Ultraschall-Festival

Wenn Wurzeln und Pilze im Konzert kommunizieren

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Mario-Felix Vogt
Susanne Blumenthal am Pult des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin.

Susanne Blumenthal am Pult des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin.

Foto: RBB/Simon Detel

Spannende Stücke wurden am zweiten Festivaltag von Ultraschall in den Sendesälen des RBB vorgeführt.

Der zweite Tag des Ultraschall-Festivals konnte mit einem vielfältigen Programm aufwarten. Neben einem Orchesterkonzert im Großen Sendesaal des RBB mit ganz unterschiedlichen Werken von fünf Komponisten, in dem sich das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin (RSB) mit der geschmeidig-präzisen Dirigentin Susanne Blumenthal präsentierte, gab es am Donnerstag auch ein Late-Night-Event im Kleinen Sendesaal mit dem Ensemble Experimental. Dieses versteht sich als Solistenensemble für Musik mit Live-Elektronik, und so waren alle Werke des Spätkonzerts mit elektronischen Klängen angereichert, die den Hörern aus einem guten Dutzend Lautsprechern, die rundherum im Raum aufgestellt waren, entgegenschallten.

Geleitet wurde das Ensemble vom Dirigenten Detlef Heusinger, der auch ein eigenes Stück beisteuerte, das zu den Höhepunkten des zweiten Festivaltags gehörte. „Crossroads“ heißt es, und für dieses Werk erweiterte Heusinger das Ensemble, das aus E-Gitarre, Percussion, Klavier, Synthesizer und Violoncello bestand, um das vor etwa 100 Jahren erfundene Theremin. Dies ist ein elektronisches Musikinstrument, das berührungslos durch die Veränderung der Position der Hände gegenüber zwei Elektroden gespielt wird.

Detlef Heusingers Stück zitiert Klischees aus Pop- und Rockmusik

Was Heusinger in diesem Stück an klangliche Fantasie eingebracht hat, war absolut faszinierend, dabei blitzte immer wieder etwas auf, was in zeitgenössischer Musik leider oft fehlt: Humor. Heusinger ließ die E-Gitarre auch mal kitschig sülzen, wie eine Hawaii-Gitarre oder zitierte Klischees aus Pop- und Rockmusik, die schräg und schrill von elektronischen Sounds kommentiert wurden. Zu den weiteren originellen Stücken des Late-Night-Konzerts gehört „The truth will set you free“ (Die Wahrheit wird dich befreien) von der taiwanesischen Komponistin Li-Ying Wu, das sich um das Thema „Fake News“ drehte. Immer wieder wurden darin Klänge angestimmt, die in der Tonhöhe absackten, so wie ein Plattenspieler, der während der Wiedergabe ausgestellt wird. Das war klanglich sehr radikal, aber erfrischend.

Auch im Orchesterkonzert des RSB gab es interessante Werke zu hören. Dazu gehörten das Stück „Stufen der Ideen“ des russischen Komponisten Sergej Newski für Sprecher und 20 Solostreicher, in dem der Schauspieler Jakob Diehl wohlartikuliert und ausdrucksstark zwei polemische Texte von Leo Tolstoi zum Thema „Patriotismus und Regierung“ über einem Geflecht aus vielschichtigen Glissando-Klängen rezitierte, und die „Harmoniemusiken“ der Belarussin Oxana Omelchuk, die auf witzige Weise unter anderem amerikanische Filmmusiken der 1940er- und 1950er-Jahre parodierten. Vor allem aber gefiel das Stück „Between Trees“ der norwegischen Komponistin Kristine Tjøgersen, das durch eine unglaubliche Vielfalt an Klängen glänzte, die das Leben im Wald nachzeichneten – einschließlich der Kommunikation zwischen Wurzeln und Pilzgeflechten. Es gab Jubel des Publikums.