Young Euro Classic

Orchesterklänge gegen Kriegszerstörungen

| Lesedauer: 3 Minuten
Mario-Felix Vogt
Youth Symphony Orchestra of Ukraine unter Leitung von Oksana Lyniv im Konzerthaus.

Youth Symphony Orchestra of Ukraine unter Leitung von Oksana Lyniv im Konzerthaus.

Foto: MUTESOUVENIR I Kai Bienert

Das Jugendsymphonieorchester der Ukraine begeisterte mit nationalen Werken im Konzerthaus.

Anders als die meisten anderen Jugendorchester des Festivals „Young Euro Classic“ hatte das Jugendsymphonieorchester der Ukraine kein Programm mit Werken international bekannter Komponisten zusammengestellt, sondern setzte überwiegend auf ukrainisches Repertoire. Zunächst erklang das Streichorchesterstück „Maria’s City“ von Zoltan Almashi (Jahrgang 1975). „Maria’s City“ ist die Übersetzung von Mariupol, es ist ein Gedenken an die russische Zerstörung der ostukrainischen Hafenstadt. Das Stück beginnt mit einer Sologeige, die einen leisen resignativen Gesang anstimmt, anschließend setzen die übrigen Streicher ein.

Das Werk bewegt sich zunächst in eher romantischer Tonsprache, der Mittelteil hingegen ist schärfer, dissonanter, er ist von Explosionen inspiriert, die der Komponist selbst in Lemberg gesehen hat. Am Ende erklingt eine zerbrechliche Melodie, die die Trümmer der zerstörten Häuser durchbricht. Denn: „Das Leben wird am Ende gewinnen.“ (Almashi). Mit großem Einfühlungsvermögen und viel Klangsinn führte die exzellente Dirigentin Oksana Lyniv durch dieses erschütternde Werk. Sie macht zurzeit eine steile Karriere, dirigierte als erste Frau bei den Bayreuther Festspielen und leitet seit diesem Jahr ebenfalls als erste Frau ein Opernhaus in Italien (Bologna).

Eine Romanze, die auf ukrainischer Volksmusik beruht

Als zweites Stück folgte das „Ukrainische Poem“ für Violine und Orchester von Jewgen Stankowitsch (Jahrgang 1942). Es stellt eine Romanze dar, die auf Elementen ukrainischer Volksmusik beruht. Als Solist agierte der aus Odessa stammende Geiger Andrii Murza, der unter anderen bei Pinchas Zukerman studierte. Er überzeugte das Publikum durch seinen großen romantischen Ton, der ein wenig an den großen – ebenfalls aus Odessa stammenden – David Oistrach erinnerte.

Mit der dritten Kammerkantate von Oleh Kyva (1947-2007) kamen die Gesangsfreunde auf ihre Kosten. In dem silbrig-filigranen Stück, das klanglich von Flöte und Glockenspiel geprägt war, begeisterte die aus Lemberg stammende Mezzosopranistin und Montserrat-Caballé-Schülerin Nataliia Kukhar mit klarer und zugleich warm timbrierter Stimme. Als letztes Werk des ukrainischen Teils stand die opulente symphonische Dichtung „Grazyna“ des Kiewer Komponisten Borys Ljatoschynskyj auf dem Programm, der gehörte zu den großen ukrainischen Sinfonikern des 20. Jahrhunderts gehörte. Auch dieses Stück brachte das ukrainische Jugendorchester souverän zur Aufführung brachte, insbesondere die Schlagzeuger agierten hier sehr souverän.

Das Publikum bedankte sich mit stehenden Ovationen

Zum Abschluss des Abends gab es Antonín Dvořáks beliebte „Sinfonie aus der Neuen Welt“. Die jungen Ukrainer agierten darin sehr respektabel, wunderbar plastisch arbeitete die großartige Dirigentin die verschiedenen Charaktere heraus, voller Anmut erklang das indianische Thema. An einigen Stellen zeigte sich allerdings doch der Niveau-Unterschied zu großen renommierten Berufsorchestern. So gab es zu Beginn des zweiten Satzes einige Unsauberkeiten und asynchrone Einsätze bei den Blechbläsern, desgleichen bei den Flöten. Das Finale hingegen gelang großartig, hier begeisterte vor allem das druckvoll aufspielende Blech, allen voran die hervorragenden Hornisten. Das Publikum im ausverkauften Konzerthaus bedankte sich mit stehenden Ovationen, daraufhin spielte das Orchester nochmals das Violin-Poem als Zugabe.