Lesung

Ein Dichter in neuer Dimension: Das Rilke-Projekt

| Lesedauer: 2 Minuten
Ulrike Borowczyk
Dietmar Bär trug Rainer Marias Verse über die Schweizer Landschaft vor.

Dietmar Bär trug Rainer Marias Verse über die Schweizer Landschaft vor.

Foto: Adam Berry

Dietmar Bär, Ralf Bauer und Nina Hoger verneigen sich in der Universität der Künste vor dem großen Lyriker.

Mit Rainer Maria Rilke verbindet man vor allem wehmütige Verse. Doch der große Dichter versteht sich auch blendend auf Ironie, wie Dietmar Bär beweist. Mit äußerst süffisanten Zeilen über die Natur in der Schweiz, die Rilke für übertrieben hält. Zu idyllisch, zu malerisch. Und überhaupt viel zu viele Berge. Ralf Bauer und Nina Hoger tauchen indes mit dem Gedicht „O gäbs doch Sterne“ in Rilkes lyrische Anfänge ein. Melancholische Romantik. Durch die Interpretation der Schauspieler ahnt man den unendlichen Weltschmerz, der darunter liegt. Was durch Musik noch verstärkt wird.

Das Rilke Projekt hat auf seiner Tour „Das ist die Sehnsucht“ nach über zwei Jahren wieder Station in Berlin gemacht. Die drei Schauspiel-Stars und die Rilke-Projekt-Live-Band katapultieren die Sprachkunst des Dichters dabei in eine andere Dimension. Schriften über die Musikalität von Rainer Maria Rilke (1875-1926) füllen Bände. Wie sich der wohl bedeutendste deutsche Lyriker des 20. Jahrhunderts anhört, konnte man bei der Performance erleben.

Wenn man das Glück hatte, ein Ticket zu erwischen. Denn offenbar hat die Universität der Künste von ihrem Hausrecht Gebrauch gemacht und die Anzahl der Plätze im Konzertsaal drastisch reduziert. Fraglich, wer damit im dritten Jahr der Pandemie geschützt werden soll. Für die Kultur ein Schlag ins Kontor. Nicht nur für den Veranstalter, auch für die Zuschauer unerfreulich. Schon vor Beginn häufen sich Beschwerden von Leuten, die nicht verstehen, warum sie nicht zusammensitzen dürfen. Die UdK hat nämlich beschlossen, das Publikum im Schachbrettmuster zu platzieren.

Vom Chanson bis zum Rock: Rilkes Musikalität wird gefeiert

Obwohl der Abend mindestens unrentabel gewesen sein dürfte, haben die Künstler dennoch nicht abgesagt, sondern ihr „Rilke Projekt“ auf wunderbare Weise zelebriert. Die Musik aus der Feder von Angelika Fleer und Richard Schönherz ist dabei so unterschiedliche wie die Texte. Mal Rock, mal Pop, mal Chanson. Immer aber beflügeln die Melodien die Fantasie. Wie die passgenauen Lichtstimmungen. Dietmar Bärs „Lied vom Meer“ schillert etwa in blaugrünen Wasserfarben. Eine grandiose Show. Im nächsten Jahr hoffentlich vor großem Publikum.