Konzerthaus

Das sensationelle Debüt eines jungen Dirigenten

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Mario-Felix Vogt
Der finnische Dirigent Tarmo Peltokoski.

Der finnische Dirigent Tarmo Peltokoski.

Foto: Peter Rigaud

Der 21-jährige Finne Tarmo Peltokoski stellte sich mit einem reinen Wiener-Klassik-Programm beim Konzerthausorchester vor.

Tarmo Peltokoski ist zwar erst 21, doch bereits ein reifer Künstler. Das Deutschland-Debüt des jungen finnischen Dirigenten mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen in diesem Sommer war derart erfolgreich, dass er sogleich wieder eingeladen wurde und ihm das Orchester den erstmals vergebenen Titel „Principal Guest Conductor“ verlieh. Mit 14 Jahren wurde Peltokoski Schüler des legendären Dirigierlehrers Norma Panula, der unter anderen Pultstars wie Esa-Pekka Salonen unterrichtet hat, gleichzeitig ließ sich Peltokoski auch zum Konzertpianisten ausbilden. Am Sonnabend gab er sein sensationelles Debüt beim Konzerthausorchester.

Der Finne verfügt über eine brillante Schlagtechnik und über einen starken künstlerischen Gestaltungswillen, den er dem Orchester mit beeindruckender Intensität zu vermitteln weiß. Wenn er vom Orchester einen wilden Galopp fordert, dann simuliert er etwa einen Ritt am Dirigentenpult. Er wendet sich den einzeln Spielern gerne direkt zu, darin erinnert er sehr an Kirill Petrenko. Wenn er einen großen melodische Bogen spannen möchte, deutet er dies durch wunderbar geschmeidige Handbewegungen an.

Der Dirigent setzt auf eine kontrastreiche dynamische Gestaltung

Herrlich klar und transparent erklang Haydns Sinfonie Nr. 49. Mit großer Sensibilität arbeitete der junge Finne den düsteren Charakter des eröffnenden Adagios heraus, um im anschließenden „Allegro di molto“ das Orchester richtig losstürmen zu lassen. Im Menuett und Finale beeindruckten die kontrastreiche dynamische Gestaltung. Wiederholungen von Motiven nahm Peltokoski oft im extremen Pianissimo – da fordert er vom Orchester bisweilen wirklich das Äußerste – , um die Tutti-Stellen danach um so kraftvoller zum Klingen zu bringen.

Auch Mozarts „Haffner-Sinfonie“ gelang außerordentlich gut: Temperamentvoll und voller jugendlicher Lebensfreude gerieten die Ecksätze, wunderbar transparent und klanglich fein differenziert das „Adagio“. Die Orchesterleistung war hier erstklassig: Sehr präzise und klar boten die Streicher die rasenden Läufe im Finalsatz dar.

Nach der Pause stand Beethovens viertes Klavierkonzert auf dem Programm, das als Solist den reifen Interpreten fordert. Das war der 43-jährige Spanier Javier Perianes definitiv. Mit großem Einfühlungsvermögen und hoher Klangkultur interpretierte er den berühmten zweiten Satz, in dem sich der Solist wie in der Orpheus-Sage nach und nach gegen die düstere Unterwelt, verkörpert vom Orchester, durchsetzt, dabei beeindruckte auch das hervorragende Zusammenspiel zwischen Solist und Orchester. Das Publikum im gut besuchten Konzerthaus spendete anschließend viel Beifall, die Künstler bedankten sich mit zwei Zugaben.