Ausstellung

Melancholie monumental: Drei Ausstellungen bei C/O Berlin

| Lesedauer: 3 Minuten
Ulrike Borowczyk
Die Leere des Alltags: William Egglestons Bilder bei C/O Berlin.

Die Leere des Alltags: William Egglestons Bilder bei C/O Berlin.

Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services

An der Hardenbergstraße werden Arbeiten von William Eggleston, Anastasia Samoylova und Karolina Wojtas präsentiert.

Zweigeteilt durch eine Trennleine mit drei spärlichen blauweißen Hostalenkugeln, treiben zwei einsame Schwimmreifen auf der glasklaren blauen Oberfläche des nierenförmigen Pools. Eingerahmt von einer akkurat gekürzten Rasenfläche vor kultivierter Natur, stehen drei Stühle und eine Liege disparat auf dem ockerfarbenen Schotter um das verlassene Becken herum. Obwohl bis ins Detail von Menschen gemacht, wirkt die Szenerie vollkommen unbehaust und trostlos.

Fotos wie dieses stammen aus der Reihe „The Outlands“, die nun in der großen Retrospektive „William Eggleston. The Mystery of the Ordinary“ bei C/O Berlin und damit erst das zweite Mal in Europa zu sehen ist. Die Arbeiten wurden dafür mit einem speziellen Verfahren eigens für die Ausstellung gedruckt. Mit wenigen Ausnahmen wurde keines der Fotos der Reihe bisher ausgestellt.

Dass zudem erstmals überhaupt unterschiedliche Formate und Reihen präsentiert werden, ist eine weitere Weltpremiere. Das hat zuvor bei William Eggleston noch nie gegeben. Beginnend mit seiner Schwarzweiß-Fotografie unter dem Titel „Before Color“ aus den 1960er- bis Anfang der 1970er-Jahre, kann man ebenfalls zum ersten Mal eine Gegenüberstellung mit seinen Farbfotos erleben. Mittels der Farbfotografie lässt Eggleston Alltäglichkeiten leuchten, ästhetisiert Banales, aber auch Dreckiges in einer kraftvollen Formensprache.

Mit „Photographs by William Eggleston“ 1976 im New Yorker Museum of Art sorgte er für einen Skandal. Von John Szarkowski kuratiert, war es die erste Einzelausstellung, die der „New Color Photography“ gewidmet war. Damit schrieb Eggleston aber auch als „Vater der Farbfotografie“ Geschichte. Bis heute gilt der Katalog, der „William Eggleston’s Guide“, als Meilenstein. Mehr als zehn Jahre dauerte es, bis Kurator Felix Hoffmann die Retrospektive realisieren konnte. Damit verabschiedet er sich als Programmleiter nach 17 Jahren von C/O Berlin. Zukünftig wird mit Kathrin Schönegg und Sophia Greiff eine weibliche Doppelspitze die Programmleitung übernehmen. Schönegg hat die beiden Ausstellungen im ersten Obergeschoss kuratiert, die zeitgleich mit der Eggleston-Schau eröffnen.

Anastasia Samoylovas Schau „Floridas“ ist eine Weiterführung der „New Color Photography“ in die Gegenwart. Mit ihrem fotografischen Road Trip hat sie ihre Erfahrungen des Klimawandels in ihrer Wahlheimat Florida dokumentiert. Das Spektrum reicht dabei vom pittoresken Rosa über farbsattes Palmen-Feeling bis zu maroden Bauwerken und dem rostig erodierten Abgesang auf das Paradies.

Mit Ironie punktet Karolina Wojtas, die Gewinnerin des „C/O Talent Awards 2022“. In ihrer Multimedia-Arbeit mit dem erfundenen Titel „Abzgram“ versetzt die polnische Künstlerin die Besucher in einen Schulalltag, der an eine Strafvollzugsanstalt erinnert. Ihre Reaktion auf das rigide polnische Schulsystem. Mit einem irrwitzigen Konvolut von Fotos und surreal gestalteten Situationen bricht sie dabei mit beißendem Spott die Regeln.

C/O Berlin, Hardenbergstr. 22-24, Charlottenburg. Bis 4.5., tägl. 11-20 Uhr.