Förderung

Kulturpass und Jugendkulturkarte: So funktioniert es

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Die Berliner „Jugendkulturkarte“ will auch den Besuch in Clubs finanziell ermöglichen.

Die Berliner „Jugendkulturkarte“ will auch den Besuch in Clubs finanziell ermöglichen.

Foto: Sophia Kembowski / dpa

Ein „KulturPass“ und eine „Jugendkulturkarte“ sind verkündet. Wie kommen Jugendliche an das Geld von Bund und Land Berlin?

Sowohl der Bund als auch das Land Berlin wollen junge Leute mit zwei Förderprojekten dazu motivieren, Kulturangebote in ihrem Umfeld zu nutzen. „Wir wollen junge Menschen für die Vielfalt der Kultur in unserem Land begeistern“, sagte Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne). Die Idee des Kultur-Taschengelds ist begrüßenswert und hat eine weitere Stoßrichtung. Der „KulturPass“ soll auch die Kulturbranche unterstützen, die unter den Auswirkungen der Pandemie leidet. Deutschlandweit wird über den Besucherschwund in Kinos oder Konzerten berichtet – und über den Generationswechsel, den Veranstalter seit einiger Zeit beobachten können. Viele ältere Kulturnutzer sind vorsichtiger und sparsamer geworden.

Der „KulturPass“ (200 Euro) des Bundes und die Berliner „Jugendkulturkarte“ (50 Euro) wollen einem jungen Publikum den Zugang schmackhaft machen. Allerdings ist im Moment noch weitgehend unklar, wie und was eigentlich gefördert werden soll. Vielleicht erklärt es, warum bisher das Marketing der politischen Selbstdarstellung besser funktioniert als das Marketing für die kulturelle Neugierde. Jugendliche müssen sich derzeit mit dem Geldversprechen zufriedengeben. Es gibt noch keine funktionierende Homepage mit den konkreten Angeboten.

Die Bundesregierung stellt für ihr Pilotprojekt 100 Millionen Euro zur Verfügung. Ein Foto vom Pressetermin zeigt Kulturstaatsministerin Claudia Roth lächelnd mit Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP). Das Geld soll über den aufgestockten Etat der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) ausgeteilt werden. Demnach verfügen alle Jugendlichen, die im Jahr 2023 18 Jahre alt werden, über ein Guthaben von 200 Euro. Laut Statistischem Bundesamt handelt es sich um rund 750.000 Personen. Ihr Guthaben sollen die Teenager zwei Jahre lang auf einer digitalen Plattform einlösen können. Das Ganze startet aber erst im zweiten Quartal 2023.

Das Modell gibt es bereits in Frankreich, Italien oder Spanien

In Frankreich ist das Modell des „pass culture“ mit 300 Euro für alle 18-Jährigen erfolgreich am Laufen. Staatspräsident Emmanuel Macron bezog sich auf das italienische Vorbild „bonus cultura“ (500 Euro), das auch „Renzi bonus“ genannt wurde, weil ihn der damalige Regierungschef Matteo Renzi eingeführt hatte. Spanien hat das Modell ebenfalls finanziell großzügiger eingeführt. In Frankreich werden bereits die 15- bis 17-Jährigen mit Kulturgeld bedacht. Dieser zweite Schritt der Erweiterung ist für Deutschland angedeutet. Man ist hierzulande vergleichsweise spät dran.

Das Berliner Taschengeld-Projekt wendet sich hingegen an Jugendliche zwischen 18 und 23 Jahren. Die Jugendkulturkarte mit jeweils 50 Euro soll von Anfang Februar bis Ende März für die angesprochenen rund 218.000 Jugendlichen in Berlin gelten. „Kultur soll für möglichst viele Menschen niedrigschwellig erreichbar sein“, sagte Kultursenator Klaus Lederer bei der Vorstellung des zunächst einmaligen Projekts. Acht Millionen Euro stehen dafür bereit.

Nach Registrierung auf www.jugendkulturkarte.berlin soll der Jugendliche seine Karte in einer der rund 40 öffentlichen Bibliotheken abholen können. Derzeit wird die Berliner Webadresse weiter geleitet zur Kulturprojekte Berlin GmbH und deren Selbstdarstellung. Es gibt schnellen Handlungsbedarf, wenn man die Jugendlichen wirklich ernst nimmt. Das betrifft nicht nur die Informationen, sondern auch die ästhetische Präsentation.

Bemerkenswerterweise können mit den 50 Euro beim Besuch der rund 200 beteiligten Kulturinstitutionen, wozu Theater, Opernhäuser, Museen oder Clubs gehören sollen, auch Tickets für Begleitpersonen bezahlt werden. Kultur solle nicht vereinzeln, sondern sei ein soziales Erlebnis, begründete Lederer diese Lösung. Auch Lederer hofft, dass die Jugendlichen „die kulturelle Vielfalt Berlins ganz neu“ entdecken.

Die Erfahrungen aus Frankreich zeigen, dass es mit dieser politisch beschworenen Vielfalt schwierig wird. Rund 80 Prozent der Förderung flossen in den Buchmarkt, vor allem die japanischen Comics erlebten einen ungeahnten Boom im Nachbarland. Großer Gewinner war Eiichiro Odas Manga „One Piece“, in dem die Strohhutbande, eine Gruppe von Piraten, nach dem legendären Schatz „One Piece“ des Piratenkönigs Gol D. Roger alias Gold Roger sucht. Nur rund fünf Prozent der Jugendlichen kauften Kinokarten, weitere fünf Prozent flossen in TV-Abos. Etwa zwei Prozent wurden in Zeichen- und Tanzkurse oder den Kauf eines Instruments investiert.

Auf eine Plattform sollen die Veranstalter ihre Angebote stellen

Über die Angebotsseite muss man in Deutschland also gut nachdenken. Beim „KulturPass“ des Bundes ist vollmundig von einem virtuellen Marktplatz mit eigener Website und App die Rede. „Bei der Umsetzung der Plattform arbeitet die BKM eng mit dem französischen Kulturministerium zusammen“, hieß es am Mittwoch auf Nachfrage. Die operative Umsetzung erfolge durch die Stiftung Digitale Chancen. Auf der Plattform sollen Kulturveranstalter ihre Angebote machen können, wobei die Registrierung auf lokale Kulturanbieter beschränkt bleibt. Online-Versandhändler sind ausgeschlossen.