Surrealismus-Geschenk

Berlin soll eine neue Kunstsammlung bekommen

180.000 Besucher haben die Surrealismus-Ausstellung "Bilderträume" in der Neuen Nationalgalerie gesehen, am Sonntag schließt die Schau. Die Bilder aber bleiben - wenn alles gut geht: Das Sammler-Ehepaar Pietzsch will seine Werke der Nationalgalerie schenken.

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Sonntag schließt nach sieben Monaten Laufzeit die Surrealisten-Schau „Bilderträume“ der Sammlung Ulla und Heiner Pietzsch mit über 180.000 Besuchern in der Neuen Nationalgalerie. Zur Finissage kommen prominente Gäste, das ist nicht immer so. Herman Parzinger, Stiftungspräsident Preußischer Kulturbesitz, hat sich angesagt, Christina Weiss, Vorsitzende des Vereins der Freunde der Nationalgalerie, wird eine Rede halten. Das hat seinen Grund: das Ehepaar Pietzsch will, wenn die Verhandlungen gut laufen, große Teile seiner hochkarätigen Privatsammlung der Nationalgalerie schenken. Dazu zählen Werke von Max Ernst, René Magritte, Joan Miro und Salvador Dalí.

Heiner Pietzsch sagte Morgenpost Online: „Der Kulturstaatsminister und die Stiftung sind hart dran. Denn wir haben genaue Vorstellungen: die Sammlung braucht Platz – und soll nicht im Depot des Museums landen!“ Damit decken sich die Pläne des Ehepaares durchaus mit den Plänen des neuen Museumsmannes Udo Kittelmann. Dieser möchte den Mies van der Rohe Bau mittelfristig in einen „Tempel der Klassischen Moderne“ umfunktionieren, die eigene Sammlung der Nationalgalerie endlich adäquat präsentieren – und damit insgesamt das Areal am Kulturforum touristenfreundlich aufwerten.

Nun ist die Neue Nationalgalerie nicht gerade groß. Allein die Sammlung Pietzsch füllt die gesamte untere Ebene – „und wir haben noch mehr Bilder“, so Pietzsch. Vorstellbar wäre, den hinfälligen Mies-Bau bei der anstehenden notwendigen Sanierung mit zusätzlichen Ausstellungsflächen zu vergrößern, unter der großen Terrasse des Ausstellungshauses gibt es offenbar noch bauliches Potenzial. Die imposante Glashalle könnte dann weiterhin für Sonderschauen genutzt werden.

Ursprünglich war Heiner Pietzsch ein Anhänger der Rochade der Gemäldegalerie auf die Museumsinsel – eine Idee des ehemaligen Museumsgenerals Schuster. Das Bilderhaus am Kulturforum wäre somit frei gewesen für das 20. Jahrhundert. Mittlerweile scheint klar, dass dieser „Masterplan 2“ vorläufig nicht realisiert werden kann – aus finanziellen Gründen.

Neu sind die Pläne des Ehepaares Pietsch nicht, seit längerem schon denken sie darüber nach, wo ihre Kollektion ihr endgültiges Domizil erhalten könnte. Heiner Pietzsch wird dieses Jahr 80 Jahre, das Paar hat keine Kinder – da macht diese Überlegung Sinn. „Die Kunst des 20. Jahrhunderts ist 1933 bis 1937 in Deutschland durch die Nazis vernichtet worden, die Werke sind verbrannt, versteigert worden oder einfach verschwunden. Wenn wir diese Lücke jetzt mit unserer Sammlung in der Neuen Nationalgalerie schließen könnten, dann wäre das eine kunsterzieherische Aufgabe, gleichzeitig auch ein politisches Signal“, findet Pietzsch.