Film

„Hallelujah“: Ein Lied geht um die Welt

| Lesedauer: 2 Minuten
Peter E. Müller
Ein Mann und seine Gitarre: Leonard Cohen.

Ein Mann und seine Gitarre: Leonard Cohen.

Foto: PROKINO

Eine Doku beleuchtet das Leben eines Künstlers am Beispiel seines größten Songs: „Hallelujah – Leonard Cohen, A Journey, A Song“.

Etliche Dokumentarfilmer versuchten sich, dem kanadischen Dichter und Songschreiber Leonard Cohen biographisch zu nähern. Doch noch nie hat das so gut funktioniert wie in dieser akribisch recherchierten Fleißarbeit von Dayna Goldfine und Dan Geller, die bei uns am 17. November, dem 6. Todestag des Musikers, in die Kinos kommt.

„Hallelujah“: Parallelen zwischen seinem Leben - und seinem Song

Dabei mutet „Hallelujah – Leonard Cohen, A Journey, A Song“ durch seine vermeintlich monothematische Herangehensweise zunächst ziemlich gewagt an. Doch Goldfine und Geller schaffen es, am Beispiel des phänomenalen Cohen-Songs „Hallelujah“ das Bild eines so grüblerischen wie lebensbejahenden Poeten zu vermitteln, bei dem sich immer wieder Parallelen zwischen seinem Leben und seinem Song auftun.

„Hallelujah“ gehört zu den meistgecoverten Liedern der Popgeschichte. Mehr als 300 Versionen gibt es, darunter von Bob Dylan, John Cale, Jeff Buckley, Rufus Wainwright oder k. d. lang. Inspiriert durch das 2012 erschienene Buch „The Holy And The Broken“, in dem der Musikjournalist Alan Light die Geschichte hinter dem Song ausleuchtete, stiegen die Filmemacher in die Archive und erhielten erstmals Zugang zu den Notizbüchern Cohens. Allein fünf davon sind angefüllt mit mehr als 150 Ideen und Strophen für „Hallelujah“. Mehr als fünf Jahre hat Cohen an dem Lied gearbeitet.

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Trailer zu „Hallelujah: Leonard Cohen, A Journey, A song“

Doch als er es 1984 für sein Album „Various Positions“ endlich aufgenommen hatte, lehnte der Chef seiner Plattenfirma Columbia, Walter Yetnikoff, eine Veröffentlichung ab. So erschien „Hallelujah“ nahezu unbemerkt auf einem kleinen lokalen Plattenlabel. Ironie der Geschichte: Jahre später landete „Hallelujah“ in einer Fassung von John Cale im Animationsfilm „Shrek“ – und wurde ein weltweiter Hit. Ein wehmütiges Gebet, das auf Beerdigungen ebenso gesungen wird wie auf Hochzeiten oder Gesangswettbewerben.

Wegbegleiter und Zeitzeugen kommen zu Wort. Wie der New Yorker Rockjournalist Larry „Ratso“ Sloman, der über die Jahre ein enges Verhältnis zu Cohen aufbauen konnte. Oder Sängerin Judy Collins, die Cohen den Weg auf die Bühne geebnet hatte.

John Lissauer, Cohens Produzent und Arrangeur, ist noch heute die Fassungslosigkeit über die brüske Ablehnung des „Various Positions“-Albums anzusehen. Mit einer Szene von Cohens letztem Auftritt vom 21. Dezember 2013 beginnt diese außergewöhnliche Doku. Er sinkt auf die Knie. Und singt „Hallelujah“. Ein Lied für die Ewigkeit.

Dokumentarfilm USA 2021, 118 min., von Daniel Geller und Dayna Goldfine, mit Leonard Cohen, Bob Dylan, Jeff Buckley