Musical

Ein neues Musical für Berlin: „Romeo und Julia“ am TdW

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Die Sönger Yasmina Hempel, Nico Went und Paul Paul Csitkovics  (vorne, v.l) singen das erste brandneue Lied aus „Romeo & Julia“.

Die Sönger Yasmina Hempel, Nico Went und Paul Paul Csitkovics (vorne, v.l) singen das erste brandneue Lied aus „Romeo & Julia“.

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Services

Nach ihrem Hit „Ku’damm 56“ schreiben Peter Plate und Ulf Leo Sommer ein weiteres Musical: „Romeo und Julia“. Premiere ist am 19. März

Berlin, heißt es immer, sei keine Musical-Stadt. Aber dann startete am 28. November 2021 „Ku’damm 56“ im Theater des Westens (TdW) – und lehrte uns das Gegenteil. Ein mitreißender Mega-Erfolg, der auch noch in der eigenen Stadt spielt. Und ein absoluter Publikumsmagnet. 200.000 Zuschauer haben die Produktion bereits gesehen, für den Deutschen Musical-Theaterpreis ist sie gleich sieben Mal nominiert. Und die Laufzeit wurde schon zwei Mal verlängert, erst bis September 2022, jetzt bis zum 19. Februar 2023.

Aber auch danach wird es hier mit einem Musical weitergehen. Am 19. März soll „Romeo und Julia – Liebe ist alles“ Premiere feiern. Das Stück stammt von denselben Machern wie „Ku’damm 56“ – Peter Plate und Ulf Leo Sommer.

BMG will sich auch in den kommenden Jahre an dieser Bühne engagieren

Damit ist auch klar, wie es mit dem Musicalhaus an der Kantstraße weitergeht. Denn Stage Entertainment legt zwar Wert darauf, dass das Haus weiter Stage Theater des Westens genannt werden soll. Aber nachdem die Stage Entertainment schon das Musical-Theater am Potsdamer Platz aufgegeben hat, hatte sie dann signalisiert, dass sie auch das TdW nicht weiter bespielen wolle.

Die Komödie am Kurfürstendamm, die zum Jahresende ihre Übergangsspielstätte Schiller Theater räumen muss, hatte schon gehofft, hier ein neues Zwischendomizil zu finden. Aber bald war klar: Bertelsmann zahlt mehr. Deren Tochterfirma BMG hat schon „Ku’damm 56“ verantwortet - und produziert nun auch den Nachfolger „Romeo und Julia“.

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Das erfolgreiche Komponistengespann, das einst mit Rosenstolz bekannt wurde und später auch die Songs zu den „Bibi & Tina“-Filmen schrieb, gab am gestrigen Donnerstag im TdW, noch in den Kulissen ihres derzeitigen Musical-Erfolgs, schon mal erste Einblicke in das neue Stück. Auch wenn es das noch gar nicht gibt. „Wir schreiben ja noch“, erklärt Peter Plate. Und verspricht dennoch: „Es wird krachen.“ Wahrlich, sie kleckern nicht, sie klotzen. Und wagen sich gleich an die berühmteste Liebesgeschichte aller Zeiten.

Peter Plate: „Die längste Schwangerschaft, die wir je hatten“

Sie tun dies freilich nicht zum ersten Mal. 2014 hatte Daniel Karasek, der Sohn von Hellmuth Karasek, das Shakespeare-Stück für ein Open-Air-Event in der Kieler Förde neu übersetzt. Und bei Plate und Sommer drei Songs angefragt. Wie das aber auch schon bei ihren „Bibi & Tina“-Soundtracks war, entstanden am Ende viel mehr Songs. Die im selben Jahr auch noch auf einem Album erschienen. Damals ist überhaupt erst ihre Liebe zum Musical erweckt worden.

„Romeo und Julia – Liebe ist alles“ ist aber keine Zweitverwertung. Im Gegenteil. Nur ein einziges Lied von damals wird übernommen. „Das war die längste Schwangerschaft, die wir je hatten“, lacht Ulf Leo Sommer, „und Peter trägt es aus.“ Ein zweites Lied wird so manchem aber auch bekannt vorkommen. Und das ist kein Zufall: „Liebe ist alles“ war einst ein Hit von Rosastolz, dem Pop-Duo, das aus Anna R. und Peter Plate bestand und für das Sommer als dritte Kraft im Hintergrund mitschrieb.

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Dass ein alter Rosenstolz-Titel nun ins Musical übernommen werde, mag zwar manche polarisieren, gibt Sommer zu, „aber er passt wunderschön.“ Und verleiht der tragischen Liebesgeschichte sogar den Untertitel. Und um Liebe, Sex und Tod ging es ja auch schon bei Rosenstolz immer, meint Kim Fischer, die die Pressekonferenz moderiert. Inzwischen bespielen die Rosenstolz-Komponisten zwar andere Formate, aber hier doch dieselben Themen.

Ihre „Romeo und Julia“-Version wird keine radikale Modernisierung à la „West Side Story“. „Unsere Romeo und Julia tragen keine Jeans“, stellt Plate klar. Man orientiere sich ganz an Shakespeare und im Kostümbild auch ans elisabethanische Zeitalter. Und verwende auch keine Neuübersetzung, sondern die alten Schlegel’schen Knittelverse. „Wann immer sie sprechen“, so Plate, „ist es Schlegel, wenn sie singen, sind es wir.“

Auch ein Rosenstolz-Hit kommt ins Musical - und wird zum Leitmotiv

Und wie sich das anhört, davon gibt es auch gleich ein paar erste Kostproben. Und dafür werden auch die Hauptdarsteller vorgestellt. Für ihr Liebespaar haben sich Plate und Sommer aus Tausenden von Bewerbungen für die Berlinerin Yasmina Hempel entschieden, die lange Mitglied des Jungen Ensembles im Friedrichstadtpalast war, und für den 27-jährigen Paul Paul Csitkovics, der in Wien schon in „Jesus Christ Superstar“ und „Into The Woods“ zu sehen war.

Die beiden haben sich erst einen Tag zuvor das erste Mal getroffen, nun singen sie „Dann falle ich“, den einzigen Song, der aus dem Musical von 2014 übernommen wurde. Und dann den Rosenstolz-Klassiker „Liebe ist alles“.

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Dann wird auch der Darsteller des Mercutio vorgestellt. Es ist ein guter Bekannter: Nico Went, der derzeit in „Ku’damm 56“ den Freddy spielt. Und den brandneuen Song „Es lebe der Tod“ singt. Und es gibt noch eine Überraschung. Da Peter Plate und Ulf Leo Sommer immer für den schwulen, früh an Aids gestorbenen Klaus Nomi schwärmen, wird es in der Produktion auch einen Countertenor geben: Nils Wanderer, der einen Todesengel spielt und damit noch ganz andere musikalische Akzente setzt.

Überraschung: Es soll auch noch ein drittes Musical geben

Auch er darf eine Kostprobe singen. Und es ist eine Freude, Sommer und Plate dabei zu beobachten, wie sie zuschauen und mitgehen, als ihre Interpreten ihre Songs singen. Ja, das kann was werden, das versprechen diese ersten Kostproben. Auch wenn die restlichen Nummern erst noch geschrieben werden müssen und erst Ende Januar die offiziellen Proben beginnen. Wer es gar nicht erst abwarten will, kann auch jetzt schon Tickets bestellen: Der Vorverkauf hat mit der Pressekonferenz begonnen.

Berlin keine Musical-Stadt? Die Stage mag sich zurückziehen. Die BMG aber nicht, wie deren Geschäftsführerin Dominique Casimir bei dieser Gelegenheit bekannt gibt. Die BMG will auch weiter das Theater des Westens bespielen, auch mit Artists in Residence, die Konzerte oder Shows nicht nur einmal, sondern für längere Zeit geben. Und wird es auch ein weiteres Musical geben? Da ist erst mal großes Schweigen auf der Bühne. Aber dann gibt Leo Sommer zu: „Ja, ein zweites Kind, das ist schon angedacht.“ Peter Plate entgegnet trocken: „Das trägst dann du aus!“