Umzug ins Pergamonmuseum

Museum für Islamische Kunst wird doppelt so groß

Mit dem Umzug des Museums für Islamische Kunst in den Nordflügel des Pergamonmuseums bis 2019 wird der Sammlung deutlich mehr Gewicht beigemessen. Die Ausstellungsfläche soll sich verdoppeln. Auch das Konzept ändert sich grundlegend. Die Exponate werden künftig in den historischen und gesellschaftlichen Zusammenhang gesetzt.

Wohl kaum ein Tag vergeht ohne Diskussion um den Islam und den Westen, im Wesentlichen geprägt von Misstrauen und Unkenntnis auf beiden Seiten. Dennoch hat das Interesse an islamischer Kultur stark zugenommen – sie ist Teil unserer Lebenswelt geworden. Und entsprechend gut besucht ist eine Tagung in Berlin, auf der bis zum Sonnabend internationale Wissenschaftler und Museumsfachleute über Konzepte und Chancen Islamischer Museen diskutieren.

Ein zentrales Thema ist dabei das Berliner Museum für Islamische Kunst, das im Zuge der Generalsanierung des Pergamonmuseums stark aufgewertet wird. Die Abteilung bekommt rund 2800 Quadratmeter als Ausstellungsfläche samt Orient Lounge – mehr als das Doppelte wie bisher. Die Sammlung wird dabei vom Süd- in den Nordflügel umziehen, alle drei Ebenen sind dort zu bespielen – einen eigenen Eingangsbereich wird es zusätzlich geben. Die Baupläne liegen vor. Direktor Stefan Weber, knapp ein Jahr im Amt, sieht darin die gesellschaftspolitische Verantwortung seines Hauses, „als symbolische Heimat für Muslime in Deutschland“.

Die Idee für diesen Umbau geht in die Neunzigerjahre zurück, als der Masterplan für die Museumsinsel entwickelt wurde. 2019, so die Planung, könnte der Umzug in den Nordflügel beendet sein, voraussichtlich 2026 wird die Gesamtsanierung des Pergamonmuseums mit dem Neubau des vierten Flügels abgeschlossen sein.

Mit der Neubewertung der islamischen Kultur liegt Berlin im weltweiten Trend: Kopenhagen strukturierte und präsentierte gerade seine Sammlung neu, ebenso wie Athen und London. Kairo und Toronto ziehen demnächst nach. Den glamourösesten Auftritt haben die islamischen Artefakte wohl in Doha, Katar, einem pyramidenförmigen Bau wie aus 1001-Nacht, entworfen von I.M. Pei – mit 45.000 Quadratmetern der größte Museumskomplex dieser Art.

Etwa 50.000 Exponate gehören in den Bestand des Berliner Hauses, 1904 von Wilhelm von Bode gegründet, dazu zählen, neben zahllosen Scherben, drei- bis viertausend größere Ausstellungsstücke und die prominenten, großen Architekturteile wie die Mschatta-Fassade, die Alhambra-Kuppel und das Aleppo-Zimmer – alle drei Exponate werden im Nordflügel des Pergamonmuseums neu montiert. Im Fundus befinden sich vor allem Objekte der deutschen Grabungen im Iran, in Syrien, der Türkei und Ägypten. Das Spektrum der Exponate reicht vom 8. bis ins 19. Jahrhundert. Die Kunstwerke stammen aus einem Gebiet, das von Spanien bis Indien reicht. Die Stärken des Museums liegen dabei in der Frühzeit muslimischer Geschichte, in der Spätantike. Oft gerät in Vergessenheit, dass das arabische Weltreich nicht nur die Einheit der griechisch-römischen Ökumene zerstörte, sondern auch Erbe und Träger antiker Traditionen war.

Parallel zum Umzug erarbeitet Direktor Weber eine grundlegend neue Konzeption. Kulturvermittlung wird mehr Platz eingeräumt. Eine Studie wies kürzlich nach, dass es verstärkt Jugendliche ins Museum zieht. Die Präsentation geht weg von der ästhetischen Isolierung der Artefakte hin zu einer integrativen Einbettung der Objekte in historische und gesellschaftliche Verhältnisse. Die amerikanische Wissenschaft nennt dies „Connect culture histories“.

Museologisch hat das Konsequenzen: Die starre, für den Westen wenig verständliche Aufteilung in Dynastien als Ordnungssystem entfällt. Stattdessen soll sich dem Besucher eine geographische Einteilung und chronologische Zeitfolge von Antike, Mittlere Zeit, Frühe Neuzeit und Moderne präsentieren. Dazu werden die Objekte den einzelnen Lebensräumen zugeordnet: Palast, sakrale Räume, Garten, Haus. Ein zentraler Punkt wird es sein, die antiken Wurzeln der muslimischen Kultur freizulegen.

Deutlich grenzt sich Stefan Weber von den Plänen des Metropolitan Museums in New York ab, das künftig keine Kunstwerke mit Darstellungen des Propheten Mohamed mehr zeigen will. Aus „Schutzgründen“, heißt es, da konservative Muslime am Abbildungsverbot festhalten würden. „Das ist schade“, sagt Weber, „insofern die Bilder wirklich von Muslimen stammen. In den vergangenen Jahrhunderten wurde Mohammed von muslimischen Malern in der Miniaturmalerei oft dargestellt – wobei sein Gesicht immer verschleiert ist. Auch unser Haus besitzt solche Miniaturen. Wir sollten nicht anfangen, die Geschichte zu zensieren.“

Kann ein Museum integrieren?

Das New Yorker Haus geht noch weiter, plant, seine islamische Kunst in die der „arabischen Länder, Türkei, Iran und Zentralasien“ umzubenennen. Weber hat dafür Verständnis: „Der Begriff ,Islamische Kunst‘ ist für ein Museum tatsächlich schwierig, weil er fehlleitet. Die Objekte präsentieren Kulturgeschichte und nicht primär Religionsgeschichte. Besser wäre in der Tat eine Bezeichnung wie ,Museum für kulturelles Erbe muslimischer Völker‘ oder ,Kunst und Archäologie des Nahen Ostens in muslimischer Zeit‘. Wir vergessen immer wieder, dass die Kulturen des Nahen Osten multireligiös und ethnisch geprägt waren und vor allem auch sehr verschieden sind.“

Es gab Sunniten und Schiiten jeglicher Couleur, Mystiker, Juden und Christen verschiedenster Konfession. Manche waren sehr religiös, andere nicht.

Ob ein Islamisches Museum denn wirklich einen integrativen Einfluss haben kann, bleibt zu bezweifeln. „Ob es einmal einen Einfluss auf unsere Gesellschaft hat, kann man jetzt nicht sagen“, sagt Stefan Weber. „Wir sollten die Möglichkeiten nutzen und deutschen Muslimen eine kulturelle Heimat in Deutschland anbieten. Unsere Muslime kommen oft aus einem bildungsfernen Hintergrund. Dies ändert sich langsam, beispielsweise bei den Türken der zweiten und dritten Generation. Die erste Generation von Einwanderern kommt aus dem ländlichen Bereich, Anatolien oder das Schwarze Meer. Aber mit Deutschen aus bildungsärmeren Schichten haben wir das gleiche Problem, auch sie gehen nicht ins Museum. Unsere Aufgabe wird es sein, diese Menschen an das Museum heranzuführen.“

Das Museum für Isalmische Kunst im Netz.