Film

„Irrlicht“: Tanzende Feuerwehrmänner und ein Prinz

Thomas Abeltshauser
Prinz Alfredo (Mauro Costa, l.) und sein Ausbilder bei der Feuerwehr, Afonso (A. Cabral).

Prinz Alfredo (Mauro Costa, l.) und sein Ausbilder bei der Feuerwehr, Afonso (A. Cabral).

Foto: salzgeber

Das neue Werk des Kultfilmers João Pedro Rodrigues: „Irrlicht“ ist ein charmant-schräges Musical über schwulen Sex und Klimakrise.

Wen Kultregisseur John Waters in die Top-Ten-Liste seiner Lieblingsfilme des Jahres aufnimmt, erhält ein Gütesiegel der etwas anderen Art. Der „Papst des schlechten Geschmacks“ adelt damit das Schillernde, Schräge und Abseitige. Das ist unbedingt als Empfehlung zu verstehen, wie auch João Pedro Rodrigues weiß. Das neue Werk des Portugiesen, „Irrlicht“, ist nach der Weltpremiere in Cannes prompt auf Waters‘ gerade veröffentlichter Bestenliste 2022 gelandet. Gut so.

Es ist das Jahr 2069. Am Sterbebett des alten Regenten Alfredo (Joel Branco) spielt ein kleiner Junge mit einem Feuerwehrauto, bis er hinausgeschickt wird. Bei dem Greis löst das rote Spielzeugauto eine längst verblasst geglaubte Erinnerung an die eigene wilde Jugend aus. Zurück im Jahr 2011 will Alfredo (nun gespielt von Mauro Costa) als royaler Spross nicht seinen monarchischen Pflichten nachkommen, sondern Feuerwehrmann werden.

Der Trailer zum Film: „Irrlicht“

Er setzt sich über seine entsetzte Mutter hinweg und lernt bald nicht nur Waldbrände zu löschen, sondern lässt sich vor allen von seinem sexy Ausbilder Afonso (André Cabral) einheizen. Wie sie übereinander herfallen, ist nichts für schwache Gemüter, aber auch rasend komisch.

Denn der 56-jährige Rodrigues widmet sich nach Melodramen wie „To Die Like A Man“ und „Der Ornithologe“ dem Komödienfach und verzahnt in seinem schrägen Sci-Fi-Musical sexuell aufgeladene Choreographien mit schwuler Selbstfindung, die Klimakatastrophe und Portugals Kolonialvergangenheit. Dabei lässt er inhaltlich und formal scheinbar festgefahrene Verhältnisse tanzen, so auf-und anregend verquer, dass es eine helle Freude ist.

Musical Portugal 2022, 67 min., von João Pedro Rodrigues, mit Mauro Costa, André Cabral, Joel Branc