Ausstellung

Lucia Moholy: Das Bröhan-Museum ehrt eine große Fotografin

| Lesedauer: 3 Minuten
Ulrike Borowczyk
Ein Blick in die Ausstellungsräume im Bröhan-Museum.

Ein Blick in die Ausstellungsräume im Bröhan-Museum.

Foto: Ulrike Borowczyk / .

Sie war weit mehr als eine Bauhaus-Dokumentaristin: Das Bröhan-Museum präsentiert Lucia Moholy als wegweisende Künstlerin.

Geradezu himmelstürmend wirkt Lucia Moholys Foto mit dem sachlichen Titel „Bauhaus Dessau Werkstattflügel von Südwesten“. Es zeigt die berühmte Glasfassade von Walter Gropius Gebäude futuristisch in extremer Schrägsicht. 1926 war diese Transparenz eine Sensation. Doch ohne die ikonischen Fotos, mit denen Lucia Moholy das Gebäude aus allen Blickwinkeln abgelichtet hat, wäre die weltweite Resonanz deutlich verhaltener ausgefallen. Sie hat das Bauhaus mit ihren Bildern erst sichtbar gemacht.

Lucia Moholy: Warum war sie so unbekannt?

Lucia Moholy (1894-1989) ist eine der wichtigsten Fotografinnen der Moderne und Fotografiegeschichte überhaupt, aber zugleich eine der unbekanntesten. Der Frage nach dem Warum geht die neue Ausstellung „Lucia Moholy – Das Bild der Moderne“ im Bröhan-Museum nach, die von Tobias Hoffmann, dem Direktor des Bröhan-Museums, sowie Fabian Reifferscheidt und Thomas Derda kuratiert wurde.

Zuvorderst zeigt die Schau, mit der hohen Qualität der rund 100 Arbeiten, dass die gebürtige Pragerin keine Dokumentaristin des Bauhauses war, sondern eine Künstlerin und vorzügliche Vertreterin des Neuen Sehens. Sie hat ihre Bilder inszeniert, verstärkt dadurch die Wirkung der Objekte. Besonders deutlich zu erkennen auf den Fotos von Marcel Breuers Stahlrohrsessel und Hocker. Moholy spielt dabei mit Linien, Schatten, geometrischen Figuren und der Perspektive.

Mit ihrem Mann, dem Künstler und Bauhaus-Meister Lásló Moholy-Nagy, mit dem sie von 1921 bis 1928 verheiratet war und laut eigenem Bekunden eine „symbiotische Arbeitsgemeinschaft“ bildete, hat sie eine konstruktivistische Formelsprache in der Fotografie entwickelt. Als sie mit ihm 1923 zum Bauhaus nach Weimar kam, erkannte Walter Gropius sofort den Wert ihres fotografischen Talents. Und hat es genutzt, ohne sie anzustellen oder zu zahlen. Wie auch ihr Mann, der ihren Namen dabei gern verschwieg. Offenbar war es für die männlichen Bauhaus-Protagonisten genug, Lucia Moholy Motive zu liefern, sie zu fördern und mehr oder minder anonym zu publizieren.

Die Ausstellung zeigt, wie sehr das Bauhaus bis heute von den Fotografien profitiert hat. Weil die Vintageabzüge und ihre vielfachen Reproduktionen eher klein sind, hat Gestalterin Katleen Arthen die Ausstellung mit großgezogenen Aufnahmen rhythmisiert, so dass ein steter Wechsel beim Betrachten stattfindet. Ergänzt werden die Schwarzweiß-Fotos durch Objekte wie Wilhelm Wagenfelds legendäre Tischleuchten und zahlreiche Publikationen aus den 1920er und 1930er Jahren. Wobei wiederum auffällt, dass Moholys Fotos darin meist ohne Namensnennung abgebildet wurden. Später verschwindet ihr Name sogar ganz.

Walter Gropius nutzte ihre Fotos eifrig

Immensen Anteil daran hatte László Moholy-Nagy, vor allem aber Walter Gropius, der eine besonders unrühmliche Rolle gespielt hat, wie der letzte Raum der Schau erzählt. Als die Jüdin Lucia Moholy 1933 vor den Nazis nach London floh, übergab sie eine Kiste mit Glasnegativen ihrem Ex-Mann zur Verwahrung. Der wiederum überließ die Kiste Walter Gropius. In die USA emigriert, nutzte der Architekt eifrig Moholys Fotos. Erklärte ihr auf Nachfrage herablassend, er brauche die Bilder noch und werden sie danach einem Museum überlassen. Erst durch einen Rechtsstreit erhielt Lucia Moholy ihre Glasnegative Ende der Fünfziger zurück. Doch 330 der 560 fehlen bis heute.

Bröhan-Museum, Schloßstr. 1a, Charlottenburg, Tel. 32 69 06 00, bis 22.1.23, Di.-So. 10-18 Uhr, Info unter www.broehan-museum.de