Staatsbibliothek

Ein Kater, Roboter und unheimliche Geschichten

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Eine Vitrine in der Ausstellung „Unheimlich Fantastisch E.T.A. Hoffmann 2022“ in der Staatsbibliothek Unter den Linden.

Eine Vitrine in der Ausstellung „Unheimlich Fantastisch E.T.A. Hoffmann 2022“ in der Staatsbibliothek Unter den Linden.

Foto: Jörg Krauthöfer / FUNKE Foto Services

Dem Berliner Schriftsteller E.T.A. Hoffmann widmet die Staatsbibliothek Unter den Linden eine Ausstellung zum 200. Todestag.

Dass man dieser oder jener historischen Figur gerne einmal persönlich begegnet wäre, das sagt man gern mal dahin. Aber das gilt wohl nicht für den Schriftsteller, Juristen, Komponisten und Zeichner E.T.A. Hoffmann, der 1776 in Königsberg geboren wurde und 1822 in Berlin verstarb. Seine Zeitgenossen fürchteten das Schandmaul und seine Karikaturen. In der neuen Ausstellung „Unheimlich Fantastisch“ in der Staatsbibliothek Unter den Linden wird auch das Weiterleben seiner dystopischen Fantasien bis ins Heute verfolgt. In der Kinoecke geht es etwa um den amerikanischen Science-Fiction-Kultfilm „Blade Runner“ von 1982 oder den Berliner Albtraumstreifen „Der Nachtmahr“ von 2015. Darin werde E.T.A. Hoffmann zitiert, wie Ausstellungsleiterin Christina Schmitz erklärt.

Das Großartige an dieser leicht verspielten und von vielfältiger Fachkompetenz geprägten Ausstellung ist, dass sie mit vergleichsweise wenigen Originalen das Biografische und Künstlerische von E.T.A. Hoffmann nachzeichnet und damit zugleich Fährten in sein Innenleben legt. Opernliebhaber werden zuerst an Offenbachs Fantastische Oper „Hoffmanns Erzählungen“ denken, die in der Weinstube Luther & Wegner am Gendarmenmarkt spielt und auf die drei Erzählungen „Der Sandmann“, „Rat Krespel“ und „Die Geschichte vom verlorenen Spiegelbild“ zurückgreift. In der Oper geht es um die Frauen, aber die große Liebe Olympia von Hoffmanns alter ego offenbart sich im zweiten Akt als singende Aufziehpuppe. Sie ist ein Prototyp der heutigen Robotik. Und das mit allen Abgründen.

Ihn beschäftigte die Verschmelzung von Mensch und Technologie

Mit Hoffmanns Neugierde auf die Wissenschaft seiner Zeit befasst sich also ein Themenkomplex der Ausstellung. Zu sehen sind ein Sonnenmikroskop oder eine Elektrisiermaschine. In seinen Texten nutzte Hoffmann die Elektrizität als Mittel zur Darstellung von erotisch-sexuellen Abhängigkeiten oder zur Erklärung übersinnlicher Ereignisse. Im Raum steht auch ein Musikautomat und ein Holzbottich zur Durchführung „magnetischer Heilbehandlungen“. Der Begriff der Künstlichen Intelligenz spielt in der Schau eine Rolle. An den Wänden hängen übergroß die dokumentarischen Kunstfotografien zum Transhumanismus von Matthieu Gafsou, die die Verschmelzung von Mensch und Technologie zeigen. Im Rückblick auf Hoffmanns Fantasien ahnt man, dass er entweder ein Hypochonder war oder ein egomanischer Künstlertyp, der auf die eigene Unsterblichkeit hoffte.

Natürlich will eine Wechselschau im erst kürzlich eröffneten Kulturwerk der Staatsbibliothek den ästethischen Bildungshunger stillen. In den Ausstellungsräumen erklingt Musik aus E.T.A. Hoffmanns romantische Zauberoper „Undine“, dazu werden auf einer Wand die Bühnenbildentwürfe von Karl Friedrich Schinkel eingeblendet. Hoffmann wohnte ab 1815 am Gendarmenmarkt. Gegenüber seiner Wohnung stand das Nationaltheater, dass er auch regelmäßig besuchte. Hoffmann war Zeuge, wie das Theatergebäude am 29. Juli 1817 niederbrannte. Auch die Bühnendekoration zur Oper „Undine“ verbrannte. Damit endeten die Aufführungen seiner erfolgreich gestarteten Oper.

Während seines bewegten Lebens zog es E.T.A. Hoffmann immer wieder nach Berlin. Vor allem seine erfolgreichsten Jahre von 1814 bis zu seinem Tod 1822 verbrachte er hier, das Luther & Wegner war sein Stammlokal. Er besuchte Ausstellungen, Theateraufführungen und Konzerte. In einer Vitrine der Ausstellung befindet sich ein Dankesbrief von Ludwig van Beethoven vom 23. März 1820 an den Musikkritiker Hoffmann für die guten Rezensionen seiner Werke. In seiner Kritik von Beethovens 5. Symphonie prägte Hoffmann auch den Begriff der Romantischen Musik. Als Mozart-Verehrer hatte Hoffmann seinen dritten Vornamen Wilhelm in Amadeus geändert. Schnell wird in Schau deutlich, das sich in Hoffmanns Leben alles ums Schreiben, Komponieren und Zeichnen drehte.

Sein Leben als einflussreicher Richter am Berliner Kammergericht

Aber in seiner Geburtsstadt Königsberg war er zum Juristen ausgebildet worden. Eine Vitrine widmet sich dem Richter am Berliner Kammergericht. 1819 wurde Hoffmann Mitglied der Königlichen Untersuchungskommission, die liberale und nationalistische Burschenschafter verfolgen sollte. Anlass war die Ermordung des Politikers und Schriftstellers August von Kotzebue durch Karl Ludwig Sand. Hoffmann ermittelte auch gegen Friedrich Ludwig „Turnvater“ Jahn, dem er aber keine strafbaren Handlungen nachweisen konnte und aus der Haft entließ.

Der Fall eines Haustiers muss noch erwähnt werden. Im satirischen Roman „Lebens-Ansichten des Katers Murr“ von 1820 geht es um die Biografien des Katers und des Kapellmeisters Johannes Kreisler. Letzterer war ein Pseudonym Hoffmanns. Als Hoffmanns eigener Kater namens Murr starb, verschickte Hoffmann eine Todesanzeige an Freunde. Ein Original liegt in der Vitrine.

Stabi Kulturwerk in der Staatsbibliothek Unter den Linden, Mitte. Geöffnet Di.-So. 10-18 Uhr, Do. 10-20 Uhr. Freier Eintritt.