Admiralspalast

Bono im Admiralspalast: Eine schillernde Show

| Lesedauer: 3 Minuten
Ulrike Borowczyk
Bono kann auch ohne U2 – und das ziemlich gut

Bono kann auch ohne U2 – und das ziemlich gut

Foto: Ross Andrew Stuart / Promo

Mit seiner Show zeigt Bono abseits von U2, dass er offenbar das typisch irische Geschichtenerzähler-Gen geerbt hat.

Bei den Treffen zwischen Weltstar Bono und seinem Vater, dem Tenor Brendan Robert Hewson, prallten stets zwei Generationen mit unterschiedlichem Naturell aufeinander, die sich gern ineinander verhakten. Der Senior wollte nichts von Bonos Rock’n’Roll-Leben hören, sondern etwas von den Enkelkindern und Schwiegertochter Ali. Der Sohn hingegen wollte seinen Vater so unendlich gern beeindrucken, dass er ihm stattdessen von Luciano Pavarottis Anruf erzählte. Der Vater mochte es kaum glauben, dass der berühmteste aller Sänger ausgerechnet seinen Sohn kannte. Er fragte deshalb, was Pavarotti von einem Bariton wolle, der glaubt, er sei ein Tenor.

Witzig und scharf geht es zuweilen zu in Bonos „Stories of Surrender“. Seiner One-Man-Show nach seiner Autobiographie „Surrender: 40 Songs, eine Geschichte“ (Droemer Verlag, 696 Seiten, 32 Euro). Wer einen Blick in die Memoiren geworfen hat, der weiß, dass die Kapitel nach U2-Songs benannt sind. Kennt man den 62-Jährigen doch als Sänger und Frontmann der größten Rockband unserer Zeit. Bono ist aber noch weitaus mehr. Er ist Aktivist, Sohn, Ehemann, Freund. Auch davon schreibt er in seinem Buch. Wobei sich zeigt, dass der 62-jährige Dubliner offenbar das typisch irische Geschichtenerzähler-Gen geerbt hat. Im bis auf den letzten Platz ausverkauften Admiralspalast schlägt er die Zuschauer damit binnen Sekunden in den Bann.

Das Publikum hängt Bono an den Lippen

Aber er versteht es natürlich auch, einen echten Superstar-Auftritt hinzulegen. Ein bisschen an der Lichtstimmung gefrickelt und den Sound bombastisch aufgedreht, erscheint er unter stürmischem Applaus mitsamt Standing Ovations und performt erst einmal zwei Songs als Warm-up. Begleitet von Jacknife Lee an Perkussion und Elektronik, Kate Ellis an Cello und Keyboard sowie Gemma Doherty an der Harfe und am Keyboard, gibt Bono den Songs von Beginn an einen völlig neuen Klang, der ungeheuer intensiv ist, aber nicht im Entferntesten an U2 erinnert. Und nachdem sich die Aufregung um seinen Solo-Auftritt ein wenig gelegt hat, hängt ihm das Publikum an den Lippen.

Bebildert mit Zeichnungen aus seiner Feder, startet Bono mit der dramatischen Geschichte seines „exzentrischen Herzens“, die ihn 2016 fast das Leben gekostet hätte als beinahe eine Blase an seiner Aorta geplatzt wäre. Ein am Rang befestigter Teleprompter erlaubt es ihm textlich zu spicken. Aber er beweist in der Regie von Willie Williams auch sensationelle schauspielerischer Qualitäten. Dass er ein leidenschaftliches Bühnentier ist, weiß man von den Konzerten. Jetzt wird Bono persönlich. Spricht über seine Frau Ali, den Tod seiner Mutter Iris, als er gerade mal 14 Jahre alt war, die Anfänge von U2. Und immer wieder über das komplizierte Verhältnis zu seinem Vater.

Anrührend und augenzwinkernd zugleich, schlägt er dabei einen Bogen bis zur Gegenwart. Die schillernde Show eines Ausnahmemusikers, der selbstredend auch mit seinen Songs punktet. Bei den Stadionhymnen wie „With Or Without You“, „Sunday Bloody Sunday“ oder „Where the Streets have no Name“ sorgt Bono mit seiner einzigartigen Stimme für Gänsehautatmosphäre. Danach ist der Jubel so grenzenlos, als wäre man tatsächlich in einer riesigen Arena.