Friedrichshain

Gedenktafel für iranischen Schriftsteller enthüllt

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Gesa Born
Ehsan Djafari, Vorstandssprecher der Iranischen Gemeinde in Deutschland, und Kultur-Staatssekretär Torsten Wöhlert enthüllen die Tafel.

Ehsan Djafari, Vorstandssprecher der Iranischen Gemeinde in Deutschland, und Kultur-Staatssekretär Torsten Wöhlert enthüllen die Tafel.

Foto: Jörg Krauthöfer / FUNKE Foto Services

In Friedrichshain wird jetzt an seinem ehemaligen Wohnhaus an Bozorg Alavi erinnert.

Berlin.  Dass an der Frankfurter Allee, Hausnummer 2, in Friedrichshain fast 40 Jahre lang einer der bedeutendsten iranischen Schriftsteller in Deutschland zur Miete wohnte, wissen wohl nur wenige. Damit sich das ändert, hat die Senatsverwaltung für Kultur und Europa nun eine Gedenktafel an dem Wohnhaus angebracht. Sie erinnert an Bozorg Alavi (1904–1997) und ehrt ihn als einen der Väter der modernen persischen Literatur.

„Der Weg zu dieser Tafel war etwas steinig und hat einige Zeit gebraucht“, sagt Torsten Wöhlert, Staatssekretär für Kultur, bei der Einweihungsveranstaltung am Mittwoch. Er dankte „all denen, die diesen Prozess mit Geduld und Beharrlichkeit begleitet haben“, und auch den Anwohnenden für deren finales Einverständnis, die Tafel aufhängen zu dürfen – obwohl die meisten von ihnen erst einmal nichts mit dem Namen Bozorg Alavi in Verbindung bringen konnten.

Eine seiner größten Leistungen: Herausgabe eines Wörterbuchs

Dabei sei er nicht nur wichtig für in Deutschland lebende Iranerinnen und Iraner, betont Ehsan Djafari, Vorstandssprecher der Iranischen Gemeinde in Deutschland: „Mit viel Herzblut hat er sich für die persische Literaturwissenschaft im Besonderen sowie um die deutsch-iranischen Beziehungen im Allgemeinen engagiert.“ Eine seiner größten Leistungen sei die Herausgabe des Persisch-Deutsch-Wörterbuchs – ein wissenschaftliches Standardwerk.

Als Bozorg Alavi im Jahr 1953 im Alter von 49 Jahren ins Exil nach Ost-Berlin ging, galt er in seiner iranischen Heimat bereits als einer der prominentesten Schriftsteller und linken Intellektuellen des Landes. Seinen wissenschaftlichen Leistungen ist es zu verdanken, dass sich an der Humboldt-Universität zu Berlin – wo er nach seiner Emigration eine Professur übernahm – ein international anerkanntes Zentrum für Iranistik entwickelte.

Im Iran 1937 für vier Jahre inhaftiert

Zum Schulbesuch und Studium kam der 1904 in Teheran geborene Bozorg Alavi bereits zum ersten Mal nach Deutschland – nach Münster, so Ehsan Djafari, der den Schriftsteller persönlich kannte: „Es schien, als sei er damals der einzige Iraner in ganz Münster gewesen.“ Wieder zurückgekehrt in den Iran, arbeitete Bozorg Alav als Deutschlehrer und Übersetzer. Zeitgleich schloss er sich der kommunistischen, marxistisch-leninistischen Bewegung im Iran an – wofür er 1937 für vier Jahre inhaftiert wurde. Er habe sich selbst als „Pendler“ zwischen zwei Polen bezeichnet, so Ehsan Djafari. „Zwischen Literatur und politischem Aktivismus.“

Nach seiner Emigration befasste er sich in Berlin als iranischer Wissenschaftler und Vermittler persischer Sprache und Kultur dann in seiner neuen Heimat, der DDR, genau mit der Literatur, die er selbst in einer seiner bedeutenden Phasen mitgeprägt hatte.