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Gelungener Start des Young Euro Classic Festivals

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Mario-Felix Vogt
Er leitet das National Youth Orchestra of the USA: Star-Dirigent Daniel Harding.

Er leitet das National Youth Orchestra of the USA: Star-Dirigent Daniel Harding.

Foto: © MUTESOUVENIR I Kai Bienert

Emotional packend und mitreißend eröffnete das Nationale Jugendorchester der USA unter Daniel Harding das Young Euro Classic-Festival.

Der Abend begann hymnisch. Zur Eröffnung des Young Euro Classic-Festivals am 5. August im Konzerthaus intonierten die virtuos agierenden Blechbläser des ­Orchesters die Festivalhymne von Iván Fischer, darauf folgten kurze Ansprachen der Regierenden Bürgermeisterin Franziska Giffey und Willi Steul, dem Ersten Vorsitzenden des Deutschen Freundeskreises europäischer Jugendorchester e.V. Giffey betonte die völkerverbindende Wirkung von Musik, die gerade in den aktuellen Zeiten voller Krisen und Kriege von großer Bedeutung sei. Denn „Musik spricht von Seele zu Seele und berührt die Herzen“.

Willi Steul erzählte anschließend, dass das Young Euro Classic-Festival ursprünglich nur als einmaliges Projekt geplant war. Es sei jedoch so gut vom Berliner Publikum angenommen worden und auch von allen Berliner Bürgermeistern so tatkräftig unterstützt worden, dass man es in den Folgejahren fortgesetzt habe. In diesem Jahr findet es nun bereits zum 23. Mal statt.

Die „neue Jacqueline du Pré“ begeistert als Solistin

Als erstes Stück des Abends hatte das nationale amerikanische Jugendorchester, das zurzeit von dem britischen Stardirigenten Daniel Harding geleitet wird, das Cellokonzert des englischen Romantikers Edward Elgar aufs Programm gesetzt. Es entstand im Jahre 1919, ist von einer melancholischen Grundstimmung geprägt und stellt das letzte größere Werk dar, das er schuf. Den Solopart übernahm die in den USA als neue Jaqueline du Pré gefeierte Amerikanerin Alisa Weilerstein, und den meisterte sie ganz vorzüglich.

Mehr zum Thema: Festivalleiterin Gabriele Minz über Young Euro Classic

Mit markigem Ton und natürlichem Ausdruck ohne forciertes Vibrato gestaltete sie das Stück und erweckte mit einer feinen dynamischen Gestaltung jede Phrase zum Leben. Viel klangliche Fantasie brachte sie bei der Gestaltung der wechselnden Charaktere des Scherzos mit ein, in nobler Schlichtheit und mit nur wenigen Portamenti interpretierte sie das Adagio. Dabei faszinierte die Klangbalance zwischen Soloinstrument und Orchester, denn nur selten erlebt man es im Konzert, dass ein Soloinstrument im Zusammenspiel mit Orchester vom ersten bis zum letzten Ton durchhörbar ist. Hier war es der Fall, da Daniel Harding die Musiker in den piano-Stellen nur sehr dezent agieren ließ.

Ein gewaltiger Brocken: Mahlers Fünfte Sinfonie - mit einigen Kieksern

Als weiteres Werk hatte sich das Orchester einen gewaltigen Brocken der spätromantischen Sinfonik vorgenommen: Gustav Mahlers fünfte Sinfonie, deren Adagietto-Satz als Filmmusik in Luchino Viscontis Thomas-Mann-Verfilmung „Tod in Venedig“ besondere Berühmtheit erlangt hat. Hier sind Dirigent und Orchester maximal gefordert, da sich die unterschiedlichsten musikalischen Charaktere rasch abwechseln, gegenseitig überlagern und durchdringen.

Für jeden Trompeter ist außerdem die Eröffnungsfanfare ein Prüfstein. Der Solotrompeter gab sich da redlich Mühe, schaffte es aber nicht ganz, das Fanfarensignal ohne Kiekser vorzutragen. Insgesamt ist aber den Blechbläsern ein großes Lob auszusprechen, insbesondere die Hörner agierten souverän und kantabel. Wunderbar tänzerisch und federnd, mit Wiener Charme gelang das Scherzo, und zum Höhepunkt geriet das berühmte Adagietto, in dem die Streicher mit hoher Klangkultur eine schwebend-traumhafte Stimmung schufen.

Da gab es zu Recht stehende Ovationen. Das Orchester bedankte sich mit einer schmissigen, 100-prozentig amerikanischen Zugabe: dem „Superman March“ von Filmkomponist John Williams.