Retrospektive

Leid und Leidenschaft - Frida Kahlo in Berlin

| Lesedauer: 4 Minuten
Das Video konnte nicht gefunden werden.

Einzigartige Ausstellung über Frida Kahlo

Die Mexikanerin Frida Kahlo (1907-1954) ist eine der populärsten Künstlerinnen aller Zeiten. Im Martin-Gropius-Bau stellt die Berliner Ausstellung echte Werke aus. Ein besonderes Ereignis.

Video: tvb
Beschreibung anzeigen

Zusammengewachsene Augenbrauen, den Blick voller Schmerz und ein deutlicher Flaum über der Oberlippe - Die Selbstporträts der mexikanischen Malerin Frida Kahlo sind längst Kult. Der Martin-Gropius-Bau in Berlin zeigt nun die umfangreichste Retrospektive ihres Werks, die es in Deutschland je gab.

Da ist er wieder dieser Blick, dem man sich kaum entziehen kann und der so charakteristisch ist für Frida Kahlos Selbstporträts. 55 Mal hat sie sich selbst gemalt - mit Dornenhalsband, Samtkleid, Affen oder wie im "Selbstbildnis als Tehuan oder Diego in meinen Gedanken."

Frida Kahlo (1907-1954) ist eine der faszinierendsten und schillerndsten Frauen der Kunstgeschichte. Die Tochter eines deutschen Fotografen und einer indianisch-stämmigen Mexikanerin gilt als die wohl bedeutendste Künstlerin Lateinamerikas. Die Regierung in Mexiko erklärte ihr Werk offiziell zum „nationalen Kulturgut“. Zugleich zeugen ihre Bilder von einem Leben voll Leid und Leidenschaft.

150 Ölgemälde und Zeichnungen der mexikanischen Künstlerin, die mit dem Maler Diego Riviera verheiratet war, zeigt nun die Retrospektive ab dem 30. April im Martin-Gropius-Bau. Ihr künstlerischer Werdegang, angefangen von der Neuen Sachlichkeit, dem mexikanischen Estridentismus bis zum Surrealismus, soll deutlich werden. Eine Frida Kahlo-Ausstellung dieser Größenordnung - mit Leihgaben aus 30 mexikanischen und 15 nordamerikanischen Museen und Privatsammlungen - gab es bisher in Deutschland noch nicht.

Vielen dürften deshalb ein Großteil der Zeichnungen unbekannt sein und auch das bemalte Gipskorsett von Kahlo, das aus Privatbesitz stammt. Das zerstört geglaubte und in Öl gemalte "Selbstporträt als Sonnenblume" gehört ebenfalls zu den Höhepunkten, denn es wird erstmals in Europa gezeigt.

Fünf Jahre im Gipskorsett

Schon als Sechsjährige war Kahlo an Kinderlähmung erkrankt und hatte seither ein verkrüppeltes Bein. Mit 18 bohrte sich bei einem Busunglück eine Stahlstange so durch ihr Becken, dass sie nur knapp dem Tod entkam. Ein Jahr nach dem Unfall schuf sie ihr erstes Selbstporträt. Für Jahre lag sie in Ganzkörpergips, später war sie auf ein Stahlkorsett angewiesen. Sie erlitt mehrere Fehlgeburten und musste mehr als 30 Operationen über sich ergehen lassen.

Die lebenslangen Qualen hat sie in ihren Bildern verarbeitet. Prägend für ihre künstlerische Entwicklung war auch die wechselhafte Beziehung zu ihrem Ehemann, dem weltberühmten revolutionären Wandmaler Diego Rivera, den sie zweimal heiratete. Mit ihrer an der Volkskunst orientierten Kunst konnte sie zunehmend aus dem Schatten des um zwanzig Jahre älteren Partners treten – die Frauenbewegung kürte sie zur Vorreiterin der Emanzipation.

Über die ständigen Seitensprünge ihres Mannes tröstete sich Kahlo mit eigenen Affären hinweg – sowohl mit Männer wie Frauen. Auch der Revolutionär Leo Trotzki gehörte vorübergehend zu ihren Liebhabern. In den 40er Jahren verschlechterte sich der Zustand der Künstlerin dramatisch. 1954 starb sie an einer Lungenembolie. Freunde schlossen auch einen Selbstmord nicht aus.

Einblicke in das Leben der Autodidaktin und Nationalheldin Mexikos gibt eine zusätzliche Fotoschau. Zum Begleitprogramm gehören ein Gespräch mit den beiden Kuratoren Christina Kahlo und Helga Prignitz-Poda (1. Mai, 17 Uhr) sowie der Film "Frida" von Julie Taymor mit Salma Hayek (9. Mai , 19 Uhr).

Ausstellung grenzt an ein Wunder

Kulturstaatsminister Bernd Neumann würdigte die Retrospektive in Berlin als ein „herausragendes Ereignis“ für Deutschland. „Es grenzt an ein Wunder, so viele der zentralen Kunstwerke Kahlos in einer Ausstellung zu vereinen, da sie als nationales Kulturgut Mexikos nur in ganz seltenen Fällen ausgeliehen werden." Der Minister verwies darauf, dass in Deutschland keine öffentliche Sammlung ein Gemälde der großen mexikanischen Malerin besitzt.

Ausstellung: Martin-Gropius-Bau, Niederkirchnerstr. 7, Mitte, 30. April-9. August,30. April+1. Mai 10-24 Uhr, anschließend tgl. 10-20 Uhr, Tel. 25 48 60

( dpa/BMO )