Film

Drei Teenager, der Islam und das Kopftuch: „Sonne“

Eberhard von Elterlein
Mit und ohne Kopftuch (v.l.): Yesmin (Melina Benli), Bella (Law Wallner) und Nati (Maya Wopienka) singen auf einer Hochzeit.

Mit und ohne Kopftuch (v.l.): Yesmin (Melina Benli), Bella (Law Wallner) und Nati (Maya Wopienka) singen auf einer Hochzeit.

Foto: Neue Visionen

Drei Mädchen aus Österreich drehen mit Kopftuch ein Video. Als es viral geht, gibt es Ärger. Warum der Film so bemerkenswert ist.

Es sieht alles so entspannt aus. So cool. So hip. So TikTok. So Instagram. Drei Teenager singen „Losing my religion“. Sie verfremden dabei ihr Gesicht, wackeln mit dem Po, lachen und juxen. Ist aber kein Jux.

„Sonne“: Zwei Mädchen gehen in den Irak

Weil sie dabei Kopftuch tragen und den Hijab der Mutter von Yesmin (Melina Benli), die einzige Muslima im Trio. „Den trage ich beim Gebet“, schimpft deren Mama. Das Video geht viral und spaltet fortan Yesmins kurdisch-irakische Familie.

Die Mama ist besorgt, der Papa lebt auf. Er kutschiert Yesmin und ihre Freundinnen Bella (Law Wallner) und Nati (Maya Wopienka) auf diverse Feste zum Vorsingen – wo Bella und Nati zwei junge Kurden kennenlernen. Fasziniert von deren Aura folgen sie ihnen in den Irak, während Yesmin zuhause ihre Kultur hinterfragt.

„Sonne“: Produzent ist Ulrich Seidl

„Sonne“ ist sichtbar eine Produktion des großen Österreichers Ulrich Seidl („Hundstage“), dessen Fähigkeit, Menschen in der Wechselwirkung mit ihrer meist sehr speziellen Umgebung zu beobachten, auch den Debütfilm der Irakerin Kurdwin Ayub bestimmt. Die 32-Jährige kennt dabei die kulturellen Hintergründe und Ausdrucksmöglichkeiten der drei jungen Frauen, was dem Film eine große Authentizität verleiht.

Videoschnipsel und Whatsapp-Nachrichten geben den Rhythmus der losen Handlung vor, die somit die Zerrissenheit der Teenager zwischen Freunden und Familie, Schule und Social Media, Selbstwahrnehmung und kultureller Identität widerspiegelt. Ein Sozialdrama als Coming-Of-Age-Film – bemerkenswert.