Berliner Ensemble

Womit Intendant Peymann am BE überraschen will

Mit Schauspieler Klaus Maria Brandauer in einer Titelrolle, Inszenierungen von US-Regisseur Robert Wilson und Katharina Thalbach sowie Lesungen mit Herta Müller und Peer Steinbrück wartet Intendant Claus Peymann in der kommenden Spielzeit des Berliner Ensembles auf. Und natürlich führt der Chef des Hauses auch selbst Regie.

Foto: M. Lengemann

Das Berliner Ensemble zählt zu den erfolgreichsten Bühne Berlins – auf jeden Fall, was die wirtschaftlichen Kennzahlen angeht. So rechnet BE-Direktor Claus Peymann in seiner Spielzeit mit einer Auslastung 84 Prozent – ein Spitzenwert, nicht nur berlinweit.

Peymann ist ein diesseitiger, ein bodenständiger Ästhet. Der Direktor des Berliner Ensembles (BE) lässt die blühenden Pfingstrosen auf der kleinen Bühnen im Rangfoyer nach vorn rücken, damit sie etwas Farbe ins Bild bringen. Denn bei den vier Personen, die das Pressegespräch bestreiten, aber das Feld komplett dem Chef überlassen, dominieren dunkle Töne. Hier wird die Tradition der schwarzen Kleidungsstücke gepflegt. Allerdings schlägt Peymann erstaunlich selbstkritische Töne an. Spricht von der bislang „wahrscheinlich schlechtesten Spielzeit“ unter seiner Regie – zieht aber sofort einen Vergleich zum Auftakt des Theatertreffens. Da ist er wieder, der vertraute Peymann. Neben verpatzten Produktionen wie dem „Käthchen von Heilbronn“ sei das BE besonders vom Tod des Theaterregisseurs Jürgen Gosch, der sollte die Saisoneröffnung inszenieren, und von einer Absage der Regisseurin Andrea Breth getroffen worden.

Aber an der Kasse – Theatermann Peymann kann so wunderbar über Geld reden – sei davon nichts zu spüren gewesen. Peymann erzählt von steigenden Einnahmen (von 2,7 auf 3 Millionen Euro) und steigenden Besucherzahlen (von 170.000 auf 173.000) in der vorläufigen Spielzeitbilanz. Erwähnt die zahlreichen Gastspiele (das BE ist halt seit Bertolt Brecht ein echter Markenartikel) und den einzigartig hohen Eigenanteil von 31 Prozent. Fast ein Drittel des Budgets erwirtschaftet das Haus selbst. Das ist für ein öffentlich gefördertes Sprechtheater bundesweit ein Spitzenwert.

Thalbach inszeniert Brecht

Peter Steins Inszenierung von Sophokles' „Oidipous auf Kolonos“ wird in der kommenden Spielzeit einer der Höhepunkte am BE sein. Stein bringt den antiken Stoff mit Klaus Maria Brandauer (66) in der Titelrolle auf die Bühne. Brandauer war bereits Hauptdarsteller in Steins Großprojekt „Wallenstein“ und in seiner Inszenierung von „Der zerbrochne Krug“. Den Sophokles-Text hat Stein (72) neu übersetzt. Premiere wird am 25. August sein, wie Peymann am Mittwoch ankündigte.

Die Inszenierung ist eine Koproduktion mit den Salzburger Festspielen. Dort hat „Oidipous auf Kolonos“ am 26. Juli Premiere. Auf der Bühne stehen neben Brandauer auch Jürgen Holtz, Roman Kaminski, Martin Seifert und Norbert Stöß. Stein und Brandauer hatten bereits angekündigt, dass sie ihre Zusammenarbeit auch danach fortsetzen wollen. Ihr Ziel ist es, in Berlin beide Teile von Shakespeares „Heinrich IV.“ auf die Bühne bringen. Wann die Inszenierung am BE gezeigt wird, ist aber noch offen. US-Regisseur Robert Wilson wird an der einstigen Brecht-Bühne in der nächsten Saison Wedekinds „Lulu“ zeigen. Premiere ist im April 2011.

Peymann selbst inszeniert Mark Ravenhills Stück „Shoot/Get Treasure/Repeat“. „Ein Autor, den ich im Prinzip nicht mag“, meinte Peymann. Das neue Werk des britischen „Shoppen und Ficken“-Autors sei jedoch hervorragend. Es gehe darin um die Kollateralschäden der Kriege unserer Tage. Auf der Bühne stehen unter anderem Corinna Kirchhoff, Jürgen Holtz, Ursula Höpfner-Tabori, Christian Grashof und Veit Schubert.

Katharina Thalbach kehrt mit einer Inszenierung von Brechts „Im Dickicht der Städte“ (Premiere Oktober) an das Berliner Ensemble zurück. Auch Regiearbeiten von Thomas Langhoff, Martin Wuttke und Manfred Karge sind für die neue Spielzeit geplant. Neben klassischem Theater gibt es im Berliner Ensemble wieder zahlreiche Lesungen und Buchpremieren, zum Beispiel mit der Literatur-Nobelpreisträgerin Herta Müller, Ian McEwan und Peer Steinbrück.