Film

Ein bezauberndes arabisches Queer-Musical

Thomas Abeltshauser
Ein sinnlicher Bilderrausch, der in eine Fantasiewelt entführt.

Ein sinnlicher Bilderrausch, der in eine Fantasiewelt entführt.

Foto: salzgeber

Moderne schwule Scheherazade des ägyptischen Filmemachers Mohammed Shawky Hassan: „Soll ich dich einem Sommertag vergleichen“

Es war einmal: Wie Geschichten aus 1001 Nacht fabuliert der in Berlin lebende ägyptische Filmemacher und Videokünstler Mohammad Shawky Hassan sein bezauberndes arabisches Queer-Musical. Hier erobert aber kein Prinz eine holde Schöne. Hier geht es um schwules Begehren, Online-Dates und Liebe zu dritt. Inspiriert vom eigenen Liebestagebuch, lässt Hassan eine moderne Scheherazade aus dem amourösen Leben eines jungen Mannes erzählen.

Wegen seines Schwulseins vom eigenen Vater verstoßen, lässt sich der namenlose Held treiben, hat kurze, aber intensive Begegnungen mit anderen Männern. Collageartig erkundet der Film die ewigen Fragen um Liebeskummer und Hingabe, Eifersucht und dem oft widersprüchlichen Sehnen nach Freiheit, Intimität und Zugehörigkeit.

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Trailer zum Film „Soll ich dich einem Sommertag vergleichen“

Märchenhaft ergibt sich so ein multimediales Netz aus Gedichten und Liedern, arabischen Volkssagen und interviewartigen Szenen, das uns in eine polyamouröse Fantasiewelt entführt und zugleich die Lebenswirklichkeit arabischer Homosexueller abseits gängiger Klischees reflektiert. Und klassische Lyrik, ägyptische Popsongs und männliches Verlangen vereinigen sich zu einem sinnlichen Bilderrausch und wundervoll queerem Camp.

Viel zu kurz ist die Reise in dieses Zwischenreich, in dem Gegenwart und Vergangenheit, Realität und Traum verschwimmen. Am Ende der schwelgerischen Märchenstunde hat die Sehnsucht längst das Publikum selbst ergriffen.

Experimentalfilm Ägypten/Libanon/Deutschland 2022, 66 min., von Mohammad Shawky Hassan, mit Donia Massoud, Ahmed El Gendy, Salim Mrad