Ethnologie

Humboldt Forum zeigt neue Highlights aus Fidschi und Palau

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Gesa Born
Ein traditionelles Versammlungshaus (Bai) aus Palau lässt sich ab dem 17. September im Humboldt Forum besichtigen.

Ein traditionelles Versammlungshaus (Bai) aus Palau lässt sich ab dem 17. September im Humboldt Forum besichtigen.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE Foto Services

Neuheiten im Ethnologischen Museum: Indigene Boots- und Hausbauer machen Zeitgenössisches aus Ozeanien erfahrbar – auch für Kinder.

Berlin. Ein geschäftiges Rascheln ist im Ausstellungssaal „Bauwerke aus Ozeanien“ im Humboldt Forum zu hören. Indigene Hausbauer aus Palau sind dabei, das Dach des Nachbaus eines traditionellen Versammlungshauses zu decken – mit getrockneten Palmblättern.

Nur einen Ausstellungssaal weiter stellen Bootsbau-Spezialisten aus Fidschi ein Doppelrumpf-Segelboot auf. „Für uns war klar: Wenn wir eng mit unseren internationalen Partnern zusammenarbeiten wollen, dann muss es auch etwas Zeitgenössisches sein; etwas, das funktioniert, das genutzt wird vor Ort“, so Lars-Christian Koch, Direktor des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin. Die beiden Neuheiten im Humboldt Forum seien auch Zeichen dafür, wie sich „Gesellschaften vor Ort wieder an ihre Gesellschaften zurückerinnern“.

Patrick Tellei, der das Bauteam leitet, streift mit der Hand über eine der „Palmblatt-Dachschindeln“. In Palau, seiner ozeanischen Heimat, wüchsen die Blätter im Wasser, erklärt er. Diese Art der Dachdeckung sei nichts Ungewöhnliches in seiner Heimat – eigentlich beherrsche sie jeder, da die Technik sogar in der Schule gelehrt werde. Doch in der Regel hielten sie nicht lange. Im Schnitt acht bis zehn Jahre. Stürme seinen in seiner Heimat nicht selten und würden durch den Klimawandel immer häufiger.

Versammlungshäuser als Orte politischer Macht

Solche Versammlungshäuser wie das im Humboldt Forum – sogenannte Bai – seien früher in palauischen Dörfern nicht selten gewesen: Sie waren Orte politischer Macht. Es gab sie für den Rat der Herrschenden und für Klubs gleichaltriger Männer – die hier öffentliche Arbeiten, wie den Bau von Straßen und Häusern, organisierten.

Mit den einschneidenden Eingriffen der deutschen und später der japanischen Kolonialregierung in die Herrschaftsverhältnisse vor Ort verloren diese Männerklubs an Bedeutung. Dennoch seien sie bis heute identitätsstiftend, so Hartmut Dorgerloh, Generalintendant des Humboldt Forums.

Dass sie wichtige Bestandteile der palauischen Kultur seien, zeige sich auch darin, dass sich ein Replica eines der vier verbleibenden Bai auf dem Gelände des Nationalmuseums in Koror, der Hauptstadt von Palau, finde. Auch das Regierungssiegel der Republik zeige ein solches Bai.

Der Arzt und Ethnologe Augustin Krämer kam 1907 nach Koror und ließ im verkleinerten Maßstab ein Bai für das damalige Berliner Völkerkundemuseum bauen (heute das Ethnologische Museum). In Berlin wurde es dann erstmals im Jahr 1908 als Neuerwerbung der Öffentlichkeit gezeigt – vom Museum ergänzt um Fußboden und Dachstuhl.

Dachbedeckung fehlte noch – bis heute

Nach dem Umzug des Hauses von Dahlem nach Mitte wurde es im Humboldt Forum wiederaufgebaut. Doch etwas fehlte noch: Die Dachbedeckung, die jetzt vollendet wird.

Im Ausstellungssaal „Ozeanien, Mensch und Meer“ bauen stellen parallel die Bootsbau-Spezialisten Joji Marau Misaele und Rogovosa Biuwale aus Fidschi ein Doppelrumpf-Segelboot auf – ein sogenanntes Drua, mit einer Breite von 2,70 Meter und einer Länge von zehn Metern. „Die beiden Rümpfe sind aus einem großen Stück Holz gefertigt. Ansonsten gibt es viele kleine Einzelteile“, erklärt Joji Marau Misaele. Diese seien in traditioneller Kleinstarbeit mit einer Schnur aus Kokosfaser verbunden.

Als Neuerwerbung der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss wurde das Boot in Kooperation mit der Fiji National University von den fidschianischen Bootsbauern nach traditionellen Handwerkstechniken hergestellt. „Dort wurde das Boot auseinandergebaut, verfrachtet und hier wieder aufgebaut“, so Dorothea Deterts, Kuratorin der Sammlung Ozeanien im Ethnologischen Museum.

Virtual-Reality-Brillen für Kinder auf dem Segelboot

Es handele sich um den Nachbau eines Doppelrumpfbootes aus dem Jahr 1913, das heute auch in einer Ausstellung im Fidschi Museum auf der Hauptinsel Vitu Levu präsentiert werde. Mit solchen Doppelrumpfboten haben die Polynesier einst den Ost-Pazifik erkundet – und weit entfernte Inseln angesteuert und besiedelt. In Fidschi waren sie früher wichtiges Verkehrsmittel.

Ab der Ausstellungseröffnung, am 17. September, können Kinder das zehn Meter lange Boot dann auch selber beklettern – und nicht nur das: Mit Hilfe von Virtual-Reality-Brillen können sie virtuell in See stechen und dabei lernen, wie man sich „anhand von Sonnenstand und Wolken zu anderen Inseln navigieren kann“, so die Kuratorin.