Film

Disneys „Strange Word“: Von Zellen und Zotten

| Lesedauer: 3 Minuten
Bedrohlich oder freundlich? Das Expeditionsteam in der seltsamen Welt.

Bedrohlich oder freundlich? Das Expeditionsteam in der seltsamen Welt.

Foto: Disney

Die Rettung der Welt als Abenteuerreise ins Organische: Warum der neue Disney-Animationsfilm ein großer Spaß ist.

Das Vielvölkerreich der Traumfabrik Hollywood ist bevölkert von nichtmenschlichen Kreaturen, die sich unverständlich ausdrücken und gerade deshalb besonders putzig sind. Ein früher Ahnherr ist der Astromech-Droide R2-D2 aus George Lucas’ „Star-Wars-Saga“ (1977ff.), der emsig allerlei Gerät repariert und dabei nur Pfeif- und Pieptöne von sich gibt. In der 1001-Nacht-Verfilmung „Aladdin“ (1992) war es der Fliegende Teppich, der bei aller Schweigsamkeit eine erstaunliche Charaktertiefe gewann. Und hier in Disneys diesjährigem Weihnachtsanimationsfilm mit dem Titel „Strange World“: da ist es Splat, und Splat ist – ja was eigentlich?

Man kann das lautmalerische Wort am besten mit „platsch“ übersetzen, und das führt schon auf die richtige Fährte. Splat ist eine Art Wassertropfen mit Eigenleben, irgendwie erinnert er aber auch an eine Körperzelle. Ohne Augen, Gesicht und Mund ausgestattet, kann er Ohrfeigen verteilen und dabei süße Laute von sich geben, aber grundsätzlich erscheint er hilfsbereit und gutmütig. Aber was ist das eigentlich für eine seltsame Welt, durch die er sich hier bewegt und die dem Film seinen Titel gibt?

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Seine Hauptakteure sind ja nicht ganz freiwillig hier. Eigentlich leben sie in Avalonia, einem Dorf, das von unüberwindlich erscheinenden Bergen umgeben ist. Was sich hinter ihnen verbirgt, war die Lebensfrage von Jaeger Clade, der vor Jahrzehnten auf einer Forschungsexpedition verschwand. Sein Sohn, der ebenfalls knollennasige Searcher Clade, kehrte von ihr mit einer besonderen Pflanze namens Pando zurück, deren hochenergetische Eigenschaften Avalonia in eine grüne Zukunft geführt haben.

Nun lebt er zusammen mit seinem Sohn Ethan und seiner Frau Meridian auf einer Pando-Farm, wo die grünlich leuchtenden Früchte des Gewächses geerntet werden, damit sie zum Betrieb von Toastern, Flugzeugen und anderem Gerät genutzt werden können. Es könnte eigentlich immer so weitergehen, außer falls nicht.

Die Wunderpflanze leidet an einer Krankheit

Denn eines Tages kommt die Präsidentin des Gemeinwesens vorbei, Callisto Mal, die das erkennbar auf sexuelle und ethnische Diversität hin zusammengestellte Figurenensemble um einen weiblichen Native American erweitert. Es breite sich eine unbekannte Pflanzenkrankheit aus, die Energieversorgung Avalones sei in Gefahr. Man müsse den Pando-Wurzeln zu ihrem vitalen Zentrum folgen, um die Ursache dafür finden und beseitigen zu können.

So beginnt eine Reise ins Innere der Welt, für die Jules Verne ebenso Pate gestanden hat wie die amerikanische Comictradition mit ihren Phantasmen vom Über- und Unterirdischen. Der Expeditionstrip stößt in eine Welt vor, in der alles in Rosa- und Magentatönen leuchtet und eine zelluläre, hochdiverse Population ein unverständliches Eigenleben führt: Pulsierende, rochenartige Wesen fliegen in Schwärmen durch die Luft, leuchtende Kleinstlebewesen basteln an Wäldern, die wie aus Darmzotten gebaut scheinen, und plötzlich auftauchende Fressmonster stiften ständige Gefahr. Mit dieser Welt hat es etwas auf sich, das mit der Pointe dieses Films zu tun hat. Visuell überwältigend, witzig, schön und sehenswert, nicht nur für Kinder.

Animationsfilm USA 2022, 102 min., von Don Hall und Qui Nguyen