort, dann die Potsdamer (Jeanne Grabner, Carolin Lorenz, Hans-Joachim Schalinski); zeitgeschichtlich Bedeutsames wie Honeckers Bonn-Besuch, der 40. DDR-Geburtstag, Mauerfall oder die ersten freien Wahlen dient als Fixpunkt.

Die Methode ist vertraut. Regisseur Bechtel hat sie bereits bei seinen gefeierten und mit dem Friedrich-Luft-Preis der Berliner Morgenpost ausgezeichneten „Staats-Sicherheiten“ angewandt. „Vom Widerstehen“ kann man getrost als Fortsetzung bezeichnen. Im Bereich des Films funktionieren solche Weiterdrehen selten richtig gut, weil der Fundus wirkungsstarker Ideen und Geschichten begrenzt ist.

Natürlich lässt sich „Ice Age“ oder „Fluch der Karibik“ nicht mit diesem wichtigen und zeitgemäßen Potsdamer Projekt vergleichen, aber der Fluch der Fortsetzung lastet leider auch auf dem „Widerstehen“-Abend, der weitaus weniger berührt als die „Staats-Sicherheiten“. Und das liegt auch daran, dass Regisseur Bechtel die Gefängnis- und Vernehmungsleiden seiner Protagonisten diesmal, um sich nicht zu wiederholen, weitestgehend ausklammert. Die Verachtung, mit der die Staatssicherheit auf den „Haufen disparater Individualisten“ reagierte, wird in den eingestreuten IM-Berichten deutlich.

Bühnen- und Kostümbildnerin Iris Kraft hat die Spielfläche mit zahlreichen Stühlen und Tischen bestückt, gelegentlich werden Fotos projiziert oder kurze Filmausschnitte gezeigt. Die auf einer Schreibmaschine verfasste Erklärung von Wolfgang Templin wird umgehend von Ralf Hirsch vervielfältigt. Die beiden engagierten sich bei der „Initiative für Frieden und Menschenrechte“. Ebenso wie Ulrike Poppe, die für einen Lacher sorgt, als sie die Anekdote vom Schmuggler und Grenzsoldaten erzählt: Ein Kinderspiel, bei dem es darum ging, Papiere über eine Grenze zu bringen. Einziges Problem: Keiner wollte Grenzer sein.

Hans Otto Theater Potsdam, Schiffbauergasse 11., 0331/98118. Termine: 28. November, 19.30 Uhr