Hauptrolle Berlin

Pierre Sanoussi-Bliss: „Ich bin halt ’ne faule Sau“

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Pierre Sanoussi-Bliss (Mitte) und Matthias Freihof (rechts) mit Morgenpost-Redakteur Peter Zander vor dem Zoo Palast.

Pierre Sanoussi-Bliss (Mitte) und Matthias Freihof (rechts) mit Morgenpost-Redakteur Peter Zander vor dem Zoo Palast.

Foto: Jörg Krauthöfer / FUNKE Foto Services

Der Schauspieler und sein Kollege und Freund Matthias Freihof stellten in der Filmreihe „Hauptrolle Berlin“ „Zurück auf Los!“ vor.

Ihr Film ist über 20 Jahre, ihre Freunschaft fast doppelt so alt. Am gestrigen Dienstag stellten die Schauspieler Pierre Sanoussi-Bliss und Matthias Freihof in der Filmreihe „Hauptrolle Berlin“ im Zoo Palast noch einmal ihren Film „Zurück auf Los!“ vor. Ein Berlin-Film der anderen Art, der ganz absichtsvoll nicht über Wahrzeichen und touristische Ecken erzählt wird, sondern über seine Figuren. „Man sagt immer, Berlin sei eine Stadt, in der die Menschen sich verlieren“, so Sanoussi-Bliss, der bei diesem Film auch das Drehbuch schrieb und die Regie führte. „Ich wollte dagegen einen Film zeigen, in denen die Menschen die Stadt in sich tragen.“

„Es reicht, wenn man die S-Bahn hört. Man muss sie nicht auch zeigen“

Matthias Freihof war in der Filmreihe, die die Morgenpost gemeinsam mit dem Zoo Palast an jedem ersten Dienstag im Monat veranstaltet, schon mal zu Gast: mit „Coming Out“, dem ersten Schwulenfilm der DDR aus dem Jahr 1989. „Zurück auf Los!“, der ebenfalls von Schwulen im Osten der Stadt erzählt, betrachtet er gern als Schwester-Film.

Wobei er es schon lustig findet: Heiner Carow konnte bei „Coming Out“ gar nicht oft genug auf Straßenbahnen und Plätze mit Menschen halten, um es so atmosphärisch und stadt-authentisch wie möglich zu machen. Sanoussi-Bliss dagegen meint: „Es reicht doch, wenn man die S-Bahn quietschen hört. Man muss sie nicht auch noch zeigen.“

Lesen Sie hier: So entstand der Film „Zurück auf Los!“

Der Film war auch ein Dreh unter Freunden. Sanoussi-Bliss hat sich und Freihof die Rollen auf den Leib geschrieben. Und das seien Dialoge, die einfach stimmten, schwärmt Matthias Freihof. Sonst müsse man sich die als Schauspieler erst mundgerecht machen. Aber solche Dialoge finde man im deutschen Fernsehen bis heute nicht.

Sanoussi-Bliss: „Ich bin einfach eine faule Sau“

Auch Doris Dörrie, die bei „Zurück auf Los!“ ursprünglich Regie führen sollte und dann zumindest eine kleine Gastrolle spielte, hat uns kürzlich davon geschwärmt: „Der Pierre kann so schön schreiben! Seit 20 Jahren trete ich ihm in den Hintern, dass er mehr schreiben soll. Aber er macht’s einfach nicht.“ Da muss Sanoussi-Bliss schmunzeln. Das mit dem Hintern stimme. Das mit den 20 Jahren auch. „Ich bin“, frotzelt er, „einfach ’ne faule Sau“.

Aber da springt ihm Freihof bei. Echte Freundschaft eben. Pierre habe ja noch einen zweiten Film, „Weiber“ geschrieben. Noch ein Berlin-Film Und von ihm kommt demnächst ein Kinderbuch heraus: „Der Nix“. Also keine Nixe. Ein gendergerechtes Buch.

Das passt sogar ein wenig zu dem Film, der als nächstes in unserer Filmreihe zu sehen ist: Am 6. September läuft im Zoo Palast „Undine“, in dem die Stadt aus der Sicht einer Nixe gezeigt wird. Zu Gast ist dann Filmregisseur Christian Petzold.