Film

Dieser „Räuber Hotzenplotz“ will niemandem was Böses

| Lesedauer: 3 Minuten
Eberhard von Elterlein
Versteckt hinterm Steckbrief: Räuber Hotzenplotz (Nicholas Ofczarek).

Versteckt hinterm Steckbrief: Räuber Hotzenplotz (Nicholas Ofczarek).

Foto: Studiocanal

Die dritte Verfilmung der Buchreihe von Otfried Preußler hat großartige Schauspieler, eine schöne Ausstattung – aber auch Schwächen.

„Der Räuber Hotzenplotz“ ist gar kein richtig böser Mann. „Die kleine Hexe“ ist auch gar keine garstige Alte. Und „der kleine Wassermann“ eher ein normaler Junge mit Schwimmhäuten, der nur Abenteuer erleben will und bestraft wird, wenn er mal etwas Unartiges getan hat.

Das Reizvolle an den Figuren in der Kinderbuchwelt von Otfried Preußler ist ja die versteckte Magie, die hinter den scheinbar so typisierten Figuren steckt. Und es müsste der Reiz jeder Verfilmung sein, diese Magie zu wecken und Kinderaugen leuchten zu lassen – gerade an Weihnachten.

Räuber Hotzenplotz geht nur seinem Job nach

Nun, das ist der nunmehr dritten Verfilmung der „Räuber Hotzenplotz“-Bücher insgesamt nur halb gelungen. Ja, es gibt nach dem unvergessenen Gert Fröbe und dem tapsigen Armin Rohde mit dem Österreicher Nicholas Ofczarek einen ganz wunderbaren Räuber, der hinter seinem Zottelbart erstmal ganz garstig der Großmutter (Hedi Kriegeskotte) die geliebte Kaffeemühle stiehlt und in seiner buchstäblichen Räuberhöhle den Seppel (Benedikt Jenke) gefangen nimmt.

Aber er ist eher ein einfacher Arbeiter, der doch nur seinem Job nachgeht und als erster dem Seppel eine Decke gibt, wenn der friert. Eine perfekte Besetzung für den melancholischen Räuber im Preußlerschen Sinne.

„Räuber Hotzenplotz“: Olli Dietrich begeistert als Polizist

Ganz im Sinne des Autors sollte auch die pittoreske Ausstattung des sehr familiengerechten Märchenfilms von Michael Krummenacher sein. Omas Garten, der Wald des Räubers oder das Schloss des bösen Zauberers Petrosilius Zwackelmann (August Diehl) sehen aus, als seien sie frisch aus der Augsburger Puppenkiste geschlüpft.

Überzeugend gerät auch der Auftritt von Olli Dietrich, der mit der Interpretation seines allzu beamtigen Polizisten Alois Dimpfelmoser eine starke Performance liefert. Wie er schluckend darauf wartet, dass der Minutenzeiger der großen Uhr in der Amtsstube endlich feierabendlich auf 17 Uhr rückt – einfach köstlich. Oder wie er seiner Kleidung beraubt, als Busch verkleidet, nackt zurück in die Wache flüchtet – das ist wunderbar.

„Räuber Hotzenplotz“: Große Augen hinter dicken Brillengläsern

Ja, die Schauspieler haben sichtbar Spaß an dieser teilweise übermütigen Märchenplotte – und da beginnt schon das Problem. Denn es wird teils chargiert und overacted, dass die Lederhose kracht. Bei August Diehl – zu seiner großen Freude komplett gegen sein braves Image besetzt – wird der böse Zauberer so zur lauten Zerrfigur mit schlechten Zähnen, spitzem Hut und heftigen Grimassen in Nahaufnahme.

Überhaupt gefällt sich die Kamera gern in optischen Gags, die sich eben ergeben, wenn Menschen in extremen Close-Ups durch Brillen und Lupen schauen, auf dass die Augen furchterregend groß erscheinen. Passend dazu quieken und juchzen Saxofon und Streicher auf der Tonspur, dass es eine wahre Gaudi ist.

Schade, dass hier die Macher nicht auf die Fantasie der Kinder vertrauen, sondern auf vordergründige Effekte setzen. Dabei ist alles für ein großes Filmfest zur Weihnachtszeit bereitet. Ein bekannter Stoff, motivierte Schauspieler, liebevolle Ausstattung. Doch zu viel Albernheit treibt manch Magie aus. Und das Märchen ist gar nicht so märchenhaft

Familienfilm D 2022, 106 min., von Michael Krummenacher, mit Nicholas Ofczarek, Hedi Kriegeskotte, August Diehl, Olli Dittrich