Philharmonie

Virtuose Variationen rund um Beethoven

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Mario-Felix Vogt
Der Wiener Starpianist Rudolf Buchbinder.

Der Wiener Starpianist Rudolf Buchbinder.

Foto: Roland Schlager / pa / APA

Mit Diabelli-Variationen von Beethoven bis zur Moderne begeisterte der Wiener Starpianist Rudolf Buchbinder in der Philharmonie.

An Beethovens hochkomplexen „Diabelli-Variationen“ beißen sich bis heute die Pianisten die Zähne aus. Einige Variationen haben den Charakter von Konzertetüden, auch wenn der Begriff zu Beethovens Zeit noch gar nicht existierte, andere wirken grotesk und experimentell, andere zutiefst lyrisch. Mal geht es streng kontrapunktisch zu wie in der Variation Nr. 32, die eine echte Fuge darstellt, mal parodiert Beethoven berühmte Kollegen wie W. A. Mozart in der Variation Nr. 22., wo er die Melodie der Arie des Leporello „Keine Ruh bei Tag und Nacht“ aus der Oper „Don Giovanni“ auf geniale Weise mit dem Diabelli-Thema verquickt.

Anlässlich von Beethovens 250. Geburtstag im Jahr 2020 hat Rudolf Buchbinder ein Doppel-Album veröffentlicht, auf dem er Beethovens Diabelli-Variationen mit einer Auswahl von Variationen kombiniert, die 50 Komponisten der Beethoven-Zeit über dasselbe Thema verfasst haben, unter ihnen der 12-jährige Franz Liszt sowie Franz Schubert. Hinzu kommen elf Variationen von Komponisten des 21. Jahrhunderts wie Max Richter, Lera Auerbach, Toshio Hosokawa, Rodion Schtschedrin, Tan Dun und Jörg Widmann.

Historische Stücke stehen neben modernen Variationen

Es war absolut faszinierend, mit welcher Souveränität Rudolf Buchbinder, der am 1. Dezember seinen 76. Geburtstag feiert, dieses hochkomplexe Programm im Kammermusiksaal der Philharmonie darbot. Man hatte während des Konzerts zu keinem Zeitpunkt den Eindruck, dass seine Konzentration nachlassen würde. Die modernen Variationen spielte er nach Noten, doch die historischen Stücke trug er komplett auswendig vor. Sicher und klar erklangen die Staccato-Oktaven in Beethovens Variation Nr. 10, sehr brillant die Läufe in der Variation Nr. 23. Neben der phänomenalen Brillanz überzeugte auch seine absolut natürliche Musizierweise.

Außerhalb von Beethovens genialem Zyklus waren nicht alle Werke gleichermaßen überzeugend. So wirkten etwa die Variationen einiger Beethoven-Zeitgenossen wie Johann Nepomuk Hummel oder Friedrich Kalkbrenner bisweilen etwas oberflächlich in ihrer klingelnden Virtuosität, und auch die modernen Stücke waren nicht alle uneingeschränkt als Meisterwerke zu bezeichnen. Doch es gab immer wieder Highlights, etwa die zwischen draufgängerisch-perkussivem Schwung und Innerlichkeit wechselnde Variation des Australiers Brett Dean oder die herzergreifende Schubert-Variation. Als Zugabe brachte Buchbinder mit einer Johann-Strauss-Paraphrase des Wiener Komponisten Alfred Grünfeld nochmals echte Walzer-Seligkeit in den leider kaum zur Hälfte gefüllten Kammermusiksaal der Philharmonie.