Theater

Pavlo Aries Kultursalon am Berliner Ensemble

Floh mit seinen Eltern aus der Ukraine: Pavlo Arie.

Floh mit seinen Eltern aus der Ukraine: Pavlo Arie.

Foto: Moritz Haase / fm

Unter dem Titel „Stories from Exile“ bietet der ukrainische Theatermacher seit diesem Wochenende kurze Theaterabende an.

Was heißt es eigentlich und wie fühlt es sich an, im Exil zu leben? Dieser in Kriegszeiten hochrelevanten Frage spürt derzeit das Berliner Ensemble nach – mit Luk Percevals Inszenierung des Romans „Exil“ von Lion Feuchtwanger im Großen Haus, mit einem kürzlich abgehaltenen, von der Schriftstellerin Olga Grjasnowa kuratierten Thementag und mit einem Kultursalon des ukrainischen Theatermachers Pavlo Arie, der in den nächsten Monaten jeweils freitags, sonnabends und sonntags bei freiem Eintritt im Gartenhaus des Theaters zugänglich ist.

Fremdheit und die Frage, wann es vorbei ist

Zum Auftakt am Freitag wandte sich Arie ebenfalls Feuchtwangers monumentalem Roman zu. Arie, das sollte man vorwegschicken, ist einige Wochen nach Kriegsbeginn zusammen mit seinen hochbetagten Eltern aus der Ukraine geflohen. Nachdem er ein zum Einlass bedächtig tickendes Metronom auf einem kleinen Tisch abgestellt hat, erzählt er zuerst, wie ihn Feuchtwangers Geschichte über den bayerischen Komponisten Sepp Trautwein, der sich zur Zeit des Nationalsozialismus im Pariser Exil aufhalten muss, an die eigene Lage erinnert habe. Denn selbst wenn man von hilfsbereiten, freundlichen Menschen in Empfang genommen werde und dafür Dankbarkeit empfinde, sei die Lage doch eben die, dass man in fremder Bettwäsche schlafe, fremde Kaffeetassen benutze, in Wohnungen lebe, die man nicht selbst eingerichtet habe.

Zur Fremdheit kommt eine zeitliche Dimension. Das Exil umfasst die Zumutung, nichts über seine Dauer zu wissen, das wird in der von Oliver Kraushaar brillant vorgetragenen Wartesaal-Passage aus Feuchtwangers Roman schmerzhaft deutlich. Der Schauspieler liest, Pavol Arie antwortet mit persönlichen Geschichten, es ist ein Gespräch über 90 Jahre hinweg, drei Menschengenerationen, in denen sich die Erfahrungen auf gespenstische Weise gleichen.