Comedy

Lachen für das Klima: Eckart von Hirschhausen sagt Adieu

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Ulrike Borowczyk
Eckhart von Hirschhausen braucht mehr Zeit für seine Stiftung „Gesunde Erde – Gesunde Menschen“.

Eckhart von Hirschhausen braucht mehr Zeit für seine Stiftung „Gesunde Erde – Gesunde Menschen“.

Foto: Dominik Butzmann

Der Erfinder des „Medizinischen Kabaretts“ tritt noch einmal in Berlin auf, bevor er seine Bühnenkarriere beendet.

Vor über 17 Jahren erzählte Eckart von Hirschhausen bei der Preview seines dritten Programms „Glücksbringer“ im Comedy-Club Kookaburra, dass eines Nachts im Traum ein ganz besonderer Patient in seiner Sprechstunde erschienen sei: das Glück. Es war es ein Häufchen Elend, litt an falscher Ernährung, schweren Depressionen und fühlte sich überflüssig. Im Gegensatz zu seinem natürlichen Feind, der schlechten Laune, die ja bekanntlich alle umgehend von ihrer Existenz in Kenntnis setzt. Erwacht, dachte der Arzt damals nicht lange nach und wechselte von der Praxis auf die Bühne. Beflügelt von der Mission, über das Glück zu sprechen und darüber, wie man es mit ein wenig guter Pflege fest in den Händen halten kann.

Das Solo wurde ein Bühnen-Hit und verlieh Eckart von Hirschhausens ureigenem Genre, dem „Medizinischen Kabarett“, Flügel. Der promovierte Mediziner, Moderator und Kabarettist war in aller Munde. Wenn er nicht selbst auf der Bühne stand, sah man ihn seinerzeit oft mit einem Notebook bewaffnet im Zuschauersaal in Vorstellungen von Kollegen sitzen, deren Auftritte er akribisch studierte. Seine Erkenntnisse hackte er umgehend in die Tasten. Was zeigt: Erstens ist er als Wissenschaftler stets bereit zu lernen und an sich zu arbeiten, um sein Bestmögliches zu geben. Und zweitens widmet er sich Themen, die ihn interessieren, mit größter Intensität.

Der letzte Vorhang wird in Hessen fallen

Genau diese Leidenschaft hat ihn nun veranlasst, nach 35 Jahren Abschied von der Bühne zu nehmen, um mehr Zeit für seine Stiftung „Gesunde Erde – Gesunde Menschen“ und den Klimaschutz zu haben. Natürlich nicht, ohne vorher angemessen mit seinen zahlreichen Fans auf einer Tour zu feiern. In Berlin ist er jetzt am Dienstag und Mittwoch noch einmal live im Tempodrom mit seinem aktuellen sechsten Programm „Endlich“ zu erleben, bevor Ende März kommenden Jahres für ihn im kleinen hessischen Städtchen Dreieich der letzte Vorhang fällt.

Auch, wenn er den letzten Bühnenauftritten mit einem lachenden und einem weinenden Auge entgegensieht, freut sich Eckart von Hirschhausen auf die Vorstellungen. Vor allem in Berlin: „Es war mir wichtig, dass jeder, der kommen möchte und mich noch aus der Scheinbar in Schöneberg kennt, vom Wintergarten, dem Chamäleon oder der Waldbühne, eine Chance hat, dabei zu sein. Wir machen es uns richtig schön. Mein Pianist Christoph Reuter ist dabei, wir singen, machen Quatsch, ich zaubere ein bisschen und viel passiert spontan.“

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Sein Mix aus lakonischem Witz, Wissenschaft, Lach-Therapie und Musik ist live auf der Bühne noch unmittelbarer als in seinen großen Fernsehshows. Man spürt, dass der 55-Jährige diese Events vermissen wird. Um seinen Entschluss hat er hart gerungen. Schließlich sagte er unlängst in einem Interview, dass es keinen Ort für ihn gibt, an dem er sich freier und glücklicher fühlt als auf der Bühne. Die Interaktion mit dem Publikum liegt ihm einfach im Blut. Er gibt denn auch unumwunden zu: „Der Abschied fällt mir überhaupt nicht leicht. Die Entscheidung kam nicht über Nacht, sondern durch eine immer stärkere Verschiebung meines Tuns und meiner Themen. Es klingt so ein bisschen nach Midlife-Crisis, ist es aber nicht. Es ist ja unser aller Krise.

Als einer der bekanntesten Vertreter von „Scientists for Future“ engagiert er sich schon seit langem für eine medizinisch-wissenschaftlich fundierte Klimapolitik. In seiner Heimatstadt Berlin war er erst im Mai Schirmherr und Moderator des „Comedy For Future Festivals“ in der Komödie. Eckart von Hirschhausen weiß: „Keiner kann sich seine eigene Außentemperatur backen, noch nicht mal ein Privatversicherter. Wir können uns auch nicht anpassen, wie manche immer noch glauben. Gegen Viren kann man Impfen, gegen Hitze nicht. Bei 42 Grad Körpertemperatur sind wir tot. Das ist und bleibt so, ein Naturgesetz. Physik gilt auch weiter, wenn man es in der Schule abgewählt hat.“

„Wir haben einen planetaren Notfall“

Der Einsatz für den Klimaschutz kostet allerdings richtig viel Zeit. Genauso wie Bühnenprogramme, deren Termine auf Jahre hinaus geplant sind und die deshalb daran glauben müssen. Aber Eckart von Hirschhausen macht den Fans, die ihn am liebsten live erleben, ein wenig Hoffnung: „Wir haben gerade einen planetaren Notfall. Und da wäre es eine unterlassene Hilfeleistung, sich nicht erstmal um die dringendsten Probleme zu kümmern. Ich weiß nicht, wie lange ich ‚abstinent‘ bleibe. Also, wenn sich die Weltlage etwas stabilisiert, werde ich heimlich Howard Carpendale anrufen und mich schlau machen, wie so ein Comeback funktioniert.“

Von der Bildfläche verschwindet der Humorologe und passionierte Radfahrer aber nicht. Neben „Hirschhausens Quiz des Menschen“, seinen Dokus und „Wissen vor 8 -Erde“ im Ersten, bereitet er gerade ein neues YouTube-Format vor. Außerdem hält er Vorträge, geht zu Kongressen und arbeitet ab sofort noch mehr hinter den Kulissen. Erst einmal geht es aber mit „Endlich“ in die letzte Runde. Selbstredend geht es in dem Programm auch um das Klima, wie Eckart von Hirschhausen verrät: „Ich verbinde die Themen der eigenen Endlichkeit mit der Endlichkeit der Ressourcen von Mutter Erde. Und das macht erstaunlich viel Sinn. Und lustigen Unsinn.“

Der Nonsens ist auch diesmal mit einer Mission verbunden. Der Klima-Rettung: „Wir haben eine Jahrhundertaufgabe vor der Nase, für die wir nicht mal mehr sieben Jahre haben bis zum 1,5-Grad-Ziel und möglichen Kipppunkten. Wir sind in einer historischen Verantwortung. Und wir werden alle gefragt werden von unseren Kindern und Enkeln: Was habt ihr konkret getan? Ich wünsche uns allen, dass wir dann gute Antworten haben!“

Tempodrom, Möckernstr. 10, Kreuzberg, 6. und 7.12. um 20 Uhr, Tickets: Tel. 755 492 560.