Philharmonie

Philharmoniker begleiten Cellisten aus den eigenen Reihen

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Felix Stephan
Cellist Bruno Delepelaire stammt aus den eigenen Reihen der Berliner Philharmoniker.

Cellist Bruno Delepelaire stammt aus den eigenen Reihen der Berliner Philharmoniker.

Foto: Stephan Rabold

Philharmoniker-Cellist Bruno Delepelaire spielte behutsam eine Konzert des Franzosen Édouard Lalo mit dem eigenen Orchester.

Leichte Kost diesmal bei den Berliner Philharmonikern: die „Karneval“-Ouvertüre von Antonín Dvořák, Ausschnitte aus Tschaikowskys „Schwanensee“-Ballettmusik. Und mittendrin das geschmeidige Cellokonzert des Franzosen Édouard Lalo. So geschmeidig, dass es sehr leicht ins Ohr geht – aber auch sehr leicht wieder heraus. Es ist eine Musik im Konversationston. Altmodisch, nett, unverbindlich. Eine Musik, die keinerlei Fragen offenlässt und sich deshalb gut für die akademische Musikanalyse eignet. Und trotzdem: Das Lalo-Konzert hat seinen Reiz an diesem Abend. Was vor allem an Bruno Delepelaire liegt, dem immer noch jungen Ersten Cellisten der Philharmoniker, der sich hier als Solist zeigt.

Obwohl der Begriff „Solist“ eigentlich gar nicht zutrifft. Denn Delepelaire ist in erster Linie eines: ein nobler, feingliedriger Kammermusiker. Solistische Präsenz und virtuoses Auftrumpfen gehören nicht zu seinen Stärken. Nachhaltig beeindruckend dagegen Delepelaires federleichtes Leggiero-Spiel. Behutsam und liebevoll begleiten ihn seine Philharmoniker-Kollegen. Sie wissen um Delepelaires Qualitäten im Piano und Pianissimo – und verschaffen ihm jene Freiheiten, die er zur Entfaltung braucht. Am ergreifendsten: Delepelaires intim-intensiver Cellogesang zu Beginn des Intermezzo-Mittelsatzes.

Doch nicht nur Delepelaire und die Philharmoniker harmonieren auf berührende Weise. Auch Gastdirigent Tugan Sokhiev hat die volle Zuneigung des Orchesters. Bereits in Dvořáks „Karneval“ op. 92 deutet sich an, dass es ein sehr schöner, angenehmer Abend werden könnte. Spritzig und humorvoll sind die Philharmoniker unterwegs. Ähnlich wie Lalos Cellokonzert ist auch Dvořáks „Karneval“-Konzertouvertüre ein durchgängig freundliches Werk. Selbst die dramatischen Spannungssteigerungen enthalten ein Augenzwinkern. Doch zugleich befindet sich diese Komposition auf viel höherem Niveau, und das in vierfacher Hinsicht: raffiniertere Orchesterfarben, stringentere Form, Melodien, die einem nicht mehr aus dem Kopf gehen wollen. Und nicht zuletzt jene clever zugespitzten Effekte und Affekte, die auf den Opernfuchs Dvořák hinweisen.

Die Tschaikowsky-Affinität des Chefdirigenten wird deutlich

Die Philharmoniker befinden sich im Einklang mit Tugan Sokhiev. Seine Gesten, seine Impulse, sein Timing – alles scheint sich unmittelbar im Orchester widerzuspiegeln. Was auch auf Tschaikowskys „Schwanensee“-Musik nach der Pause zutrifft, eine 50-minütige Auswahl von Sokhiev. Inklusive Intrada-Walzer, Tanz der Schwäne und Czardas. Und natürlich auch inklusive der berühmten Oboen-Melodie mit der fallenden Quinte.

Drei Dinge scheinen bei diesem Tschaikowsky jetzt in besonders glücklicher Weise zusammenzutreffen: der Rückenwind der Philharmoniker nach ihrer jüngsten USA-Tournee. Ihre neu gewonnene Tschaikowsky-Affinität unter Chefdirigent Kirill Petrenko. Und Sokhievs reichhaltige russische Opern- und Balletterfahrung als Leiter des Moskauer Bolschoi-Theater in den vergangenen acht Jahren.