Star-Komödie

„Shotgun Wedding“: Hochzeit mit Handgranate

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Wilde Terroristen und Jennifer Lopez ganz in Weiß: „Shotgun Wedding“.

Wilde Terroristen und Jennifer Lopez ganz in Weiß: „Shotgun Wedding“.

Foto: LEONINE

Kann man Thriller wie „Stirb langsam“ mit einer romantischen Hochzeitskomödie mischen? Diesem Film gelingt es nur bedingt.

Superstar Jennifer Lopez heiratet gern oder jedenfalls oft, auf und hinter der Leinwand. Privat hat sie zum inzwischen vierten Mal ewige Treue gelobt: Zuerst dem Kellner Ojani Noa (1997-1998, er wurde später Geschäftsführer in einem ihrer Restaurants), danach dem ehemaligen Tänzer Chris Judd (2001-2002), bevor sie 2004 den frisch von der amtierenden „Miss Universe“ getrennten Sänger Marc Anthony ehelichte, von dem sie sich, nach der Geburt von Zwillingen 2008, im Jahr 2011 wieder scheiden ließ. Im Sommer 2022 hat sie dem Schauspieler Ben Affleck das Ja-Wort gegeben.

Zum Hochzeitsring gibt’s Explosionen

Das wäre gar nicht einmal so interessant und für Hollywood-Verhältnisse relativ normal, hätte Lopez nicht parallel dazu genau dieselbe Zahl an Hochzeitsfilmen gedreht. In „Wedding Planner – verliebt, verlobt, verplant“ spielte sie 2001 eine Organisatorin der zugehörigen Feierlichkeiten, in „Das Schwiegermonster“ litt sie 2005 unter der von Jane Fonda grandios gespielten Mutter ihres Verlobten, und in „Marry Me“ (2022) schließlich kam sie in einem etwas schalen Aufguss des von Julia Roberts und Hugh Grant bereits erprobten „Notting Hill“-Stoffs (1999) als Popdiva mit einem allein erziehenden Mathematiklehrer zusammen.

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Der Trailer zum Film: „Shotgun Wedding“

Schöne Menschen in schönen Kleidern, das Zusammentreffen der Verwandtschaft, die Einheit des Ortes und die recht simpel herzustellende Dramatik des Zweifels im letzten Augenblick: Kein Wunder, dass das Rom-Com-Genre gerade an Hochzeitsfilmen einen Narren gefressen hat. Als im Herbst 2022 der Trailer zu Lopez’ viertem Versuch „Shotgun Wedding“ erschien, machte er Hoffnung auf eine spannende Stilmischung: Denn hier sollten nicht nur edle Roben und Herzschmerz eine Rolle spielen, sondern auch Maschinengewehre, Geiseln und Granaten.

Die Terroristen werden nach und nach dezimiert

Stimmt ja auch: Darcy (Lopez) und Tom (Josh Dushamel) treffen mitsamt Sippschaft auf einer idyllischen Philippinen-Insel zur feierlichen Ringübergabe zusammen, und zunächst scheint alles wie in jedem dieser Filme: Die Angehörigen beharken sich, mit Sean (Lenny Kravitz) fliegt überraschend ein schwerreicher Ex-Freund von Darcy per Helikopter ein und sorgt für Eifersüchteleien, und Darcy selbst bekommt das erwartbare Muffensausen.

In diese vorhersehbare Dutzendware von einer Exposition rennen nun, man hätte es fast gern selbst getan, Terroristen hinein, ballern in die Luft und nehmen die komplette Gesellschaft gefangen – mit Ausnahme von Darcy und Tom, die abseits noch mit dem Durchdiskutieren des Muffensausens beschäftigt sind.

Nun werden sie zu Einzelkämpfern gegen die Kriminellen, die nicht nur mit seltsamen, teils von Stacheln, teils von Kronkorken bewehrten Masken ausgestattet sind, sondern es auch auf das Vermögen eines Gastes abgesehen haben und entsprechende Überweisung fordern. Die Entführer suchen nach ihnen und werden dabei nach und nach dezimiert.

Dabei gelingen viele komische Volten, kurzweilig ist das schon. Leider sichert sich der Film durch konstante Veralberung der Gewaltszenen zusätzlich ab und verbleibt so in den Routinen der romantischen Komödie. Wirklich interessant wäre er geworden, wenn er hier mehr gewagt hätte.

Komödie USA 2022, 101 min., von Jason Moore, mit Jennifer Lopez, Josh Duhamel, Jennifer Coolidge