Hauptrolle Berlin

Ginka Steinwachs: „Damals war Berlin ein Schrebergarten“

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Ginka Steinwachs mit Morgenpost-Redakteur Peter Zander im Zoo Palast.

Ginka Steinwachs mit Morgenpost-Redakteur Peter Zander im Zoo Palast.

Foto: Jörg Krauthöfer / FUNKE Foto Services

Ulrike Ottinger konnte ihren Klassiker „Bildnis einer Trinkerin“ leider nicht selber vorstellen. Dafür sprang Ginka Steinwachs ein.

Eigentlich sollte es die Woche von Ulrike Ottinger sein. Am Montag wurde eine Ausstellung mit ihren Fotografien im Einstein Forum eröffnet. Am Dienstag wurde in der Filmreihe „Hauptrolle Berlin“ noch einmal ihr Film „Bildnis einer Trinkerin“ aus dem Jahr 1979 gezeigt.

Und am 8. und 9. Dezember gibt es in der Deutschen Kinemathek das zweitägige Symposion „Metamorphosen“ über das umfangreiche Werk der Filmemacherin und Künstlerin, die im Sommer 80 Jahre alt wurde. Aber dann hat Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht. Am gestrigen Dienstag konnte sie ihren Film deshalb nicht persönlich im Zoo Palast vorstellen.

Eine der letzten noch Lebenden, die an diesem Film beteiligt waren

Dafür sprang Ginka Steinwachs ein, Künstlerin und Autorin der „Schwarzen Botin“, dem damals radikalsten Frauenmagazin der Stadt, die im Film eine kleine Rolle spielt. „Ich hätte mir gewünscht, dass ich hier noch andere begrüßen kann, wie Eddie Constantine“, meint sie, die im Oktober ebenfalls 80 wurde. Aber tatsächlich lebt außer der Regisseurin und ihr kaum noch jemand, der an dem 43 Jahre alten Film beteiligt war. Und Nina Hagen, die hier einen schrillen Gastauftritt hat, war auf die Schnelle nicht nach Berlin zu bewegen.

Mehr zum Thema: So entstand Ulrike Ottingers Berlin-Film „Bildnis einer Trinkerin“

Es sei ewig her, dass sie den Film gesehen habe, gibt Steinwachs zu. Und sie wisse gar nicht mehr, wie groß ihre Rolle war. „Dazu muss ich ihn erst noch mal sehen.“ So viel aber kann sie doch verraten. Irgendwie hat sie Tabea Blumenschein, die Muse der Regisseurin, die auch die Titelpartie spielte, verärgert.

Und die sorgte dann dafür, dass ihre Rolle kleiner wurde. Dennoch mag die Autorin nichts Böses über Blumenschein sagen, mit der sie auch die Lust verband, Mode zu machen: „Ich sehe mich“, sagt sie augenzwinkernd, „als humanoiden Kleiderbügel.“

„Das Berlin von damals kann man sich gar nicht mehr vorstellen“

Mit Ulrike Ottinger verbindet Ginka Steinwachs seither eine lange Freundschaft. Sie war auch die erste, die über „Bildnis einer Trinkerin geschrieben hat. In der „Schwarzen Botin“. Und eine Frage haben wir noch: War Berlin damals wirklich so leer, wie es im Film zu sehen ist, selbst an prominenten Ecken, oder waren die winterlichen Temperaturen daran schuld, dass niemand vor die Tür ging? Nein, meint sie, „das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen. Aber damals war Berlin wirklich ein Schrebergarten.“

Als nächstes wird in der Filmreihe am 3. Januar „Je suis Karl“ gezeigt. Zu Gast ist dann Regisseur Christian Schwochow.