Jüdische Kulturtage

Mit Beethoven in einer Berliner Synagoge

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Mario-Felix Vogt
Geiger Guy Braunstein bei den Jüdischen Kulturtagen in der Synagoge Rykestraße.

Geiger Guy Braunstein bei den Jüdischen Kulturtagen in der Synagoge Rykestraße.

Foto: Boaz Arad

Temperamentvoll präsentierte sich Guy Braunstein als Geiger und Dirigent mit dem Konzerthausorchester bei den Jüdischen Kulturtagen.

Beethovens Violinkonzert dürfte er oft genug begleitet haben, am Sonnabend bot Guy Braunstein, der frühere Konzertmeister der Philharmoniker, den Solopart bei den Jüdischen Kulturtagen in der Synagoge Rykestraße dar, dabei war das Konzerthausorchester sein Partner. Weitere Werke des Abends waren Mendelssohns „Schottische Sinfonie“ sowie das einsätzige Orchesterstück „Portrait“ der israelischen Komponistin und Flötistin Gili Schwarzman, das an diesem Abend seine Uraufführung hatte. In allen drei Stücken wirkte Braunstein auch als Dirigent.

In Beethovens Violinkonzert lief nicht alles rund, einige Orchestereinsätze waren nicht ganz synchron, auch Braunstein verhaspelte sich im ersten Solo der Violine ein wenig und startete beim nachfolgenden Solo etwas zu früh. Man merkte, dass ihm eine musikantische Spielweise, die von Spontaneität und Frische geprägt ist, wichtiger war als eine formal perfekte Aufführung. So glänzte er mit einem romantischen vollen Ton und leistete sich gelegentlich auch ein Portamento, sprich das stufenlose Gleiten von einem Ton in den anderen, was ihn als Geiger der romantischen Schule charakterisiert.

In den Kadenzen des Violinkonzerts war ein echter Virtuose zu erleben

Für die drei Sätze des Beethoven-Konzerts wählten Braunstein und das Konzerthausorchester angenehm fließende Tempi. Sehr klangschön und ausdrucksstark geriet das Larghetto, kraftvoll und resolut das Rondo. Hier übertrieb es Braunstein gelegentlich ein wenig mit dem Krafteinsatz. Dass er ein echter Virtuose ist, erlebte man in den Kadenzen des Violinkonzerts. Vor allem in jener des ersten Satzes wirbelte er fulminant durch die in den Oktavlagen springenden Triller und bot das Hauptthema in flötenartigen Flageolett-Klängen dar.

Auch in der Zugabe, einem teuflisch schweren Variationssatz über den Beatles-Song „Blackbird“, zeigte sich Braunstein als wahrer Hexenmeister auf der Geige, der die irrwitzigsten Läufe, Sprünge und Doppelgriff-Triller scheinbar locker aus dem Ärmel schüttelte.

Nach der Pause stand dann das Orchesterwerk „Portrait“ auf dem Programm. Es ist ein einsätziges kompaktes Stück, das stilistisch-ästhetisch ganz in der Tonsprache der Romantik wurzelt. Die Komponistin bewegt sich da im Fahrwasser der Sinfonik von Gustav Mahler und Brahms, weiß jedoch keine eigenen neuen Aspekte miteinzubringen. Es fehlt eine kritische Kommentierung oder eine ironische Brechung, die dieses Stück stilistisch in die Gegenwart bringen könnte. Somit bleibt es eine nette Stilkopie, angenehm zu hören, jedoch letztlich anachronistisch.

Die Celli glänzten in wunderbaren Kantilenen mit samtigen Schmelz

Das Finalwerk des Abends bildete Mendelssohns 3. Sinfonie „Schottische“, die Guy Braunstein und seine Musiker mit großem romantischem Ton zum Klingen brachte. Hier glänzten im ersten Satz besonders die Celli durch wunderbare Kantilenen mit samtigem Schmelz. Auch der folkloristisch geprägte zweite Satz überzeugte, hier waren es die klangschönen Episoden der Holzbläser, die besonders herausstachen, während man sich die flirrende Streicherbegleitung noch etwas leichter und zarter vorstellen könnte.

Im dritten Satz, einem Adagio, hatten die Hörner ihren großen Auftritt, und sie meisterten ihre Aufgabe höchst respektabel. Sehr energetisch und schwungvoll gestaltete Braunstein den entfesselten Finalsatz, das Publikum in der gut besuchten Synagoge dankte es mit begeistertem Applaus inklusive Fußtrampeln.